Volltext: Liechtensteiner Volksblatt (2009)

INLAND 
VOLKSBLATT 
3 DONNERSTAG, 16. JULI 2009 
«Dumpingpreise werden zum Bumerang» 
Wegen der Krise werden die Urlaubsangebote vielerorts günstiger – Experten sagen: «Das schadet der Nachhaltigkeit» 
VADUZ – Die Krise hat den hei- 
mischen Tourismus erwischt. Und 
auch wenn sich die Situation heuer 
nicht verbessern wird, sollten Hote- 
liers laut Branchenkennern nicht 
auf Preisdumping setzen. 
• Daniel Banzer 
Jürg Schmid ist pessimistisch. Das ist 
eindeutig. Der Tourismus-Schweiz- 
Direktor rief in der «Sonntagszeitung» 
seiner Branche entgegen: «Das 
Schlimmste steht uns noch bevor.» 
Zudem konstatierte er: «Die Krise hat 
den Tourismus schneller und inten- 
siver erfasst, als wir erwartet haben.» 
Und das alles, weil die Krise poten- 
ziellen Kunden finanziell zusetzt. 
«Krise ist angekommen» 
Auch hierzulande ist die Branche 
von der Krise erfasst worden ist, sagt 
Roland Büchel, der Geschäftsführer 
von Liechtenstein Tourismus. Und das 
nicht zu knapp: «Ja. Die Krise ist auch 
im liechtensteinischen Tourismus an- 
gekommen. Der Rückgang der Hotel- 
übernachtungen in Liechtenstein in 
den ersten vier Monaten des laufenden 
Jahres beträgt rund sieben Prozent.» 
Sieben Prozent – einen Rückgang in 
dieser Grössenordnung sagt Schmid 
den Schweizern Touristikern für das 
Jahr 2009 voraus. 
In zahlreichen Ländern, darunter 
auch in der Schweiz, versuchen die 
Touristiker, dem entgegenzuwirken: 
Sie bieten ihre Dienstleistungen und 
Wohngelegenheiten massiv billiger 
an. «Wir registrieren eine gewisse Kri- 
senpanik – und einen Trend zu fle- 
xiblen Preisen. Die Hotels sind schnell 
bereit, die Preise zu senken», erklärt 
Schmid. Hierzulande zeigen sich die 
Touristiker hingegen krisenresistenter, 
wie Büchel sagt. Einen solchen Trend 
«gibt es bislang nicht». 
«Falscher Lösungsansatz» 
Das wäre laut dem Geschäftsführer 
aber auch «der falsche Lösungsan- 
satz»: «Gefragt sind ein optimales 
Preis-Leistungs-Verhältnis sowie in- 
haltlicher Mehrwert.» Verhältnismäs- 
sig niedrige Preise würden spätestens 
dann zum Bumerang, «wenn die Wirt- 
schaft wieder anzieht». Soll heissen: 
Wenn die wirtschaftlichen Zeiten wie- 
der besser werden, ist es schwierig, 
die Preise wieder zu erhöhen. 
Der Schweizer Tourismus-Direktor 
Schmid zeigte sich in dem Zeitungsin- 
terview ebenfalls besorgt über diesen 
Trend in der Schweiz: «Für den Gast 
ist das zwar erfreulich, für die Bran- 
che dagegen verheerend.» Man 
brauche einen nachhaltigen Touris- 
mus, «Dumping gehört nicht dazu». 
«VOLKSBLATT»-UMFRAGE: WIE FINDET LIECHTENSTEIN AUS DER KRISE? 
«Können Kräfte schneller 
bündeln als Nachbarn» 
SCHAAN – Wie gut hat Liechten- 
stein die Wirtschaftskrise bisher ge- 
meistert und was muss sich künftig 
ändern, um den Wohlstand erhalten 
zu können? Das «Volksblatt» hat 
Entscheidungsträger aus Wirtschaft 
und Verwaltung um ihre Einschät- 
zung der Lage gebeten. 
Die weltweite Wirtschaftskrise hat 
auch Liechtenstein seit einem 
Dreivierteljahr fest im Griff. Wie 
hat unser Land diese schwierige 
Situation bislang gemeistert? 
Sehen Sie den Zenit der Krise er- 
reicht, oder müssen wir uns auf 
weitere harte Jahre gefasst ma- 
chen? Ist der Wohlstand im Land 
gefährdet? 
Welche Lehren kann oder muss 
der Wirtschaftsstandort Liechten- 
stein aus dieser Krise ziehen? Muss 
bei den verantwortlichen Kräften 
ein Umdenken stattfinden? 
