Volltext: Liechtensteiner Volksblatt (2009)

INLAND 
VOLKSBLATT 
3 DIENSTAG, 22. SEPTEMBER 2009 
Hilfe vor Ort überprüfen 
SOS-Kinderdörfer: Jahrestreffen mit Gastreferent Ernst Walch 
VADUZ – Mit rund 500 Einrich- 
tungen ist die SOS-Kinderdorfbe- 
wegung heute eines der grössten 
privaten Kinderhilfswerke welt- 
weit. Einer, der aktuell beim Auf- 
bau eines Kinderdorfs in Kolum- 
bien mitarbeitet, ist Altregierungs- 
rat Ernst Walch. 
• Johannes Mattivi 
Eine gute Gelegenheit also, dach- 
ten sich Vertreter der SOS-Kin- 
derdörfer, bei ihrem Jahrestreffen 
mit Gönnern und Sponsoren im Va- 
duzer Kunstmuseum den vorma- 
ligen Liechtensteiner Aussenminis- 
ter in einem kurzen Referat über 
seine konkreten Erfahrungen mit 
der Entwicklungszusammenarbeit 
berichten zu lassen. Als Experte auf 
dem Gebiet der Entwicklungszu- 
sammenarbeit (EZA) wurde Ernst 
Walch von Christian Hosmann, Ge- 
schäftsführer der SOS-Kinderdör- 
fer Schweiz, dem Publikum vorge- 
stellt. Und in der Tat hat Ernst 
Walch auf verschiedenen Ebenen 
Einblicke in das Thema EZA ge- 
winnen können – in den 80er-Jah- 
ren in einem Ägyptenprojekt mit 
den Liechtensteiner Pfadfindern, 
als Aussenminister auf dem inter- 
nationalen politischen Parkett und 
aktuell als rechtlicher Vertreter ei- 
ner gemeinnützigen Stiftung, die 
sich dem Aufbau eines Kinder- 
dorfes mit angeschlossenem Sozi- 
alzentrum in Cartagena (Kolum- 
bien) widmet. 
Erfolgreiche Initiative der Pfadi 
Zwei wesentliche Erkenntnisse, 
die Ernst Walch aus seinen Erfah- 
rungen gezogen hat: Entwicklungs- 
projekte funktionieren auf privater 
Ebene häufig besser als auf natio- 
naler und internationaler poli- 
tischer Ebene und Initiativen ent- 
wickeln sich besser, wenn man im- 
mer wieder persönlich vor Ort geht 
und mit lokalen Organisatoren zu- 
sammenarbeitet. 
Mit einigen selbst erlebten Bei- 
spielen illustrierte der Referent sei- 
ne Erkenntnisse. Eine positive Er- 
fahrung war für Ernst Walch z. B. 
ein Projekt, das er in den 80er-Jah- 
ren als internationaler Kommissär 
der Liechtensteiner Pfadfinder zu- 
sammen mit einer ägytischen Pfad- 
finderorganisation in El Arish im 
Nordsinai erfolgreich auf die Beine 
stellen konnte. Mit einer privat ge- 
sammelten Summe von 120 000 
Franken gelang es, in der Region 
ein Verarbeitungszentrum für Dat- 
telpalmenprodukte aufzubauen, 
was für die Menschen vor Ort Ar- 
beit und Einkommen schuf. We- 
sentlich für den Erfolg war unter 
anderem die häufige Präsenz der 
Liechtensteiner vor Ort in Ägypten. 
«Wenn wir unten waren, hats funk- 
tioniert», erinnerte sich Walch. 
Politische Interessen hinderlich 
Auf politischer Ebene sah es 
dann oft anders aus. 2004 wollte 
beispielsweise ein grosser Liech- 
tensteiner Baggerhersteller einen 
seiner Schreitbagger zu einem voll- 
automatischen Minensuchgerät um- 
bauen und international zur Verfü- 
gung stellen. Die Initiative schei- 
terte aber an Partikularinteressen 
im Landtag. 
