Volltext: Liechtensteiner Volksblatt (2009)

WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN FÜR DAS RHEINTAL 
WIRTSCHAFT 
Credit Suisse 
muss sich 
in den USA 
vor Gericht 
verantworten 
Wirtschaft / 14 
Mittwoch, 17. Juni 2009 Seite 11 
Schweizer Industrie stürzt weiter ab 
Wirtschaft / 13 
Börse stabilisiert sich wieder 
Wirtschaft / 14 
NEWSMIX 
Talfahrt bei weltweitem Auto- 
absatz im Mai gebremst 
FRANKFURT – Die Talfahrt beim welt- 
weiten Autoabsatz ist im Mai etwas ge- 
bremst worden, ein Ende der Krise ist je- 
doch nicht in Sicht. Während der chine- 
sische Markt nach Angaben des Verbands 
der Automobilindustrie (VDA) um mehr 
als die Hälfte zulegen konnte, brach der 
US-Markt um über ein Drittel ein. Der 
westeuropäische Markt (minus 3 Prozent 
auf 1,2 Millionen Pkws) wird laut dem 
Verband durch die Auswirkungen der staat- 
lichen Anreize in Deutschland (plus 40 
Prozent) und Frankreich (plus 12 Prozent) 
offensichtlich positiv überzeichnet. Aus- 
serhalb dieser beiden Länder hätten die 
Neuzulassungen in Westeuropa dagegen 
um 22 Prozent unter dem Vorjahresniveau 
gelegen. Die Märkte der neuen EU-Länder 
blieben – von wenigen Ausnahmen abgese- 
hen – mit minus 26 Prozent weiter 
schwach. 
«Die weltweite Absatzkrise der Automo- 
bilindustrie ist damit noch nicht beendet, 
allerdings gibt es erste Anzeichen dafür, 
dass die Talfahrt gebremst wird», erklärte 
der VDA weiter. In Europa insgesamt hät- 
ten die Neuzulassungen mit knapp 1,3 Mil- 
lionen Fahrzeugen 5 Prozent unter dem 
Wert des Vorjahresmonats gelegen, im bis- 
herigen Jahresverlauf beträgt das Minus al- 
lerdings noch 14 Prozent. Saisonbereinigt 
ergibt sich für den westeuropäischen Markt 
gegenüber dem Vormonat ein Zuwachs von 
2 Prozent. (sda) 
GM will Saab an 
Koenigsegg verkaufen 
STOCKHOLM – Der schwedische Auto- 
bauer Saab soll an den Luxusauto-Hersteller 
Koenigsegg verkauft werden. Der bisherige 
Saab-Eigner, General Motors Europe, un- 
terzeichnete nach eigenen Angaben vom 
Dienstag eine vorläufige Vereinbarung mit 
Koenigsegg über das Geschäft. 
Dazu gehöre auch, dass Koenigsegg eine 
erwartete Finanzhilfe von 600 Mio. Dollar 
der Europäischen Investitionsbank be- 
komme, die von der schwedischen Regie- 
rung abgesichert sei. Die weiteren Bedin- 
gungen des geplanten Verkaufs wurden zu- 
nächst nicht genannt. 
Saab war vor einiger Zeit von seiner in- 
zwischen insolventen Mutter General Mo- 
tors zum Verkauf gestellt worden. In den 
vergangenen Wochen hatte sich die eben- 
falls schwedische Koenigsegg als favorisier- 
ter Bieter bereits abgezeichnet. (sda) 
www.mentalenergie.ch 
Sie entscheiden jeden Tag, 
    welchen Weg Sie gehen wollen. 
SNB behält Kurs wohl bei 
Schweizerische Nationalbank dürfte Leitzins unverändert lassen 
BERN – Nachdem sie ihren Leit- 
zins bereits bis an die Nullgrenze 
gesenkt und damit den Spielraum 
ausgeschöpft hat, dürfte die 
Schweizerische Nationalbank 
(SNB) auf einen weiteren Zins- 
schritt verzichten. 
Der Rückgang scheint eingebun- 
den, das Wellental erreicht, sagt 
Délia Nilles, stellvertretende Di- 
rektorin beim Lausanner Progno- 
seinstitut Créa, auf Anfrage der 
Nachrichtenagentur SDA. Die SNB 
befinde sich in Wartestellung. Nilles 
geht darum bei der anstehenden 
Versammlung am Donnerstag von 
einem unveränderten Zinssatz aus. 
Auch Bernard Lambert, Ökonom 
bei der Bank Pictet & Cie., erwartet 
keinen Zinsschritt. Auch er sieht 
die Notenbank in Wartestellung. In 
der Schweiz gebe es keine Anzei- 
chen für einen Aufschwung; einzig 
in Asien und in den USA zeigten 
sich einige zögerliche Hoffnungs- 
schimmer. Roland Duss, Ökonom 
bei der Bank Gonet & Cie., erwar- 
tet auch den geldpolitischen Status 
quo. Er geht davon aus, dass sich 
die Nationalbank weiterhin auf ihre 
Teuerungsprognosen und die BIP- 
Erwartungen stützt. 
