Volltext: Liechtensteiner Volksblatt (2009)

KULTURNEWS 
Dienstag, 29. September 2009 Seite 21 
KULTURNACHRI CHTEN FÜR DAS RHEI NTAL 
Unermüdlicher Troubadour 
Udo Jürgens wird morgen 75 – Nur von den Gebrüdern Kennedy geschlagen 
ZUMIKON – 1000 Songs, mehr als 
100 Millionen verkaufte Tonträ- 
ger, Nr.-1-Hits von Japan bis Ame- 
rika und ein Romanbestseller: 
Wohl kein anderer deutschspra- 
chiger Musiker kann auf so eine 
imposante Karriere zurückbli- 
cken wie Udo Jürgens. 
• Irene Widmer, SDA 
Udo blickt lieber vorwärts als zu- 
rück: Ab Oktober sind wegen der 
grossen Nachfrage 28 Zusatzkon- 
zerte seiner Tournee «Einfach ich» 
geplant – wie seit Jahren mit der Pe- 
pe Lienhard Band. Die Dernière ist 
am 5. Dezember 2009 im Zürcher 
Hallenstadion angesetzt. Ausser- 
dem schreibt der österreichisch- 
schweizerische Doppelbürger 
und Neffe des Künstlers und 
Lyrikers Hans Arp an Kurzge- 
schichten und berät den Re- 
gisseur Miguel Alexandre 
(«Gran Paradiso») bei der 
Verfilmung der Familiensa- 
ga «Der Mann mit dem Fa- 
gott», mit der Jürgens 2004 
einen Bestseller landete. 
Udo Jürgen Bockelmanns Kar- 
riere ist nicht nur facettenreich, son- 
dern auch ausserordentlich lang: 
Mit fünf Jahren erhielt er eine 
Mundharmonika, mit acht ein Ak- 
kordeon, mit 12 schrieb er sich am 
Konservatorium ein und mit 16 ge- 
wann er einen Kompositionswettbe- 
werb des österreichischen Radios. 
Schreiben für andere 
In den 50er-Jahren tourte der ge- 
bürtige Kärntner, der seit über 30 
Jahren in Zürich respektive Zumi- 
kon wohnt, als Udo Bolán durch 
österreichische Clubs. Er stiess al- 
lerdings nur auf «enden wollende» 
Begeisterung, wie er sich später er- 
innerte. 1959 hatte er mit «Jenny» 
erstmals einen 
kleinen Erfolg, 
im Jahr darauf 
landete dafür 
Shirley Bas- 
sey mit Jür- 
gens’ Kom- 
position 
«Reach for the 
Stars» einen 
Welthit. Es war nicht das letzte 
Mal, dass Jürgens anderen zum Er- 
folg verhalf: 1964 kam er mit «Wa- 
rum nur, warum?» beim Grand 
Prix Eurovision de la Chanson 
(heute Eurovision Song Con- 
test) nur auf Platz 5, während 
Matt Monro von der englischen 
Version 1,5 Millionen Platten 
absetzte. «If I Never Sing Ano- 
ther Song» schrieb Jürgens für 
Frank Sinatra. Der trat das Lied 
an Sammy Davis Jr. ab, der es fort- 
an am Schluss jedes seiner 
Konzerte sang. 
Ein Abschiedsritual hat im Üb- 
rigen auch Udo Jürgens: Er gibt die 
Zugabe jeweils im Bademantel. 
