Volltext: Liechtensteiner Volksblatt (2009)

KULTURNEWS 
Samstag, 4. April 2009 Seite 23 
KULTURNACHRI CHTEN FÜR DAS RHEI NTAL 
Die Gefahr schläft doch nicht 
Das «Junge Theater Liechtenstein» präsentiert «Spam Cam 2059» 
SCHAAN – U17 von «Junges Thea- 
ter Liechtenstein» hat sich unter 
fachkundiger Anleitung und in 
Anlehnung an Ray Bradburys 
Klassiker «Fahrenheit 451» an ein 
Thema gewagt, das die Men- 
schen berühren muss. 
• Reinold Tavernaro 
Unter der Regie von Julia Bihl und 
Charlotte Baumgart haben 16 Ju- 
gendliche im Alter von 13 bis 15 
Jahren einen Blick in die Zukunft 
getan und stellen sich vor, wie es 
2059 im täglichen Leben sein 
könnte. Da werden viele Fragen ge- 
stellt, die auch im Rahmen von 
Schulvorstellungen sehr intensiv 
diskutiert werden könnten. Man 
muss nicht bis 2059 warten, um 
mitten in der Überwachungsgesell- 
schaft tagtäglich überprüft zu wer- 
den. Man erinnere sich an die Vor- 
kommnisse der letzten Zeit, wo 
Konzerne ihre Mitarbeiter überwa- 
chen liessen und, oh Pech, ihre 
Chefs nun zur Rechenschaft gezo- 
gen werden. 
Spam Cam schlägt zu 
Die Geschichte spielt in der Zu- 
kunft, alle Bürger werden vom 
Überwachungsstaat dominiert. Je- 
de Bewegung, jeder Atemzug 
wird von Spam Cams aufgezeich- 
net. Die Menschen haben sich 
längst angepasst. Sie können sich 
nurmehr per Spam Cam unterhal- 
ten, und man tut es gern. Schon 
das Outfit der jungen Schauspie- 
ler weist durch seine uniforme 
Einheitlichkeit der Farbe darauf 
hin, dass der Mensch eigenstän- 
diges Handeln längst aufgegeben 
hat. Die Menschen geniessen ihre 
Medienpräsenz, sie lieben es, 
durch den Einsatz einer Spam 
Cam hautnah auf den grossen 
Bildschirm auf der Bühne über- 
tragen zu werden. Zu Beginn des 
Stückes herrscht noch eitel Son- 
nenschein herrscht, doch bald be- 
ginnt die Stimmung umzuschla- 
gen. Wer sich nicht anpasst, wird 
per Spam Cam gelöscht. Die jun- 
gen Menschen leben in einem 
Camp – 2059 wird dies die gän- 
gigste Lebensform sein; und da 
verschwindet eine Bewohnerin. 
Stecken die «Spam Cops» dahin- 
ter? 
Sieg der Freiheit ... 
Die Freundin beginnt zu suchen 
und findet eine Untergrundorganisa- 
tion, die ihr dabei hilft. Mut und 
Freiheitswille behalten letztlich die 
Oberhand, die maskierten Akteure 
werden schliesslich im Zuschauer- 
saal aktiv und verlangen lautstark 
und dem Publikum auf den Pelz rü- 
ckend Privatsphäre und Freiheit. Die 
Spam Cops sind überflüssig gewor- 
den, sie können niemanden mehr 
kontrollieren. Mutig wagen sich 15 
Mädchen und ein Bub an dieses 
Thema, das zeigt, wie gerade die 
jungen Menschen immer tiefer im 
Überwachen versinken, man denke 
an die Handys und die damit ver- 
bundenen Manipulationsmöglich- 
keiten. 
... und des Herzens 
Die «U17» des Jungen Theaters 
Liechtenstein weist konsequent auf 
mögliche Entwicklungen hin, die 
uns vielleicht schon längst über- 
rannt haben. Trotz alledem: Das 
Herz hat zunächst gesiegt. Das gan- 
ze Team verdient höchste Anerken- 
nung. Und nicht vergessen: Die Ge- 
fahr schläft nicht. 
Das «Junge Theater Liechtenstein» hat einen mutigen Blick in das Jahr 2059 geworfen. 
FOTO 
MICHAEL 
ZANGHELLINI 
Was es heute 
und morgen auf 
den diversen 
TV-Kanälen zu 
sehen gibt 
TV / 26–27 
Jones: Extravagante Modeschau 
Konsumenteninfo / 24 
Osterbraüche einmal ganz anders 
Letzte / 28 
Führung Morgen Sonntag, den 5. 
