Volltext: Liechtensteiner Volksblatt (2009)

WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN FÜR DAS RHEINTAL 
WIRTSCHAFT 
Wie es 
künftig mit 
Volkswagen 
und Porsche 
weitergeht 
Wirtschaft / 14 
Samstag, 25. Juli 2009 Seite 9 
Deutschland im Aufwind 
Unternehmen machen erstmals wieder bessere Geschäfte – Ifo-Index gestiegen 
MÜNCHEN – Die deutsche Wirt- 
schaft hat ihre Talfahrt beendet. 
Zum ersten Mal in diesem Jahr 
beurteilten die vom ifo-Institut 
befragten Unternehmen ihre Ge- 
schäftslage im Juli besser als im 
Vormonat. 
• Roland Losch, AP 
Weil auch die Erwartungen für das 
kommende halbe Jahr weiter stie- 
gen, legte der ifo-Geschäftsklima- 
index kräftig zu von 85,9 auf 87,3 
Punkte. Institutspräsident Hans- 
Werner Sinn sagte am Freitag in 
München: «Es scheint, dass die 
Wirtschaft wieder Tritt fasst.» 
Sieben Monate Talfahrt 
Industrie, Bau, Gross- und Ein- 
zelhandel berichteten im Juli ein- 
hellig von einer deutlich besseren 
Geschäftslage. Nach sieben Mona- 
ten Talfahrt schnellte dieser Teilin- 
dex von dem historischen Tiefst- 
wert von 82,4 Punkten überra- 
schend auf 84,3 Punkte hoch. «Das 
ist ein neuer Trend. Das zeigt, dass 
wir in eine Erholungsphase einge- 
treten sind», sagte ifo-Konjunktur- 
experte Gernot Nerb der Nachrich- 
tenagentur AP. Zugleich stiegen die 
Geschäftserwartungen bis Januar 
erneut von 89,5 auf 90,4 Punkte. 
«Das Ende der Talsohle ist erreicht, 
es geht wieder aufwärts», sagte 
Nerb. Von einem Aufschwung zu 
sprechen, wäre aber noch zu früh. 
Industrie springt an 
Die Industrieunternehmen be- 
richteten von einer «nicht mehr 
ganz so schlechten Geschäftslage». 
In der Chemie- und den konsumna- 
hen Industriezweigen habe sich die 
Lage deutlich gebessert. In der Au- 
tomobilindustrie zum Beispiel lau- 
fe es dank Abwrackprämie recht 
gut, sagte Nerb. Im Maschinenbau 
und den übrigen Investitionsgüter- 
bereichen dagegen sei die Erholung 
noch schwach. «Ohne ein Ansprin- 
gen der Weltkonjunktur können sie 
nicht nach oben kommen», erklärte 
der ifo-Forscher. Die Skepsis beim 
Export weiche aber. Die USA fie- 
len als Lokomotive zwar aus, doch 
aus Frankreich oder China kämen 
positive Signale, und «in Latein- 
amerika läuft es nicht schlecht». 
Die Arbeitslosigkeit werde trotz- 
dem steigen. Die Fabriken seien 
nur zu 72 Prozent ausgelastet, die 
Kapazitäten bei Anlagen und Per- 
sonal seien momentan zu gross, er- 
klärte Nerb. «Dass die Industrie 
Personal abbauen wird, ist klar.» 
Nicht alle Firmen hätten genug 
Geld und Zuversicht, um die Kurz- 
arbeit ins nächste Jahr zu verlän- 
gern. Im Dienstleistungsbereich al- 
lerdings, wo inzwischen zwei Drit- 
tel der Beschäftigten arbeiten, sei 
kein Stellenabbau geplant. 
Die Einzelhändler beurteilten ih- 
re aktuelle Geschäftslage inzwi- 
schen fast als befriedigend. Die sta- 
bilen Verbraucherpreise stützten 
den Konsum. Aber der Anstieg der 
Arbeitslosigkeit könnte ihm einen 
Dämpfer versetzen – die Erwar- 
tungen des Einzelhandels zum Jah- 
resende hin trübten sich laut dem 
ifo-Index deutlich ein. 