Internationale politische Arbeit 
in der EZA erstickt oft in Bürokra- 
tismus, Eigeninteressen und Fol- 
genlosigkeit. Ernst Walch erinnerte 
sich an eine UNO-Konferenz in 
Monterrey (Mexiko) im Jahr 2002 
über «Financial Development», die 
ohne konkrete Zielformulierungen 
endete. «Ein Grundsatz der EZA 
lautet: Wenn du jemandem helfen 
willst, gib ihm nicht einen Fisch, 
sondern lehre ihn zu fischen», sagte 
Ernst Walch. «Nach jener Konfe- 
renz hätte man den Satz erweitern 
müssen: und gib ihm auch einen 
Platz am Teich. Aber diesen Gedan- 
ken wollte kein Vertreter der inter- 
nationalen Politik aufgreifen.» 
Bleiben dann noch aktuelle Er- 
fahrungen, die sich als erfreulich 
herausstellen. Wie jenes Kinder- 
dorfprojekt in Cartagena (Kolum- 
bien), welches der Referent seitens 
einer Stiftung seit zwei Jahren be- 
gleitet. Bei einem Vor-Ort-Besuch 
in diesem Frühjahr konnte sich 
Ernst Walch von den vielverspre- 
chenden Fortschritten des Projekts 
persönlich überzeugen. 
Ernst Walch sprach beim Treffen im Kunstmuseum mit vielen persönlichen Beispielen über «Entwicklungszusammenarbeit in Zeiten der Globalisierung». 
FOTO 
PAUL 
TRUMMER 
«Egelsee» Der Rückhalteweiher 
«Egelsee», der die Siedlungsräume Mauren, 
Eschen und Tisis vor Überschwemmungen 
schützen soll, hätte eigentlich bereits späte- 
stens im Frühjahr dieses Jahres reaktiviert 
werden sollen. In einer kleinen Anfrage er- 
kundete sich der FBP-Landtagsabgeordnete 
Johannes Kaiser über den Fortschritt des 
Projekts. Der zuständige Regierungsrat, Re- 
gierungschef-Stellvertreter Martin Meyer, 
gab zur Antwort, man müsse sich nach dem 
Tempo Österreichs halten, da das nördliche 
Nachbarland mit rund 1,5 Millionen Fran- 
ken den Grossteil der Kosten trage. Liech- 
tenstein beteiligt sich mit einem Anteil von 
rund 1,15 Millionen Franken, 145 000 Fran- 
ken entfallen auf die Gemeinde Mauren. 
«Sofern sämtliche Bewilligungen vonseiten 
der Republik Österreich und der Stadt Feld- 
kirch termingerecht vorliegen, ist die Reali- 
sierung des Egelsees auf den Winter 
2010/2011 vorgesehen», so Meyer.   (leni) 
Mit Wasser gegen Wasser 
Neuer Rückhalteweiher «Egelsee» in Mauren soll Hochwasserschutz verbessern 
MAUREN/FELDKIRCH – Nach neun 
Verhandlungsjahren fällt nun im 
Herbst 2008 der Startschuss für 
ein besonderes Hochwasser- 
schutzprojekt: Der durch Riedent- 
wässerungen seit Jahrzehnten 
trockengelegte «Egelsee» in Mau- 
ren wird reaktiviert. 
• Lucas Ebner 
«Die Esche ist ein latentes Hoch- 
wasserschutzproblem»: Das sagt 
Emanuel Banzer, Leiter der Abtei- 
lung Rüfen und Gewässer beim 
Tiefbauamt. Grund: Die Esche, in 
die unter anderem der Feldkircher 
Mühlbach sowie diverse weitere 
Zuflüssemünden warursprünglich 
vorflut für die Siedlungsräume 
Mauren, Eschen und Tisis. «Diese 
Doppelfunktion verschärft zuse- 
hends das Hochwasserschutzpro- 
blem. Mit dem Projekt ‹Egelsee› 
können wir noch grösseren Ge- 
fahren frühzeitig entgegenwirken», 
sagt Emanuel Banzer im Gespräch 
mit dem «Volksblatt». 
