Volltext: Liechtensteiner Volksblatt (2009)

AUSLAND 
VOLKSBLATT 
6 DIENSTAG, 7. JULI 2009 
Die Proteste nach dem Sturz des 
honduranischen Präsidenten Zelaya haben 
ein erstes Todesopfer gefordert. Bei Zusam- 
menstössen zwischen Anhängern Zelayas 
und der Polizei wurde ein Demonstrant ge- 
tötet. 
Vizeminister kaufte Stimmen 
SOFIA – In Bulgarien ist am Tag nach der 
Parlamentswahl ein Kabinettsmitglied we- 
gen Stimmenkaufs festgenommen worden. 
Dem Vizeminister für Katastrophenschutz, 
Aleksandar Filipow, wurde vorgeworfen, 
Wählerstimmen gekauft zu haben. Als Ge- 
genleistung soll er EU-geförderte Projekte 
vergeben haben, wie das staatliche Radio 
berichtete. Der künftige bulgarische Regie- 
rungschef Bojko Borissow hatte bereits die 
Schliessung des gesamten Ministeriums für 
Katastrophenschutz angekündigt. Es wurde 
von der bislang mitregierenden Partei der 
türkischen Minderheit (DPS) kontrolliert. 
NACHRICHTEN 
7 Todesurteile im Jemen 
SANAA – Ein Staatssicherheitsgericht im 
Jemen hat sieben schiitische Aufständische 
zum Tode verurteilt. Im Nordwesten des Je- 
men, wo im Juni neun Ausländer ver- 
schleppt wurden, ist es seit 2004 mehrfach 
zu Kämpfen zwischen Regierungstruppen 
und den Anhängern des Rebellenführers 
Abdulmalik al-Houthi gekommen. Ein Brite 
und eine fünfköpfige Familie aus Deutsch- 
land gelten noch als vermisst. 
Mafia-Geld konfisziert 
BERLIN – Die Geldwäsche der Mafia soll 
in Deutschland erschwert werden. Die Be- 
hörden können künftig rasch das Vermögen 
von Kriminellen einziehen, die in EU-Staa- 
ten verurteilt wurden. Bisher konnten Ver- 
urteilte ihr Vermögen noch rasch verschwin- 
den lassen. 
Robert McNamara ist tot 
WASHINGTON – Der ehemalige US-Ver- 
teidigungsminister und «Architekt des Viet- 
namkrieges», Robert McNamara, ist im Al- 
ter von 93 Jahren in Washington gestorben. 
1995 bekannte McNamara, der Krieg sei 
ein «furchtbarer Irrtum» gewesen. 
Dalai Lama feierte Geburstag 
KATHMANDU – Tau- 
sende Exil-Tibeter ha- 
ben am Montag im 
nordindischen Dharam- 
sala den 74. Geburtstag 
des Dalai Lama gefeiert. 
Die Menschen beteten 
für ein langes Leben und 
für die Gesundheit des 
14. Dalai Lama. In einer Botschaft des Da- 
lai Lama hiess es, er propagiere nicht den 
Buddhismus, sondern Harmonie, Mensch- 
lichkeit und Spiritualität. 
NACHRICHTEN 
«Liebesgrüsse» nach Moskau 
USA und Russland einigten sich auf atomare Abrüstung 
MOSKAU – US-Präsident Barack 
Obama und der russische Staats- 
chef Dmitri Medwedew haben 
sich auf einen Rahmenplan für 
einen neuen atomaren Abrüs- 
tungsvertrag geeinigt. 
Sie unterzeichneten am Montag in 
Moskau eine entsprechende Ab- 
sichtserklärung. Der Vertrag soll ei- 
ne Nachfolgeregelung für den Ab- 
rüstungsvertrag START-I finden, 
der am 5. Dezember ausläuft. Bei 
ihrem Treffen in der russischen 
Hauptstadt begrüssten beide Politi- 
ker den neuen Abrüstungsansatz. 
Als Ziel der Verhandlungen nann- 
ten sie eine Obergrenze zwischen 
1500 und 1675 atomaren Spreng- 
köpfen auf Interkontinentalraketen. 
Derzeit liegt dieses Limit zwischen 
1700 und 2200 Sprengköpfen. 
