Volltext: Liechtensteiner Volksblatt (2009)

WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN FÜR DAS RHEINTAL 
WIRTSCHAFT 
Ulrich 
Thielemann, 
Wirtschafts- 
ethiker der HSG, 
steht in der Kritik 
Wirtschaft / 11 
Dienstag, 7. April 2009 Seite 9 
Rahmenbedingungen stärken 
Wirtschaftsminister Martin Meyer traf sich mit Verbandsspitzen zu Gesprächen 
VADUZ – Regierungschef-Stell- 
vertreter Martin Meyer traf sich 
in den letzten Tagen mit Vertre- 
tern der Liechtensteinischen In- 
dustrie- und Handelskammer, der 
Wirtschaftskammer, dem Liech- 
tensteinischen Arbeitnehmerver- 
band und weiteren Verbänden. 
Thema der Gespräche war die aktu- 
elle Wirtschaftslage und die ange- 
strebte enge Zusammenarbeit des 
Ressorts Wirtschaft mit den Inte- 
ressensvertretungen. Im Rahmen 
der Gespräche zwischen Verbands- 
vertretern und Regierungschef- 
Stellvertreter Martin Meyer wurden 
die aktuelle Lage der liechtenstei- 
nischen Wirtschaft und die Auswir- 
kung der Weltwirtschaftskrise auf 
den Arbeitsmarkt erörtert. Einigkeit 
herrschte in der Überzeugung, dass 
Liechtenstein dann an Wettbe- 
werbsfähigkeit gewinne, wenn die 
Rahmenbedingungen gestärkt wer- 
den. Hierzu gehören die rasche 
Umsetzung der Steuerreform und 
ein Abbau von Überreglementie- 
rungen. Bei den Gesprächen mit 
dem Liechtensteinischen Arbeit- 
nehmerverband wurden die zentra- 
le Rolle der Sozialpartnerschaft 
und die Bedeutung der Gesamtar- 
beitsverträge in diesem Gefüge von 
den Gesprächsteilnehmern betont. 
Miteinander den Standort stärken 
Einigkeit herrschte zudem, dass 
ein Miteinander der Verbände und 
der Politik den Standort weiter- 
bringt. Ziel sei es, dass innovative 
Unternehmer auf engagierte und gut 
ausgebildete Arbeitnehmerinnen 
und Arbeitnehmer treffen und dabei 
auch ein soziales Gewissen nicht zu 
kurz kommt, denn dann seien die 
Grundvoraussetzungen im globalen 
Wettbewerb zu bestehen gegeben. 
Regierungschef-Stellvertreter Mar- 
tin Meyer: «Die absolute Mehrheit 
der liechtensteinischen Unterneh- 
men zeigt Weitsicht und will ihr 
Ausbildungsangebot auch in wirt- 
schaftlich schwierigeren Zeiten 
aufrechterhalten. Gerade diese 
Weitsicht trägt zur langfristigen Si- 
cherung des Fachkräftebedarfs 
bei.» Miteinander wolle man so die 
heimischen Jugendlichen in attrak- 
tive Beschäftigungsverhältnisse in- 
tegrieren. 
Auf Effektivität prüfen 
Von staatlicher Seite sagte Re- 
gierungschef-Stellvertreter Martin 
Meyer die Überprüfung der vor- 
handenen Beschäftigungspro- 
gramme auf ihre Effektivität hin 
zu. Um noch mehr junge Men- 
schen zu erreichen, sollen vorhan- 
dene Potenziale genutzt werden 
und wo nötig Gelder in Projekte 
mit höherer Treffsicherheit ver- 
schoben werden. 
Der leichte Rückgang der Ar- 
beitslosigkeit im Monat März zeigt, 
dass Liechtenstein trotz weltweiter 
Krise weiterhin sein hohes Beschäf- 
tigungsniveau halten kann. (pafl) 
Wirtschaftsminister Martin Meyer: «Die absolute Mehrheit der liechtensteinischen Unternehmen zeigt Weitsicht.» 
FOTO 
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UP/KORNER 
Schweiz: Weniger Exporte nach Deutschland 
Wirtschaft / 11 
Schweizer Börse in Verlustzone 
Wirtschaft / 12 
NEWSMIX 
Implenia-Chef nimmt den Hut 
DIETLIKON – Eklat 
bei Implenia: Der 
grösste Baukonzern der 
Schweiz trennt sich 
überraschend von sei- 
nem Chef. Werner Kar- 
len (Foto), erst seit An- 
fang Februar an der 
Spitze des Unterneh- 
mens, nimmt mit sofortiger Wirkung den 
Hut. Die Trennung erfolge im Einvernehmen 
mit dem Verwaltungsrat, heisst es in einer 
Mitteilung vom Montag. Karlen wolle sich 
beruflich neu orientieren. Weitere Gründe 
für den Abgang würden nicht genannt. 