«Nur noch Formsache» 
Im Hochwasserfall wird der See 
ein Rückhaltevolumen von 40 000 
Kubikmetern Wasser fassen kön- 
nen und somit für Schutz vor Über- 
flutungen in Mauren, Eschen und 
Tisis sorgen. Die Feldkircher Stadt- 
vertretung hat dem Projekt am 
Dienstagabend einstimmig den 
Sanktus erteilt. Die entsprechenden 
Beschlüsse in Liechtenstein sowie 
die positive Erledigung der Behör- 
denverfahren vorausgesetzt – ge- 
mäss Emanuel Banzer «nur noch 
Formsache» –, könnte das Vorha- 
ben im Frühjahr 2009 umgesetzt 
sein. 
Kostenanteil Liechtensteins 
Der dadurch gegebene internatio- 
nale Status ist denn auch die Ursa- 
che für die viele Jahre dauernden 
Verhandlungen; umfangreiche 
rechtliche Abklärungen und Finan- 
zierungsverhandlungen zwischen 
Vaduz, Feldkirch und Wien waren 
erforderlich. Liechtensteins Anteil 
an den Gesamtkosten von umge- 
rechnet circa 2,9 Millionen Fran- 
ken dürfte sich aller Voraussicht 
nach auf rund 1,1 Millionen Fran- 
ken belaufen (mehr Details zum 
«Egelsee»-Projekt: siehe Grafik). 
Noch mögliche Interreg-Förderbei- 
träge könnten die Kostenanteile 
vermindern. 
Der Abfluss aus dem neuen Rück- 
halteweiher in die Esche wird durch 
eine Auslaufvorrichtung gesteuert. 
Die periodisch überschwemmten 
Gebiete sollen grösstenteils der Na- 
tur überlassen werden. Teile des 
Sees sind als Streuwiese nutzbar. 
Kurzum: «Der ‹Egelsee› und seine 
Umgebung werden ein schönes und 
ökologisch wertvolles Naherho- 
lungsgebiet», ist Norbert Gau, der 
mit dem Projekt betraute Bereichs- 
leiter Tiefbau der Stadt Feldkirch, 
überzeugt. 
Radwegverbindung ausbauen 
Gleichzeitig mit der Erstellung 
des «Egelsees» soll übrigens auch 
die Radwegverbindung Liechten- 
stein-Österreich weiter ausgebaut 
werden. 
«Mit dem Projekt 
‹Egelsee› können 
wir der Verschär- 
fung der Hochwas- 
sergefahr durch die 
Esche frühzeitig 
entgegenwirken». 
Emanuel Banzer, Tiefbauamt 
Abt.-Leiter Rüfen und Gewässer 
«Egelsee»-Bestvariante – Die Eckdaten 
Permanentes Volumen 8500 Kubikmeter Wasser 
Maximales Rückhaltevolumen 40 000 Kubikmeter Wasser 
Aushubvolumen 53 500 Kubikmeter Erde 
Wasserfläche   circa 1,4 Hektar 
Wassertiefe   bis zu 2 Meter 
Eines 
muss man Regierungschef Klaus 
Tschütscher lassen: Er bleibt seiner Linie 
treu. Viel kommunizieren, aber wenig sagen. 
Wer auf der Suche nach klaren inhaltlichen 
Aussagen ist, sucht meist vergeblich. 
Wo genau wollen Sie sparen, 
Herr Finanzminister? 
Jüngstes Beispiel: Freitagnachmittag wur- 
de kurzfristig bekannt gegeben, dass ein wei- 
teres TIEA paraphiert wurde. Warum aber 
ein Abkommen mit St. Vincent und den Gre- 
nadinen, deren weltweites Exportvolumen  im 
Jahr 2002 bei rund 42 Millionen Franken lag 
und hauptsächlich durch den Export von Ba- 
nanen zustande kam, offenbar so einfluss- 
reich für den liechtensteinischen Finanzplatz 
ist, dass die Bevölkerung erneut vor vollen- 
dete Tatsachen gestellt wird, bleibt einmal 
mehr das Geheimnis des Regierungschefs. 
Immerhin ist Klaus Tschütscher konsequent. 