Der Durchbruch für Jürgens als 
Performer liess relativ lang auf sich 
warten; wie er im Gespräch sagt, 
mangelte es ihm lange an Selbst- 
vertrauen. «Siebzehn Jahr, blondes 
Haar» war 1965 sein erster Titel in 
den deutschen Top Ten, 1966 ge- 
wann er mit «Merci Chérie» den 
Grand Prix. Fortan gab er die 
Schauspielerei – Auftritte in Film- 
klamotten wie «Die Beine von Do- 
lores» – auf. Schon 1969 kam Udo 
Jürgens in einer deutschen Umfra- 
ge über Idole der Jugend auf Platz 
drei – gleich hinter John F. und Ro- 
bert Kennedy. Dabei hatte er erst 
1972 den ersten Nr.-1-Hit – in Ja- 
pan mit dem japanisch gesungenen 
«Wakare no asa». Es folgten Songs, 
die heute jeder mitsummen kann: 
etwa «Griechischer Wein», der ihm 
einen Empfang beim griechischen 
Premierminister Konstantin Kara- 
manlis einbrachte und von Bing 
Crosby nachgesungen wurde. 
Achtung! Botschaft! 
Jürgens Lieder sind eher Chan- 
sons als Schlager, unter anderem, 
weil sie oft eine Botschaft haben, 
wenn auch eine harmlose. «Ein eh- 
renwertes Haus» etwa ist eine Sati- 
re auf die kleinbürgerliche Ableh- 
nung des Konkubinats, «Aber bitte 
mit Sahne» macht sich lustig über 
den Konsumzwang, «Fehlbilanz» 
beschwört den Weltuntergang und 
«Völlig vernetzt» mokiert sich über 
die Technikhörigkeit. Dass Jürgens 
dennoch ein Konsens-Künstler ist, 
beweist das Musical «Ich war noch 
niemals in New York» mit seinen 
grössten Hits, das seit fast zwei 
Jahren erfolgreich im Hamburger 
Operettenhaus läuft. 
Anlässlich des Jürgens-Geburtstages 
strahlen SF, ORF2 und ZDF morgen ab 
20.15 Uhr eine Geburtstagsgala aus. 
Udo Jürgens. Foto: Keystone 
Was es heute 
Dienstag auf 
den diversen 
TV-Kanälen zu 
sehen gibt 
TV / 23 
Hilferuf nach Tropenflut 
International / 24 
Ü40-Parties im TaK Am 
Freitag, den 2. Oktober, startet das Schaaner 
TaK mit einer neuen Veranstaltungsreihe, 
für alle, die sich für die Disco zu «alt», fürs 
Tanzen aber noch fit fühlen. Gleich drei 
Ü40-Parties stehen auf dem TaK-Spielplan 
der aktuellen Saison und bringen mit der 
Musik das Lebensgefühl der 60er-, 70er- 
und 80er-Jahre in die Knochen der tanzwü- 
tigen älteren Semester. Die Eröffnungsparty 
steht unter dem Motto «The Roaring Six- 
ties» und wird von DJ fred dee und der 
Band «The suncats» das TaK-Foyer zum 
Beben bringen. Beginn ist um 20 Uhr. Lei- 
der nur für «40+»! Die weiteren Parties der 
Reihe heissen dann «Make love not war» 
(Februar) und «Friday Night fever» (April) 
und widmen sich den 70ern bzw. 80ern. Im- 
mer ist Dj fred dee an den Turntables. Wei- 
tere Infos und Karten gibt es unter der Tele- 
fonnummer 237 59 69 bzw. per E-Mail an 
vorverkauf@tak.li. (pd) 
NEWSMIX 
Eine adäquate Plattform 
VADUZ – Bei der internationalen Kunstmes- 
se «Art Liechtenstein», die vom 2. bis  4. Ok- 
tober erstmals im Vaduzer Saal stattfindet, 
präsentieren sich über 50 Kunstschaffende 
aus europäischen Ländern, persönlich und in 
Eigenregie, dem Publikum. Hier erfolgt die 
direkte Begegnung mit dem Künstler. Die 
Messe, veranstaltet von «Event Art Team» in 