Der Präsident des Verwaltungsrats, Anton 
Affentranger, übernimmt nun auch die Kon- 
zernführung (Executive Chairman), wie Im- 
plenia mitteilte. Implenia sorgt immer wie- 
der für Schlagzeilen, weil sich das Unter- 
nehmen mit dem britischen Hedgefonds 
Laxey in den Haaren liegt. Laxey versucht, 
den Baukonzern unter seine Kontrolle zu 
bringen, was Implenia mit allen Mitteln ver- 
hindern will. So besteht eine Stimmrechts- 
beschränkung von 5 Prozent. (sda) 
Mövenpick mit mehr Umsatz 
CHAM – Der Hotel- und Gastronomiekon- 
zern Mövenpick hat sich in einem an- 
spruchsvollen Umfeld gut gehalten: Das 
von der Familie von Finck kontrollierte Un- 
ternehmen steigerte den gesamten Umsatz 
im vergangenen Jahr um 4,0 Prozent auf 
1,452 Mrd. Franken. Die Verkäufe der eige- 
nen Betriebe stiegen um 5,0 Prozent auf 
892,6 Mio. Franken, wie Mövenpick am 
Montag mitteilte. Der Umsatz aus Manage- 
ment- und Franchise-Betrieben nahm um 
2,5 Prozent auf 559,4 Mio. Fr. zu. Der Be- 
triebsgewinn (EBIT) verbesserte sich um 
13,8 Prozent auf 33,0 Mio. Franken.   (sda) 
Schweizer FINMA begrüsst 
Entscheid der EU-Finanzminister 
BERN – Ein einheitliches System bei der 
Aufsicht von Finanzdienstleistern wäre 
auch im Sinne der Eidgenössischen Finanz- 
marktaufsicht (FINMA). «Wir begrüssen 
grundsätzlich den Entscheid für eine inter- 
nationale Architektur der Finanzaufsicht», 
sagte FINMA-Sprecher Alain Bichsel am 
Montag auf Anfrage der Nachrichtenagen- 
tur SDA. Hierfür brauche es zuerst aber ei- 
nen politischen Entscheid, sagte Bichsel 
weiter. Die EU-Finanzminister haben sich 
am Wochenende grundsätzlich darauf geei- 
nigt, dass ein neues «Europäisches System 
für Finanzaufsicht» entstehen soll. 
Inwiefern die 
Schweiz einbezo- 
gen würde, ist 
noch nicht klar. 
Es sei zu früh, 
um Schluss- 
folge- 
rungen zu 
ziehen. 
(sda) 
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Sorgenfalten wegen 
Protektionismus 
Economiesuisse: Wirtschaft wächst kaum 
ZÜRICH – Der Wirtschaftsdach- 
verband Economiesuisse rechnet 
damit, dass sich die Schweizer 
Wirtschaft nicht so rasch wieder 
erholt. Auch in den Jahren 2011 
und 2012 werde das Wachstum 
sehr tief ausfallen. 
Der Zeitpunkt des wirtschaftlichen 
Wiederaufschwungs hängt laut 
Minsch wie in der Vergangenheit 
von der Entwicklung in den USA 
ab. Sehr bald werde dies nicht der 
Fall sein, da in den USA nicht von 
einem raschen Aufschwung, son- 
dern von einer länger dauernden 
Strukturbereinigung ausgegangen 
werden müsse. 
Economiesuisse geht 
zudem davon aus, dass 
der Konjunkturrückgang 
in der Schweiz nach 
dem bisherigen export- 
bedingten Abschwung 
zunehmend auch auf 
den Konsum und die Bauinvestiti- 
onen übergreifen wird. Dement- 
sprechend steige auch die Arbeitslo- 
sigkeit während mehr als zwei Jah- 
ren deutlich an, sagte Minsch am 
Montag vor den Medien. 
Absage an Aktionismus 
Obwohl die Wirtschaftskrise die 
Schweiz mit voller Wucht treffe, 
mahnt der Wirtschaftsdachverband 
dazu, einen kühlen Kopf zu bewah- 
ren. «Überrissene Konjunkturpakete 
und Politaktionismus mögen popu- 
lär sein», sagte Economiesuisse- 
Chef Pascal Gentinetta. Solche Pro- 
gramme seien aber keine Patentre- 
zepte gegen die Rezession. Im Ge- 
genteil: Wenn sie ihre Wirkung nicht 
gezielt oder verspätet entfalteten 
oder sich strukturerhaltend auswirk- 
ten, seien sie sogar kontraproduktiv. 
Eine behutsame Geldpolitik und au- 
tomatische Stabilisatoren wie etwa 
die Arbeitslosenversicherung seien 
geeignetere und effizientere Wege, 
um negative Konsequenzen einer 
Rezession aufzufangen. 
Kampf gegen Protektionismus 
Sorge bereitet der Economiesuis- 
se-Spitze der wieder erstarkende 
Protektionismus im Stil von «Buy 
American» oder «rapatrier vos acti- 
vités en France». Als Exportland 
müsse die Schweiz Verbündete su- 
chen, um dieser Entwicklung entge- 
genzuwirken und der Doha-Runde 
der Welthandelsorganisation WTO 
endlich zum Durchbruch zu verhel- 
fen, hiess es. Da die Schweiz eine in- 
ternational vernetzte Volkswirtschaft 
sei, müsse der Fokus der Aussenpo- 
litik wieder dezidiert auf die Wah- 
rung der nationalen Wirtschaftsinte- 
ressen gelegt werden. Der Bundesrat 
solle nun entschlossen Kontakte zu 
den wichtigsten Handelspartnern 
und internationalen Organisationen 
pflegen, sagte Economiesuisse-Prä- 
sident Gerold Bührer.   (sda) 
Gegen «überrissene Konjunkturpakete»: Economiesuisse-Präsident Ge- 
rold Bührer (links) und Chefökonom Rudolf Minsch. 
FOTO KEYSTONE 
Eugen Haltiner, 
VR-Präsident der FINMA.
	        

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