Volltext: Liechtensteiner Volksblatt (2009)

WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN FÜR DAS RHEINTAL 
WIRTSCHAFT 
Berufe im Ge- 
sundheits- und 
Sozialwesen 
nehmen weiter 
rasant zu. 
Wirtschaft / 14 
Mittwoch, 30. September 2009 Seite 11 
Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen 
Wirtschaft / 13 
Börse dank Novartis leicht im Plus 
Wirtschaft / 14 
NEWSMIX 
Italien eröffnet Rennen um 
Nachfolge von EZB-Trichet 
ROM – Das Rennen um die Nachfolge von 
EZB-Präsident Jean-Claude Trichet ist gut 
zwei Jahre vor Ende seiner Amtszeit eröffnet. 
Italiens Aussenminister Franco Frattini sagte 
am Dienstag, sein Land wäre geehrt, sollte 
der Chef der Banca d’Italia, Mario Draghi, 
ab November 2011 an der Spitze der Noten- 
bank stehen. Draghi, seit 2006 an der Spitze 
der italienischen Notenbank, ist zudem Chef 
des Financial Stability Board, eines Gremi- 
ums von Finanzexperten, die im Auftrag der 
G-20 Vorschläge für eine bessere Regulierung 
der Finanzbranche machen. Neben Draghi 
werden auch dem Präsidenten der deutschen 
Bundesbank, Axel Weber, gute Chancen auf 
Trichets Nachfolge eingeräumt.   (sda) 
Nachfrage nach Flügen erholt 
sich – Dennoch keine Gewinne 
ZÜRICH – Die Nachfrage im Flugverkehr 
zieht nach dem krisenbedingten Einbruch 
wieder an. Dennoch liege die Gewinnzone 
für die Luftfahrtbranche noch immer in wei- 
ter Ferne, teilte der Branchenverband IATA 
am Dienstag mit. «Die Flugpreise haben sich 
auf einem ertraglosen Niveau stabilisiert», 
sagte IATA-Generaldirektor Giovanni Bisig- 
nani. Zwar sanken der weltweite Luftfracht- 
verkehr im August um 9,6 Prozent und der 
Passagierverkehr um 1,1 Prozent gegenüber 
dem Vorjahr. Dennoch lag die Nachfrage 
deutlich über den Tiefpunkten im Zuge der 
weltweiten Wirtschaftkrise. (sda) 
Konjunktur erholt sich weiter 
BERLIN – Die Erholung der deutschen 
Wirtschaft beschleunigt sich nach Einschät- 
zung des Deutschen Instituts für Wirtschafts- 
forschung weniger dynamisch als erwartet. 
In seinem gestern veröffentlichten Konjunk- 
turbarometer nennt das Institut für das dritte 
Quartal ein voraussichtliches Wachstum von 
0,7 Prozent. In der August-Schätzung ging 
das DIW noch von 0,8 Prozent aus.   (sda) 
Ex-Enron-Manager verurteilt 
WASHINGTON – Knapp acht Jahre nach 
dem Pleiteskandal des US-Energieriesen En- 
ron ist ein weiterer Manager des Konzerns zu 
einer Haftstrafe verurteilt worden. Der 
frühere Chef der Enron Broadband Services, 
Joseph Hirko, wurde zu 16 Monaten Gefäng- 
nis verurteilt. Der 53-Jährige muss zudem 
sieben Millionen Dollar an die Opfer seiner 
Machenschaften zahlen. Der Kollaps von En- 
ron im Dezember 2001 ist eine der grössten 
Firmenpleiten der US-Geschichte. Der Ener- 
giekonzern soll Schulden in Höhe von schät- 
zungsweise 40 Milliarden Dollar in seinen 
Bilanzen verschleiert haben. Der ehemalige 
Enron-Chef Jeffrey Skilling wurde im Ok- 
tober 2006 zu 24 Jahren Haft verurteilt. 
Enron-Gründer Kenneth Lay starb im Juli 
zuvor an einem Herzinfarkt, bevor das Ur- 
teil gegen ihn gefällt werden konnte. (sda) 
www.mentalenergie.ch 
Sie entscheiden jeden Tag, 
    welchen Weg Sie gehen wollen. 
