Volltext: Liechtensteiner Volksblatt (2009)

WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN FÜR DAS RHEINTAL 
WIRTSCHAFT 
Samstag, 2. Mai 2009 Seite 11 
Neue Sektion in der Wirtschaftskammer 
Wirtschaft / 13 
Chrysler stellt sich der Insolvenz 
Wirtschaft / 14 
NEWSMIX 
US-Konsumentenvertrauen 
im April deutlich gestiegen 
NEW YORK – Das Vertrauen der US- 
Konsumenten in die wirtschaftliche Ent- 
wicklung ihres Landes hat sich deutlich 
gebessert. Der entsprechende Index stieg 
im April nach endgültigen Berechnungen 
vom Freitag auf 65,1 Punkte von 57,3 Zäh- 
lern im Vormonat und damit auf den höchs- 
ten Stand seit September 2008. Der Zu- 
wachs im April war zudem der grösste in- 
nerhalb eines Monats seit Oktober 2006. 
Ökonomen hatten mit 61,9 Punkten ge- 
rechnet. Die Verbesserung gründe sich vor 
allem auf langfristigere Erwartungen für 
die Wirtschaft.   (sda) 
US-Auftragseingang im März 
stärker gesunken als erwartet 
WASHINGTON – Die Auftragslage der 
US-Industrie hat sich im März verschlech- 
tert. Die Bestellungen seien im Vergleich 
zum Vormonat um 0,9 Prozent gesunken 
nach einem revidierten Plus von 0,7 Pro- 
zent im Februar, teilte das Handelsministe- 
rium in Washington am Freitag mit. Ana- 
lysten hatten für März mit einem Minus 
von 0,6 Prozent gerechnet. Klammert man 
den Verkehrsbereich aus, sanken die Indus- 
trieorders auch um 0,9 Prozent. Ohne den 
Rüstungssektor gab es ebenfalls ein Minus 
von 0,9 Prozent.   (sda) 
Swiss trotz Gegenwind 
mit schwarzen Zahlen 
BASEL/FRANKFURT – Die Swiss glänzt 
nach wie vor als Perle im Lufthansa-Kon- 
zern: Im Unterschied zur Mutter schrieb die 
Schweizer Airline auch im ersten Quartal 
2009 schwarze Zahlen. Während das Ange- 
bot den sinkenden Frequenzen angepasst 
wurde, baute die Swiss den Personalbestand 
noch einmal aus. Der operative Gewinn der 
Swiss ging im Vorjahresvergleich um 4,5 
Prozent auf 63 Millionen Franken zurück. 
Der Umsatz sank um 7,4 Prozent auf 1,081 
Milliarden Franken.   (ap) 
Japanische Grossbank 
rechnet mit Milliarden-Verlust 
TOKIO – Die grösste japanische Bank 
Mitsubishi UFJ Financial Group hat ihre 
Gewinnprognose kassiert und ist wohl erst- 
mals in die roten Zahlen gerutscht. Wie das 
Institut am Freitag mitteilte, geht es für das 
Ende März zu Ende gegangene Geschäfts- 
jahr nun von einem Nettoverlust von 260 
Mrd. Yen (rund 3 Mrd. Fr.) aus. Das Geld- 
haus hatte zuvor mit einem Plus von 50 
Mrd. Yen gerechnet. Verantwortlich für die 
Verluste seien Abschläge bei Aktienge- 
schäften, hiess es.   (sda) 
US-Behörden klagen gegen die UBS 
Wirtschaft / 14 
Denken in Szenarien 
Hilti verzeichnet Umsatzverlust von 20 Prozent und steuert im Teamansatz gegen 
SCHAAN – In der Bauwirtschaft 
ist die Rezession angekommen. 
Wie auch Bauunternehmen setzt 
der Baugeräte Hilti auf die Kon- 
junkturpakete und entwickelt ei- 
gene Strategien. 
• Kornelia Pfeiffer 
«Wir arbeiten in Szenarien, um die 
richtigen Massnahmen zum rich- 
tigen Zeitpunkt zu ergreifen», sagt 
Bo Risberg, CEO der Hilti-Gruppe. 
Das heisst für den Hauptstandort in 
Schaan und Buchs ein Abbau von 
etwa 200 Arbeitsplätzen bis Ende 
2010, oder anders gesagt, 10 bis 15 
Prozent weniger Mitarbeiter. Pro 
Jahr betrage die natürliche Fluktua- 
tion auch in guten Jahren etwa 7 
Prozent, erklärte Risberg am Don- 
nerstag gegenüber den regionalen 
Medien. Er hoffe, dass die Zeit 
hilft, den neuen Sparkurs mit so 
wenig Kündigungen wie möglich 
durchzuziehen. 
Verluste abgefedert 
Eine Woche im Sommer plant 
Hilti, die Werktore ganz zu schlies- 
sen. Seit März gilt in der Produkti- 
on in Werk 1 in Schaan und in Werk 
3 in Mauren Kurzarbeit. Seit April 
arbeiten auch die 360 Mitarbeiter in 
Thüringen/Vorarlberg zwischen 20 
und 40 Prozent weniger. Ebenso in 
den Werken in Deutschland – um 
die Unterauslastung zu überbrü- 
cken, ohne Arbeitsplätze zu gefähr- 
den. Ab Juli wird nun auch in der 
Konzernzentrale 5 Prozent weniger 
gearbeitet. Das heisst sechs Kom- 
pensationstage für jeden 2009 und 
zwölf im nächsten Jahr. Was aller- 
dings auch weniger Gehalt bedeu- 
tet – und zwar ohne Ausnahme für 
alle: Mitarbeitende, Führungskräf- 
te, Konzernleitung und Verwal- 
tungsrat. Ein Teamansatz im Sinne 
der Hilti-Unternehmenskultur, sagt 
Risberg. 