Die Schweiz dürfte eines der letz- 
ten Länder sein, das aus der Krise 
kommt, sagt der Experte der Genfer 
Privatbank. Unter diesen Umstän- 
den werde die Nationalbank Rah- 
menbedingungen für ein Wachstum 
beibehalten wollen. Die Wortwahl 
werde dabei interessant sein, merkt 
Duss an. Die Inflationsrate dürfte 
die entgegenkommende Haltung der 
SNB rechtfertigen. (sda) 
Nicht ins Bockshorn jagen lassen 
Vontobel-Finanzforum: Wirtschaftswachstum und gesundes Mass an Inflation nötig 
BAD RAGAZ – Droht uns Inflation? 
Nein, sagt Thomas Steinemann, 
Chefstratege der Vontobel-Grup- 
pe. Gefahr für die Wirtschaft 
sieht er eher darin, dass Re- 
formen versäumt werden. 
• Kornelia Pfeiffer 
Die Stimmung der Anleger ist auf 
dem Tiefstand, dennoch geht man 
bei der Vontobel-Gruppe davon aus, 
dass 2010 eine wirtschaftliche Sta- 
bilisierung und positive Gewinn- 
wachstumsraten bringen wird. Die 
Erholung an den Aktienmärkten 
seit Mitte März sei beeindruckend, 
sagte Thomas Steinemann beim 9. 
Vontobel-Finanzforum der Bank 
Vontobel (Liechtenstein) am Diens- 
tag in Bad Ragaz. «Wir gehen in 
unserem Hauptszenario unverän- 
dert davon aus, dass der Tiefpunkt 
der Konjunktur im Herbst erreicht 
wird und entsprechend das Jahr 
2010 eine spürbare Verbesserung 
der globalen Wirtschaftsleistung 
gegenüber 2009 bringen wird», er- 
klärte der Chefstratege der Vonto- 
bel-Gruppe. 
Die enormen fiskalischen und 
geldpolitischen Massnahmen der 
Staaten – besonders in Asien – trü- 
gen erste Früchte. Wie anhaltend die 
Erholung nach 2010 sein wird, sei 
allerdings offen. Angesichts der 
Schwere der Krise und der noch 
nicht gelösten Probleme – wie etwa 
Verschuldung des privaten Sektors 
in den USA, marodes US-Banken- 
system und eine weltweit wachsen- 
de Verschuldung der Staaten – 
könnten erneute Einbrüche nicht 
ausgeschlossen werden, sodass ein 
W-förmiger Verlauf von Konjunktur 
und Börsen nicht auszuschliessen 
sei. Zurzeit jedoch befinde man sich 
im aufsteigenden Bereich in der 
Mitte des W. Einen Aufwärtstrend 
ohne Unterbrechung sieht der Stra- 
tege so wenig wie einen L-förmigen 
Konjunkturverlauf, sprich eine län- 
gere Rezessionsphase. Vorausge- 
setzt, die nötigen strukturellen Re- 
formen würden durchgeführt. 
Einen Zusammenhang zwischen 
Entwicklung der Geldmenge und 
Inflation sieht Steinemann nicht. 
Letztere hänge wesentlich stärker 
von der Kapazitätsauslastung der 
Wirtschaft ab. Die liegt in Europa 
zurzeit bei nur knapp 60 Prozent. 
Ein Überschuss an Nachfrage sei 
nicht gegeben. Dies aber wäre eine 
der Voraussetzungen für eine Geld- 
entwertung. Eine Hyperinflation – 
wie viele Analysten erwarten – halte 
er deshalb für nicht wahrscheinlich. 
Gleichzeitig zeige die Geschichte, 
dass sich Staatsverschuldung auch 
ohne Hyperinflation verringern las- 
se. So lag die Verschuldung der 
USA nach dem Zweiten Weltkrieg 
1946 bei 121 Prozent des BIP, bis 
1974 war sie auf 32 Prozent abge- 
baut. Und dies nicht unter Entbeh- 
rungen, sondern durch ein durch- 
schnittliches Wirtschaftswachstum 
von 3,7 Prozent und einer Inflation 
von 3,4 Prozent. 
Zinserhöhung ist unumgänglich 
«Wir brauchen Wirtschaftswachs- 
tum und ein gesundes Mass an In- 
flation», unterstrich Steinemann 
und gibt sich zuversichtlich, dass 
die europäischen Zentralbanken die 
Zinsen dazu rechtzeitig wieder an- 
heben. Zurzeit sind die Leitzinsen 
zwar auf einem historischen Tief- 
punkt, doch sei eine Erhöhung der 
Zinsen unumgänglich. Die enorme 
Verschuldung der Staaten müsse fi- 
nanziert werden, was einer Ent- 
wicklung der Zinsen Auftrieb gebe. 
«Lassen Sie sich als Anleger nicht 
ins Bockshorn jagen», gab sich der 
Chefstratege verhalten optimis- 
tisch, auch wenn bis in die zweite 
Jahreshälfte hinein negative Nach- 
richten an der Tagesordnung sein 
dürften. 
Das Vontobel-Finanzforum stand 
unter dem Motto «Finanz trifft 
Kunst». Glück sei, Geld, das man 
nicht benötige, sinnvoll auszugeben, 
zum Beispiel für die Kunst, statt aus 
Egoismus Milliarden zu vernichten, 
erinnerte Hans Vontobel, der älteste 
Bankier der Schweiz und ein Milli- 
onär, der mit der Strassenbahn zur 
Arbeit fährt. 
Kunstwerk von Robert Indermaur entlang der Tamina in Bad Ragaz. Kunst braucht Finanz und Finanz braucht Kunst. 
FOTO ZVG
	        

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