Krise hat Arbeitsmarkt fest im Griff 
Erwerbslosigkeit in der Schweiz deutlich gestiegen 
BERN – Die Wirtschaftskrise hat 
die Erwerbslosigkeit in der 
Schweiz deutlich steigen lassen. 
Im zweiten Quartal 2009 waren 
laut Bundesamt für Statistik (BFS) 
182 000 Menschen erwerbslos. 
Innerhalb eines Jahres stieg die Er- 
werbslosenquote damit von 3,4 auf 
4,1 Prozent. Am stärksten von der 
Zunahme betroffen sind die 25- bis 
39-Jährigen (+1,6 Prozentpunkte 
auf 4,7 %). Leicht über dem Durch- 
schnitt liegt die Zunahme bei Aus- 
ländern (+0,9 Prozentpunkte auf 
7,2 %) sowie in der Westschweiz 
und im Tessin (+0,9 Prozentpunkte 
auf 5,6 %). 
Besser als die EU 
Im internationalen Vergleich blei- 
be die Erwerbslosigkeit in der 
Schweiz gering, schreibt das BFS. 
So stieg die durchschnittliche Er- 
werbslosenquote in der EU innert 
Jahresfrist von 6,8 auf 8,8 Prozent. 
Die höchste Zunahme mussten 
die baltischen Staaten (Estland, 
Lettland und Litauen) sowie Spa- 
nien und Irland hinnehmen. Aus- 
serdem beträgt in diesen Ländern 
sowie in Ungarn und in der Slowa- 
kei die Erwerbslosenquote über 10 
Prozent. 
Die Erwerbslosenquote der 15- 
bis 24-Jährigen nahm in der 
Schweiz innerhalb eines Jahres von 
7,0 auf 8,2 Prozent zu.   (sda) 
Die Arbeitslosigkeit steigt weiter. 
Teuerung zieht 2010 
auf 0,9 Prozent an 
BERN/VADUZ – Die Le- 
benshaltungskosten in der 
Schweiz und Liechtenstein 
steigen im nächsten Jahr ge- 
mäss einer Prognose des Bun- 
desamts für Statistik (BFS) 
um 0,9 Prozent. Im laufenden 
Jahr sinkt das Preisniveau um 
0,4 Prozent. Die vom BFS am 
Dienstag publizierte Inflati- 
onsprognose, die neu viermal 
pro Jahr berechnet wird, ist 
identisch mit jener, die das 
Staatssekretariat für Wirt- 
schaft (Seco) vor just einer 
Woche vorgelegt hat.   (sda) 
Klagewelle rollt an 
Auftakt zu Prozess gegen ehemalige LGT Treuhand – Weitere Klagen in Vorbereitung 
VADUZ – Im Landgericht Vaduz 
fällt heute der Startschuss zum 
Musterprozess gegen die ehema- 
lige Treuhand-Abteilung der LGT. 
Noch vor Verhandlungsbeginn 
rollt eine regelrechte Klagewelle 
auf die nunmehrige Fiduco AG zu. 
• Stefan Lenherr 
«Das wird ein sehr spannender Tag 
für die liechtensteinischen Anwäl- 
te», sagte Heinz Frommelt, Rechts- 
anwalt und ehemaliger Justizminis- 
ter, in der vergangenen Woche ge- 
genüber dem «Volksblatt». Bis En- 
de Oktober werden zahlreiche wei- 
tere Klagen beim Vaduzer Landge- 
richt eingehen, kündigte der Rechts- 
anwalt Jürgen Wagner aus Kon- 
stanz an. Gemeinsam mit den Kol- 
legen aus Liechtenstein, Heinz 
Frommelt und Helmut Schwärzler, 
bereite er «Dutzende Klagen» vor, 
wie er gegenüber der «Financial 
Times Deutschland» erklärte. 
Pflichtverletzungen der LGT 
Heute macht Elmar S. den An- 
fang. Er klagt die ehemalige LGT 
Treuhand auf Schadenersatz in Hö- 
he von 13,5 Millionen Euro. Dabei 
gehe es ihm nicht darum, für die an 
den deutschen Fiskus nachträglich 
entrichteten Steuern entschädigt zu 
werden, wie aus einer gestern ver- 
sandten Pressemitteilung seiner An- 
wälte hervorgeht. Vielmehr wolle 
der Immobilienunternehmer die 
Pflichtverletztungen juristisch auf- 
arbeiten (das «Volksblatt» berichte- 
te am 25. September ausführlich). 