Inwieweit ist die Politik gefordert 
– und erfüllt sie diese Erwar- 
tungen auch? Und ist das (neo-) 
liberale Wirtschaftsmodell noch 
zukunftsfähig? 
Hugo Risch, 
Amt für Soziale Dienste 
Josef Beck, 
Geschäftsführer LIHK 
Arnold Matt, 
Präsident Wirtschaftskammer 
Wenn wir einen Blick über die 
Grenzen werfen und Vergleiche 
ziehen, trifft uns die Wirtschafts- 
krise zumindest noch nicht in al- 
len Branchen. Mit den Angriffen 
von aussen auf unseren Finanz- 
platz tragen wir allerdings eine 
zusätzliche Last. In dieser Situa- 
tion hat Liechtenstein bewiesen, 
dass wir die Kräfte schneller bün- 
deln können, als die Nachbarn. 
Das kann wohl niemand voraus- 
sagen. Wir werden aber in den 
nächsten Jahren mit einer Ver- 
langsamung des Wachstums der 
Gesamtwirtschaft rechnen müs- 
sen. Den Wohlstand haben wir 
schon seit Jahrzehnten. Ich sehe 
ihn nicht gefährdet, er wird sich 
allerdings auf tieferem Niveau 
einpendeln. 
Für mich eine einfache Sache: 
Der gesunde Menschenverstand 
blieb in den letzten Jahren im- 
mer mehr auf der Strecke. Das 
Streben nach Reichtum – egal 
wie – ist nicht gesund. Eine Zu- 
rückbesinnung zu den Wurzeln 
bei den verantwortlichen Kräf- 
ten ist gefragter denn je. Be- 
triebe sollen auf einem Mehr- 
säulenprinzip aufgebaut sein, 
damit eine weitere Krise nicht 
jeden Zweig trifft. 
Die Politik hat in Sachen Finanz- 
platz schnell und richtig gehan- 
delt. Das liberale Wirtschaftsmo- 
dell ist auch mit Fehlern nach wie 
vor zukunftsfähig. Finanzielle 
Eingriffe der Politik in die Wirt- 
schaft, wie in einigen Nachbar- 
Ländern praktiziert, sind auf 
Dauer nicht zukunftsfähig. Die 
Politik muss für gute Rahmenbe- 
dingungen besorgt sein, dann 
läuft die Wirtschaft von selbst. 
Die Situation bei den Industrie- 
unternehmen ist sehr unter- 
schiedlich. Es gibt Unterneh- 
men, die von der Rezession nicht 
oder nur schwach betroffen sind, 
andere hingegen sind sehr stark 
betroffen. Viele Unternehmen 
setzen Kurzarbeit als eines der 
Instrumente gegen die Krise 
ein. 
Die Lage in den weltweiten 
Märkten ist unterschiedlich. Für 
dieses und das nächste Jahr er- 
warten die liechtensteinischen 
Industrieunternehmen schwie- 
rige Geschäftsjahre. Eine erste 
weltweite Erholung sehen wir 
nicht vor dem Jahr 2011. 
Die für den Erfolg auf auslän- 
dischen Märkten nötige Flexibi- 
lität und Schnelligkeit ist in Kri- 
senzeiten noch mehr gefragt als 
in «normalen» Geschäftsjahren. 
Die in «Futuro-Industrie» erar- 
beiteten Umsetzungsinitiativen 
verlangen einen diskriminie- 
rungsfreien Zugang zu den inter- 
nationalen Märkten, hervorra- 
gende Standortbedingungen und 
erstklassige Voraussetzungen für 
hohe Innovationsleistungen. Wir 
werden uns dafür einsetzen, dass 
diese Initiativen zügig vorange- 
bracht und umgesetzt werden. 
Auf die mit der Wirtschaftskrise 
verbundenen Auftragsrückgänge 
wurde durch das Instrument der 
Kurzarbeit reagiert, was wichtig 
ist, um einen Arbeitsplatzabbau 
zu vermeiden. Wenn damit die 
Krise überbrückt werden kann, 
ist allen geholfen. Wenn sich die 
Krise weiterentwickelt, werden 
wir noch auf neue Herausforde- 
rungen reagieren müssen. 
Es gibt unterschiedliche Szenari- 
en. Wenn wir in eine tiefe Rezes- 
sion schlittern, Staatseinnahmen 
zurückgehen, die Arbeitslosigkeit 
steigt, die Sozialwerke zusehends 
belastet werden, wird sich dies 
auf den Wohlstand auswirken. 