Für Osteuropa, Spanien, Gross- 
britannien und Irland gilt das alles 
freilich nicht. «In diesen Märkten 
müssen wir ganz schnell abbauen», 
erklärt der CEO. Diese Märkte 
seien um bis zur Hälfte zusammen- 
gebrochen. Mit der Negativent- 
wicklung der weltweiten Baukon- 
junktur verzeichnet die Hilti-Grup- 
pe für die ersten drei Monate 2009 
insgesamt einen Rückgang des Um- 
satzes von rund 20 Prozent auf 
1248 Mio. Franken (2008: 1565 
Mio. CHF). Der starke Franken 
macht dem Exportunternehmen zu- 
sätzlich zu schaffen, in Lokalwäh- 
rungen lag der Verlust bei 16 Pro- 
zent. Fast in allen Regionen der 
Welt werden Einbussen registriert: 
in Europa ein Minus von 25 Pro- 
zent (in Franken gerechnet), im Na- 
hen und Mittleren Osten sowie in 
Afrika von 20 Prozent, in Nord- 
amerika von 13 Prozent, in Latein- 
amerika 11 Prozent, in Asien minus 
1 Prozent. 
Direktvertrieb bewährt sich 
«Wir gehen von einer länger an- 
haltenden Krise in der Bauwirt- 
schaft aus als bisher angenommen. 
Immer mehr Länder geraten in den 
Abwärtstrend, zahlreiche Bautätig- 
keiten sind bereits eingestellt und 
entsprechend bleiben die Aufträge 
aus. Dennoch konnten wir auch im 
ersten Trimester weitere Marktan- 
teile dazugewinnen und uns besser 
als der Wettbewerb behaupten», 
kommentiert Bo Risberg den Ge- 
schäftsverlauf der ersten vier Mo- 
nate. Das neue Massnahmenpaket 
erlaube es, flexibel auf unterschied- 
liche Szenarien zu reagieren und 
die fehlenden Umsätze abzufedern. 
In einem mehrstufigen Plan will die 
Hilti-Gruppe bis Ende 2010 welt- 
weit 15 Prozent der Kosten einspa- 
ren. Dazu gehöre der schrittweise 
Abbau der heute rund 21 000 Stel- 
len um 10 Prozent. 
Ferner werden einige Investiti- 
onen und Vorhaben verschoben 
Dabei geht es Hilti besser als der 
Konkurrenz. Bei den Mitbewerbern 
liegen die Verluste bei 30 bis 40 
Prozent. Mit dem Geschäftsmodell 
des Direktvertriebs scheint es Hilti 
auch diesmal zu gelingen, gerade in 
schwierigen Zeiten neue Marktan- 
teile zu gewinnen. Mit mehr als 
200 000 Kundenkontakten täglich 
weiss das Unternehmen genau, wie 
es den Kunden geht, wo die Trends 
und Entwicklungen hingehen und 
ist somit in der Lage, sich schnell 
auf Veränderungen und wechselnde 
Bedürfnisse im Markt einzustellen. 
Das zusammen mit dem Sparkurs 
macht Bo Risberg optimistisch, 
dass Hilti die Krise in stärkerer Po- 
sition hinter sich bringen werde. 
«In früheren Krisen haben wir 
uns stets besser entwickelt als un- 
sere Mitbewerber», unterstreicht 
Christoph Loos, als Mitglied der 
Konzernleitung verantwortlich für 
Personal, Finanzen und Informa- 
tik. 
Hoffen auf Konjunktur 
Nun gehe es darum, die Zeit zu 
nutzen, um Prozesse und Struk- 
turen weiter zu verbessern. Und die 
Fachleute, die man heute im Be- 
trieb halten könne – die brauche es 
dann dringend, sobald die Kon- 
junktur wieder anspringe. Niemand 
kann zurzeit zwar sagen, wann das 
sein wird. Bleibt für Baugerätekon- 
zern wie Bauunternehmen darauf 
zu hoffen, dass die Konjunkturpa- 
kete greifen, die viele Länder auf- 
gelegt haben. 
So verfügt die Branche in 
Deutschland zwar noch über ein 
Auftragspolster, das voraussicht- 
lich bis zum Sommer 2009 eine 
harte Landung in die Rezessions- 
wirklichkeit verhindert. Dies die 
Einschätzung des Hauptverbandes 
der Deutschen Bauindustrie (HDB). 
Spätestens im zweiten Halbjahr 
aber drohe den Baufirmen eine 
Flaute, die auch 2010 noch anhal- 
ten werde. Nun setzen die Unter- 
nehmen auf das jüngst aufgelegte 
zweite Konjunkturpaket der Bun- 
desregierung. Auch in den USA 
soll ein milliardenschweres Paket 
für Neuaufträge für Schulen, Kran- 
kenhäuser, Verwaltungsgebäude 
eingesetzt werden. Und in China 
gibt es Anzeichen dafür, dass Hun- 
derte von Milliarden für Wirt- 
schaftsprogramme Wirkung haben. 
Bo Risberg, Christoph Loos (von links): Hilti kann in der Krise Marktanteile hinzugewinnen. 
FOTO 
MICHAEL ZANGHELLINI
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.