Ausserdem sollen neue Ober- 
grenzen für Bomber sowie Land- 
und U-Boot gestützte Raketen aus- 
gearbeitet werden, die Atomspreng- 
köpfe transportieren können. Zu- 
dem wurde die Zusammenarbeit in 
Afghanistan bekräftigt – im Kampf 
gegen den Terrorismus und Dro- 
genschmuggel. Obama hat die Nie- 
derschlagung von Taliban und Al 
Kaida in Afghanistan zu einem sei- 
ner wichtigsten aussenpolitischen 
Ziele gemacht. Mit Sorge beobachtet 
die russische Führung die Ausbrei- 
tung des islamischen Extremismus 
in den früheren Sowjetrepubliken. 
Neuanfang in den Beziehungen 
Medwedew hat ungeachtet fort- 
dauernder Meinungsverschieden- 
heiten mit den USA einen Neuan- 
fang in den Beziehungen zu 
Washington verkündet. «Unsere 
Länder wollen eine Zusammenar- 
beit, die dem 21. Jahrhundert ent- 
spricht», sagte der Kremlchef. 
Nach Medwedew will Obama heu- 
te auch den früheren Kremlchef und 
jetzigen Ministerpräsidenten Wladi- 
mir Putin sowie Ex-Sowjetpräsident 
Michail Gorbatschow und Oppositi- 
onelle treffen, darunter den ehema- 
ligen Schachweltmeister Garri Kas- 
parow. Am Mittwoch fliegt Obama 
zum G 8-Gipfel nach Italien. 
Medwedew und Obama im prunk- 
vollen Kreml. 
Die First Ladys der USA und Russlands: Michelle Obama (l.) und Svetlana 
Medvedeva in Moskau. 
«Wenn wir uns anstrengen, können 
wir aussergewöhnliche Fortschritte 
erzielen» 
Barack Obama 
Blutbad bei Uiguren-Protest 
140 Tote, 800 Verletzte: China schlägt Aufstand mit Brachialgewalt nieder 
PEKING – Es waren die blutigsten 
Zusammenstösse in China seit 
der Niederschlagung des Tibeter- 
Aufstands im Frühjahr 2008. 
Mindestens 140 Menschen wurden 
bei Auseinandersetzungen zwischen 
muslimischen Uiguren und chine- 
sischen Sicherheitskräften in der 
abgelegenen Uiguren-Provinz Xin- 
jiang getötet. Die amtliche Nach- 
richtenagentur Xinhua berichtete 
am Montag, dass es bei den Zusam- 
menstössen in der Provinzhaupt- 
stadt Ürümqi zudem mehr als 800 
Verletzte gegeben habe. Die Ui- 
guren fordern von der chinesischen 
Zentralregierung mehr Rechte. 
Ständiger Unruheherd 
Hunderte Demonstranten wurden 
festgenommen, darunter «zehn Rä- 
delsführer», sagte ein Polizeispre- 
cher. Etwa 90 Unruhestifter würden 
noch gesucht. An den Protesten, die 
am Sonntag begannen, sollen sich 
rund 3000 Menschen beteiligt ha- 
ben. Die Proteste hatten am Sonn- 
tag begonnen, als zahlreiche Ui- 
guren auf die Strasse gingen, um 
von der Regierung die Aufklärung 
des Todes zweier uigurischer Fa- 
brikarbeiter im Juni zu verlangen. 
Mit mehr als acht Millionen Men- 
schen machen die Uiguren in Xinji- 
ang etwa die Hälfte der Bevölke- 
rung aus. Seit sich Peking das Ge- 
biet 1955 als «Autonome Region» 
einverleibte und Han-Chinesen an- 
siedelte, kämpft das muslimische 
Turk-Volk für die Unabhängigkeit. 
Das Gebiet ist reich an Bodenschät- 
zen. Bei den letzten schweren Un- 
ruhen im März 2008 hatten chine- 
sische Sicherheitskräfte das Feuer 
auf tibetische Demonstranten eröff- 
net. Nach Angaben von Exiltibe- 
tern kamen damals rund 140 Men- 
schen ums Leben. 
Chinesische Sicherheitskräfte schlagen die Demonstration nieder. Das Volk der Uiguren wollte mehr Unabhängigkeit. 
FOTOS REUETRS
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.