Rorschacherberg, bietet die Möglichkeit, sich 
mit dem Produzenten selbst über Gedanken, 
Meinungen und Hintergründe und das Kunst- 
werk selbst zu unterhalten. Die Öffnungs- 
zeiten: Vernissage, Donnerstag: 18.30 bis 21 
Uhr (Eintritt nur mit Einladung); Messe, 
Freitag und Samstag: 13 bis 21 Uhr; Sonn- 
tag: 10 bis 17.30 Uhr. (pd/al) 
Polanski legt Rekurs ein 
BERN – Der am Samstag in Zürich festge- 
nommene Regisseur Roman Polanski will 
beim Bundesstrafgericht in Bellinzona Re- 
kurs gegen seinen Auslieferungshaftbefehl 
an die USA einlegen. Das teilte sein fran- 
zösischer Anwalt Hervé Temime am Mon- 
tagnachmittag in Paris mit. Polanskis 
Rechtsvertreter halten «unbedingt» daran 
fest, dass das Auslieferungsbegehren ille- 
gal sei. Polanskis Zürcher Anwalt Lorenz 
Erni werde unverzüglich seine Freilassung 
beantragen, möglicherweise unter gewis- 
sen Auflagen. (sda) 
Das kleine Ich bin ich 
Theater für die Kleinsten mit Klassiker 
SCHAAN – Morgen Nachmittag 
bietet die Kinder- und Jugendthe- 
atersparte des Schaaner TaKs ein 
wunderbares Theater-Einsteiger- 
Stück für die Allerkleinsten. 
Das Gastspiel des «Weiten Thea- 
ters» mit seiner theatralischen Ver- 
sion des Kinderbuchklassikers 
«Das kleine Ich bin ich» eignet sich 
für Kinder ab drei Jahren. Poetisch 
und kindgemäss lädt die Berliner 
Gruppe das Publikum zum Sehen, 
Hören und Nachdenken ein. Be- 
ginn ist um 16 Uhr im Takino. Wei- 
tere Vorstellungen finden am Don- 
nerstag, den 1. Oktober, um 10 und 
um 14 Uhr statt. 
Wer bist’n du? 
Ein kleines Tier lebt auf einer 
bunten Blumenwiese. «Wer bist'n 
du?» quakt da plötzlich der Frosch. 
Das ist die Frage, auf die das unbe- 
kümmerte kleine Etwas einfach kei- 
ne Antwort weiss. Es beschliesst 
deshalb, sich auf den Weg zu ma- 
chen, um eine Antwort zu finden. So 
zieht es los, sucht seine Artgenossen 
und trifft Tiere, die allesamt anders 
sind. Pferd, Kuh, Ziege, Vogel, Nil- 
pferd – das kleine Ich ist das alles 
nicht. Erschöpft und ratlos fühlt es 
sich plötzlich als Gar-Nichts, bis 
ihm etwas Einzigartiges auffällt ... 
Preisgekröntes Schattenspiel 
Eine schillernde Geschichte von 
einem, der auszog, sich in anderen 
zu suchen, sich aber letztlich in sich 
selbst findet, erzählt «Das Weite 
Theater» und erfüllt die bekannte 
und berührende Geschichte um die 
eigene Einzigartigkeit fantasievoll 
mit Leben. Mit leuchtendem Büh- 
nenbild, stimmlicher Akrobatik, ge- 
stalterischer Finesse und einem 
Spiel mit Schatten bringt es den 
Kinderbuchklassiker von Mira Lobe 
und Susi Weigel gekonnt auf die 
Bühne und wurde dafür mit dem 
Grand Prix beim Theaterfestival in 
Lomza (Polen) 2009 ausgezeichnet. 
Weitere Infos und Karten gibt es 
unter der Telefonnummer 237 59 
69 bzw. per E-Mail an vorverkauf- 
@tak.li sowie im Internet unter 
www.tak.li. (pd) 
Klassiker im Schaaner Takino: Am Mittwoch und am Donnerstag steht 
«Das kleine Ich bin ich» auf dem Programm. 
FOTO 
ZVG 
«Weltraum- 
Clown»: Cirque- 
de-Soleil-Grün- 
der Laliberte 
fliegt ins All 
International / 24
	        

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