Ein sinkendes Einkommen wird 
Menschen mit geringem Einkom- 
men belasten und sogar dazu füh- 
ren, dass deren Anzahl zunimmt. 
Mit der wirtschaftlichen Lage ist 
unser aller Wohlergehen stark 
verknüpft. Wir sind letztlich alle 
gefordert, an der Gestaltung der 
Gegenwart mitzuwirken und die 
möglichen Auswirkungen auf 
die Zukunft zu berücksichtigen. 
Die liechtensteinische Volks- 
wirtschaft ist breit diversifziert. 
Die Investition in Bildung ist ein 
wichtiger Faktor, da wir auf gut 
ausgebildete Arbeitskräfte ange- 
wiesen sind. 
 Wir stecken bekanntermassen in 
einer internationalen Krise. Es 
wurde erkannt, dass es erforder- 
lich ist, in gewisse Bereiche wie- 
der stärker regulierend einzu- 
greifen, da der Markt nicht völ- 
lig sich selbst überlassen werden 
kann und soll. Das hat die Wirt- 
schaftskrise mit der Diskussion, 
unter anderem auch ihrer 
ethischen Aspekte, deutlich ge- 
macht. 
FOTO 
PRESSEAMT 
/ 
P. 
TRUMMER 
Roland Büchel geht davon 
aus, dass die Tourismus- 
Branche ein schweres 
Jahr haben wird. 
Verordnungen zum neuen 
Landwirtschaftsgesetz 
VADUZ – Am 1. Juli ist das neue Landwirt- 
schaftsgesetz (LWG) in Kraft getreten. Das 
umfassende Rahmengesetz bildet die Grund- 
lage für ein umfangreiches Verordnungspa- 
ket. Die Regierung hat in ihrer Sitzung vom 
14. Juli vier Verordnungen zum Landwirt- 
schaftsgesetz erlassen. Dabei handelt es sich 
um die Verordnung über die Förderung von 
Dienstleistungen Dritter in der Landwirt- 
schaft und Verordnung über soziale Begleit- 
massnahmen in der Landwirtschaft. Und 
Zum anderen wurden die Verordnung über 
den Rebbau und die Weinqualität sowie die 
Verordnung über die Förderung von Infra- 
strukturen von Landwirtschaftsbetrieben er- 
lassen, in denen weitgehend die bisherige 
Rechtslage übernommen wurde. (red/pafl) 
Datenschutzgesetz: 
Verordnung überarbeitet 
VADUZ – Nachdem am 1. Juli die Revision 
des Datenschutzgesetzes in Kraft getreten 
ist, hat die Regierung in ihrer Sitzung vom 
14. Juli die Verordnung zum Datenschutzge- 
setz ebenfalls revidiert und verabschiedet. 
Die neue Verordnung bringt in vielen Punk- 
ten eine Erleichterung und Vereinfachung 
sowohl für Daten bearbeitende als auch für 
davon betroffene Personen. Neu können bei- 
spielsweise Inhaber von Datensammlungen 
auch auf elektronischem Weg die Auskunfts- 
begehren der von der Datenbearbeitung be- 
troffenen Personen beantworten. Zudem 
wurden unter Berücksichtigung der bishe- 
rigen Erfahrungen die Ausnahmebestim- 
mungen für die Anmeldpflicht von Datenbe- 
arbeitungen für Private sowie für Behörden 
überarbeitet. Neu sind diverse Kategorien 
von Datensammlungen von der Anmel- 
dungspflicht ausgenommen. Auch die Be- 
stellung eines internen Datenschutzverant- 
wortlichen befreit von der Anmeldepflicht 
und teilweise auch von der Verpflichtung, 
ein Bearbeitungsreglement zu führen. Die 
Datenschutzstelle kann ausserdem eine ver- 
einfachte Anmeldung zulassen, wenn keine 
Gefährdung der betroffenen Personen gege- 
ben ist. In der Verordnung wurde ferner das 
Bewilligungsverfahren für Videoüberwa- 
chungen ausführlich geregelt. Beispielswei- 
se wird bestimmt, dass der Antrag an die 
Datenschutzstelle zu richten ist, wel- 
che die Bewilli- 
gung erteilt. Für 
bereits be- 
stehende Vi- 
deoüberwa- 
chungen gilt 
eine Übergangs- 
frist von sechs Mo- 
naten, binnen welcher 
die Anmeldung nach- 
geholt werden muss. (pafl)
	        

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