Kreditbedarf wächst 
Die Kredithürde für die Unter- 
nehmen sei nicht gewachsen, aber 
«es könnte sein, dass es im Herbst 
etwas kneift», sagte Nerb. Gerade 
zum Beginn eines Aufschwungs 
bräuchten die Unternehmen ver- 
mehrt Kredit, um ihre steigende 
Produktion vorfinanzieren zu kön- 
nen. Dass die bundeseigene KfW 
jetzt bis zu 90 Prozent der Bankkre- 
dite an Unternehmer verbürge, sei 
hilfreich. Ein kritischer Punkt wer- 
de das Auslaufen der Abwrackprä- 
mie Anfang nächsten Jahres sein. 
Dann werde sich zeige, ob die Au- 
toindustrie auch ohne Staatshilfen 
über die Runden komme, sagte 
Nerb. Bau und Grosshandel beur- 
teilten Geschäftslage und Aus- 
sichten im Juli ebenfalls besser als 
im Juni. In der Baubranche «erwar- 
ten wir schon noch mehr Schub- 
kraft» von den Konjunkturprogram- 
men, sagte Nerb. Bei öffentlichen 
Bauten, Strassen- und Tiefbau und 
energetischer Gebäudesanierung 
sei mit mehr zu rechnen. Bei ge- 
werblichen und privaten Bauherren 
komme nicht viel an. 
Für dieses Jahr rechnet das ifo- 
Institut mit einem Einbruch der 
Wirtschaftsleistung um 6,3 Prozent 
und im nächsten Jahr um einen 
weiteren Rückgang um 0,3 Pro- 
zent. An dieser Prognose von Ende 
Juni werde sich «nichts Weltbewe- 
gendes ändern», sagte Nerb, weil 
die Ausgangslage tief sei. Aber «die 
Lage ist nicht mehr ganz so schlecht, 
und der Ausblick hat sich weiter 
aufgehellt». 
Hans-Werner Sinn ist zuversichtlich: «Es scheint, dass die Wirtschaft wieder Tritt fasst», sagt der ifo-Institutspräsident. 
FOTO 
AP 
Textilkonzern Wolford spürt die Krise 
Wirtschaft / 11 
Die Börse hat sich beruhigt 
Wirtschaft / 14 
www.mentalenergie.ch 
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Noch keine Entwarnung 
Pensionskassen erstmals seit Mitte 2007 wieder im Aufwind 
ZÜRICH – Die von der Finanzkrise 
gebeutelten Schweizer Pensions- 
kassen haben im zweiten Quartal 
dieses Jahres erstmals seit Mitte 
2007 wieder eine positive Perfor- 
mance erzielt. 
Noch sei es aber für eine Entwar- 
nung zu früh, warnten Experten zu 
den am Freitag veröffentlichten In- 
dizes von Credit Suisse (CS) und 
State Street. Der Pensionskassen 
Index der CS, der zu Beginn des 
Jahres 2000 mit 100 Punkten ge- 
startet wurde, zeigte im zweiten 
Quartal Anzeichen eines Frühlings- 
erwachens, wie sich die Grossbank 
ausdrückte. Der Index stieg um 
5,25 Punkte oder 4,86 Prozent auf 
113,27 Punkte. Zum positiven Re- 
sultat trugen alle drei Monate bei, 
wobei der April klar der beste Mo- 
nat war. Der Vergleich mit der 
BVG-Mindestverzinsung, die seit 
Anfang Jahr bei 2,0 Prozent liegt, 
zeigt, dass sich die gesamte Diffe- 
renz zwischen dem Index und der 
BVG-Vorgabe im Berichtsquartal 
auf 19,44 Punkte reduziert hat. Der 
Gesamtindex müsste aber laut CS 
immer noch rund 15 Prozent zule- 
gen, sollte diese Lücke bis Ende 
2009 geschlossen werden. 
CS-Index-Anstieg: 5,25 Prozent 
Laut dem CS-Index haben die 
grossen Pensionskassen mit mehr 
als einer Milliarde Franken Anlage- 
geldern im Berichtsquartal am bes- 
ten abschnitten, mit einem Index- 
anstieg von 5,25 Prozent. 
Höchststand bei Immobilien 
Die Übersicht über die Anlage- 
Allokation machte deutlich, dass 
der Liquidität mit 8,8 Prozent un- 
verändert hohe Bedeutung beige- 
messen wurde. Die Obligationen in 
Schweizer Franken und in Fremd- 
währungen wurden hingegen deut- 
lich zurückgenommen, auf 27,9 be- 
ziehungsweise 9,6 Prozent. Die Ak- 
tien Schweiz und die Aktien Aus- 
land wurden auf 11,8 beziehungs- 
weise 14,0 Prozent hochgefahren. 