Wenn er nichts sagen will, dann sagt er eben 
auch nichts, auch nicht wie er den «in starker 
Schieflage» befindlichen Staatshaushalt auf 
Kurs bringen möchte. Nicht den Medien, nicht 
den gewählten Landtagsabgeordneten und der 
Bevölkerung eben auch nicht. Rund 36 000 
Menschen in diesem Land fragen sich, wo der 
verantwortliche Finanzminister gern sparen 
würde. Der Versuch, diese Verantwortung auf 
die anderen Regierungsmitglieder abzuschie- 
ben, ist längst gescheitert. Klaus Tschütscher 
wird irgendwann einmal mit der Sprache he- 
rausrücken müssen, ob er zum Beispiel im Be- 
reich Soziales sparen möchte – hier bietet sich 
grosses Potenzial. Aber gerade bei den Be- 
dürftigen sparen zu wollen, gilt als politische 
Fallgrube. 
Ob Konzept, Gesamtprojekt, Vorprojekt, 
Hauptprojekt: Was auch immer da nun min- 
destens 3 Jahre dauern soll, von dem man 
noch nicht so genau weiss oder sagen will, 
was es eigentlich bringt, würde somit kurz 
vor den nächsten Landtagswahlen abge- 
schlossen sein. Will da jemand die globale 
Krise aussitzen? Erholt sich die Weltwirt- 
schaft, dürfte es auch in Liechtenstein auf- 
wärtsgehen. Bestimmt erfahren wir dann, wie 
Regierungschef Klaus Tschütscher dies alles 
ganz allein bewältigt haben wird. 
Holger Franke 
hfranke@volksblatt.li 
www.volksblatt.li 
Das «Volksblatt» berichtete bereits am 6. März 
2008 ausführlich über das Projekt «Egelsee». 
Kirchenrecht: 
Thema zu heikel 
Trennung von Kirche/Staat in weiter Ferne 
SCHAAN – Die angestrebte Tren- 
nung von Staat und Kirche wird 
immer mehr zu einer unendlichen 
Geschichte. Noch ist die Regie- 
rung nicht bereit, dem Landtag 
einen Vorschlag zu unterbreiten, 
geschweige denn sich konkret 
zum Thema zu äussern. 
• Stefan Lenherr 
«Es handelt sich um ein sehr sensi- 
bles Thema, bei dem nicht die 
Dringlichkeit, sondern der Geist für 
eine tragfähige liechtensteinische 
Lösung überwiegt», antwortete Re- 
gierungschef Klaus Tschütscher auf 
eine Kleine Anfrage der Landtagsab- 
geordneten Pepo Frick (FL) und Al- 
bert Frick (FBP) zum Thema Kir- 
chenrecht. Im Juni des vergangenen 
Jahres hat die Regierung einen Be- 
richt betreffend der Neuordnung des 
Staatskirchenrechts erlassen. Dazu 
seien 33 Stellungnahmen bei der 
Regierung eingereicht worden, zu- 
letzt im Januar diesea Jahres. Die 
Vernehmlassungsergebnisse seien 
zwischenzeitlich gesichtet und aus- 
gewertet worden, so Tschütscher in 
seiner schriftlichen Antwort. «Zu 
den verschiedenen Teilbereichen der 
Vorlagen sind Änderungs- und Ver- 
besserungsforderungen angebracht.» 
Weil das Thema so sensibel sei, 
würden die Arbeiten auch dement- 
sprechend behandelt und gestalten 
sich äusserst aufwendig. 
Viele Fragen bleiben offen 
Momentan wartet das Thema 
weiterhin auf seine Behandlung. 
Einen Zeitplan gibt es nicht, auch 
die in der Kleinen Anfrage aufge- 
worfenen Fragen, ob der von der 
vorigen Regierung eingeschlagene 
Weg weitergegangen werden soll 
und ob ein Konkordat mit dem Va- 
tikan eine mögliche Variante wäre, 
bleiben vorerst unbeantwortet. 
Die Neuordnung des Staatskir- 
chenrechts ist ein politisches Mam- 
mutwerk – seit Jahren sind die Re- 
gierung und auch die Gemeinden 
dabei, diesen Entflechtungsprozess 
voranzutreiben. 
Die seit Jahren angestrebte Entflechtung von Kirche und Staat kommt 
derzeit nicht vom Fleck. 
www.volksblatt.li 
FOTO 
PAUL TRUMMER
	        

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