In erster Linie geht es im Prozess 
um die Frage, ob sich die LGT 
Gruppe pflichtwidrig verhielt, als 
sie ihren Kunden verschwieg, dass 
ein ehemaliger Mitarbeiter eine CD 
mit Kundendaten gestohlen hat. Der 
Kläger argumentiert, hätte er ge- 
wusst, dass auf der von Heinrich 
Kieber entwendeten CD sein Name 
stand, hätte er sich selbst bei den 
deutschen Behörden angezeigt. Die 
Anwälte von Elmar S. argumentie- 
ren, die LGT Treuhand hätte spätes- 
tens im Jahre 2004, als in Deutsch- 
land ein zeitlich befristetes Steuera- 
mnestiegesetz in Kraft trat, «über 
den ihr längst bekannten und äus- 
serst brisanten Diebstahl nahezu 
sämtlicher kundenbezogener Daten 
informieren müssen». 
Akte «Heinrich Kieber» bleibt zu 
Die Chancen von Elmar S., mit 
seiner Schadensersatzforderung in 
Höhe von 13, Millionen Euro vor 
Gericht durchzukommen, bewerten 
liechtensteinische Anwälte unter- 
schiedlich. «Es wird schwierig wer- 
den, der LGT Plichtverletzungen 
nachzuweisen», meinte ein be- 
fragter Anwalt, der nicht nament- 
lich genannt werden wollte. Er- 
schwerend für die Kläger kommt 
hinzu, dass die Beiziehung der Ak- 
ten aus dem Strafverfahren gegen 
den Datendieb Heinrich Kieber 
nicht zugelassen wurde. Ein ent- 
sprechender Antrag der beklagten 
Partei wurde vom Gericht gut- 
geheissen. Aus den Akten verspra- 
chen sich die Kläger Aufschluss 
über den Umgang der ehemaligen 
LGT Treuhand AG und anderer mit 
dem Datendiebstahl. «Diese Um- 
stände geben Anlass zu der Annah- 
me, dass wichtige Tatsachen für 
diesen Rechtsstreit verborgen blei- 
ben sollen», mutmassen die Anwäl- 
te von Elmar S. 
Fürstenhaus doch betroffen? 
Während sich die LGT-Gruppe 
im Prozess nach dem Verkauf der 
Treuhand-Abteilung nicht als Par- 
tei sieht und auch das Fürstenhaus 
gegenüber dem «Volksblatt» keine 
Stellungnahme abgeben wollte, 
schreiben Elmar Ss. Anwälte: «Auch 
die nach der Einreichung der Klage 
erfolgte Umbenennung der Be- 
klagten in Fiduco AG wird letztlich 
nicht geeignet sein, die rechtliche 
Mitverantwortung der LGT Grup- 
pe und des Fürstenhauses an der 
‹Kieber-Affäre› und deren Nach- 
wirkungen aus dem Blickfeld des 
öffentlichen Interesses zu rücken.» 
Die Anwälte rechnen damit, dass 
die LGT Gruppe trotz des Verkaufs 
für Pflichtverletzungen ihrer ehe- 
maligen Treuhand-Abteilung auch 
nach deren Verkauf noch haftbar 
gemacht werden kann. 
Weil der Prozess – indirekt oder 
direkt – das Fürstenhaus betrifft, 
bezweifeln ausländische Medien, 
dass es in Vaduz zu einem fairen 
Prozess kommt. Das Fürstenhaus 
wollte diese Mutmassungen nicht 
kommentieren. Der ehemalige Jus- 
tizminister Heinz Frommelt aller- 
dings meint: «Einen unfairen Pro- 
zess können wir uns als Land nicht 
leisten. Schon gar nicht in der mo- 
mentanen Situation.» 
Elmar S. gegen die ehemalige LGT Treuhand AG: Heute findet der Prozess vor dem Landgericht Vaduz statt. 
FOTOS 
KEYSTONE/COMBO LENI
	        

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