Die Immobilien-Anlagen erreich- 
ten mit 19,1 Prozent einen neuen 
Höchststand, während die alterna- 
tiven Anlagen zum dritten Mal in 
Folge sanken. Der vom Investment- 
dienstleister State Street gleichen- 
tags veröffentliche Pensionskassen- 
Index zeigt für das zweite Quartal 
eine Rendite von 5,61 Prozent auf 
den Wertschriften. (ap) 
Der CS-Pensionskassen-Index zeigt 
ein erfreuliches Bild. 
NEWSMIX 
Historischer Konjunktur- 
einbruch in Grossbritannien 
LONDON – Die britische Wirtschaft hat im 
Frühjahr den heftigsten Konjunktureinbruch 
seit Mitte der 50er-Jahre erlitten. Gegenüber 
dem Vorjahresquartal ging die Wirtschafts- 
leistung um 5,6 Prozent zurück, wie das Na- 
tionale Statistikamt am Freitag nach vorläu- 
figen Berechnungen mitteilte. Die Stärke 
des Einbruchs überraschte selbst Experten, 
die nur mit einem Minus von 5,2 Prozent 
gerechnet hatten. Im dominierenden Dienst- 
leistungssektor schrumpften die Geschäfte 
so stark wie noch nie seit Beginn der Statis- 
tik, ebenso im Baugewerbe. Zum Vorquartal 
sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,8 
Prozent. Von der Nachrichtenagentur 
Reuters befragte Analysten hatten lediglich 
ein Minus von 0,3 Prozent erwartet. Die Da- 
ten sind ein herber Rückschlag für die Hoff- 
nungen auf eine baldige Konjunkturwende 
in Grossbritannien. (sda/reuters) 
Konsumentenstimmung 
in Amerika sinkt kräftig 
NEW YORK – Das Vertrauen der US-Ver- 
braucher in die wirtschaftliche Entwicklung 
des Landes hat sich im Juli kräftig einge- 
trübt. Der entsprechende Index von Reuters 
und der Universität Michigan fiel nach end- 
gültigen Berechnungen vom Freitag von 
70,8 Punkten im Vormonat auf 66,0. Das ist 
der tiefste Stand seit April. Die US-Bürger 
machten sich wieder verstärkt Sorgen über 
die Wirtschaftsentwicklung, die Sicherheit 
ihres Arbeitsplatzes und ihr Vermögen, hiess 
es. Der von Anlegern und Ökonomen stark 
beachtete Index gilt als wichtiges Konjunk- 
turbarometer, das die Stimmung und das 
Kaufverhalten der US-Konsumenten im Vo- 
raus anzeigt. Die Konsumausgaben machen 
rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung 
der USA aus. (sda/reuters) 
EU: Bürger glauben 
nicht an Ende der Krise 
BRÜSSEL – Die meisten 
EU-Bürger glauben, dass der 
Höhepunkt der Wirtschafts- 
krise noch nicht erreicht ist. 
Das geht aus einer Studie der 
EU-Kommission hervor, die 
am Freitag in Brüssel veröf- 
fentlicht wurde. Sechs von zehn Europäern 
glauben demnach, das Schlimmste stehe 
noch bevor. Jeder Dritte hat Angst um sei- 
nen Arbeitsplatz. «Die Europäer sind ver- 
ständlicherweise beunruhigt, wenn es um 
Auswirkungen der Krise auf ihre Arbeits- 
plätze und Familie geht», sagte der EU- 
Kommissar Vladimir Spidla. Seite 12 
EU erlaubt Chrysler- 
Übernahme durch Fiat 
BRÜSSEL – Die EU-Kommission hat die 
Übernahme des US-Autoherstellers Chrysler 
durch den italienischen Fiat-Konzern geneh- 
migt. Die Transaktion werde den Wettbewerb 
bei Produktion und Vertrieb von Autos in der 
EU nicht wesentlich beeinflussen, erklärte 
die Kommission am Freitag in Brüssel. Die 
Geschäftsbereiche der beiden Unternehmen 
würden sich nur in sehr geringem Masse 
überschneiden, hiess es in der Mitteilung der 
Kommission. (sda/afp/dpa)
	        

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