April, führt Robin Hemmer um 11 Uhr 
durch die Ausstellung «Das Glück dieser 
Erde ...», in der Werke aus den Fürstlichen 
Sammlungen im Kunstmuseum Liechten- 
stein zu sehen sind. Das Museum der zeitge- 
nössischen Kunst in Vaduz zeigt regelmäs- 
sig eine Sonderausstellung aus den Privaten 
Sammlungen des Fürsten von und zu Liech- 
tenstein und spannt somit den Bogen zur 
Welt der Alten Meister. Die diesjährige Aus- 
stellung geht der grossen historischen Be- 
deutung der Pferdezucht im Haus Liechten- 
stein nach und zeigt auf, welche wirtschaft- 
liche, gesellschaftspolitische und repräsen- 
tative Bedeutung den Pferden zukam. Wei- 
tere Informationen gibt es im Internet unter 
www.kunstmuseum.li. (pd) 
NEWSMIX 
Oscar-Gewinnerin Cotillard 
dreht mit Leonardo DiCaprio 
LOS ANGELES – Star-Besetzung für das 
neue Projekt von «Dark Knight»-Regisseur 
Christopher Nolan: Die französische Oscar- 
Gewinnerin Marion Cotillard soll an der Sei- 
te von Leonardo DiCaprio in dem Science- 
Fiction-Film «Inception» mitspielen. Wie 
«Variety» berichtete, sind auch Ellen Page 
und Cillian Murphy für Rollen im Gespräch. 
Nolan, der auch das Skript für den Film lie- 
ferte, will im Sommer mit den Dreharbeiten 
beginnen. Das Projekt wurde als futuristischer 
Action-Film beschrieben, der im «Baugerüst 
des Gehirns» angesiedelt ist. (sda) 
Dame oder Tiger 
BUCHS – Ein Erzählstück mit doppeltem 
Boden bringt der Schauspieler Werner Bo- 
dinek (Foto) am Donnerstag, den 9. April, 
um 20 Uhr, auf die Bühne des Fabriggli: 
«Dame oder Tiger» von Frank Richard 
Stockton (1834–1902), amerikanischer Au- 
tor und Humorist. Regie führte Ueli Blum. 
Die Veröffentlichung von «Dame oder Ti- 
ger» war 1882 eine Sensation. Und nach 
seiner Heimkehr von einer Reise aus Euro- 
pa sah sich Stockton von Briefen und Bitten 
überflutet, die alle nach dem weiteren 
Schicksal des Helden fragten. Stocktons 
Reaktion war eine weitere Geschichte … 
Platzreservation: 081 756 66 04 (dienstags 
bis samstags von jeweils 18 bis 20 Uhr oder 
im Internet unter www.fabriggli.ch. (pd) 
Blubbernder Epilog 
«WasserKlänge» aus dem Klanglabor 
RUGGELL – «Mizu no Oto» oder 
«WasserKlänge» nannten Denise 
Kronabitter, Marco Sele und Arno 
Oehri ihre Performance, mit der 
die Themenausstellung «Magie 
des Wassers» im Küefer-Martis- 
Huus ausklang. 
• Arno Löffler 
Das Erfahren von Kunst ist bekannt- 
lich eine äusserst subjektive Angele- 
genheit, und Kunst als Kommunika- 
tion ist eines der zentralen Anliegen 
von Klanglabor-Mitbegründer Arno 
Oehri. Die gestrige Klangperfor- 
mance erlebte jeder Besucher an- 
ders: Die Musiker spielten auf unter- 
schiedlichen Stockwerken, niemand 
konnte alles sehen und schon gar 
nicht aus dem gleichen Blickwinkel. 
Hören schon eher. Das visuelle Ele- 
ment spielte eine nicht zu unterschät- 
zende Rolle bei dem Abend, der v. a. 
auf eine besonders tiefe Klangerfah- 
rung ausgerichtet war. Über die Wän- 
de des Ruggeller Kulturzentrums, al- 
les andere als ein «white cube», flim- 
merte eine wässrig-blaue Videoin- 
stallation, die durchs Bild schwim- 
mende oder eher schwebende Män- 
ner- und Frauenkörper zeigte. Im un- 
teren Stock, wo der Perkussionist 
Marco Sele mit seinem Arsenal aus 
Schlagzeug, Bassklarinette, Khaen 
und Hang Platz gefunden hatte, zo- 
gen die Körper über an der Wand an- 
geordneten Weihbasserbecken da- 
hin. Auch die Künstler – neben Sele 
Arno Oehri (Stimme, Tasten, Flügel- 
horn, Thai-Gongs, Wasserglas mit 
Strohhalm, Shamisen usw.) und De- 
nise Kronabitter (Stimme, Hang, 
Glocken, Zither, Loops, Klangscha- 
len etc.) – sahen einander bestenfalls 
teilweise. Die Verbindung erfolgte 
über die Musik. 
«Mizu no Oto», japanisch für 
«Wasserklänge», gliederte sich in 
drei Teile (sara-sara – Wasser, ruhig 
dahinfliessend; do-do – ein Fluss 
nach einem Taifun; pochon – ein 
herunterfallender Wassertropfen), 
wobei der Letzte erst nach der Pau- 
se erklang, was den Besuchern Ge- 
legenheit bot, die Perspektive zu 
wechseln. 
Mit demselben bemerkenswerten 
Gespür für Hinzufügen und Weg- 
lassen, das das Klanglabor schon 
beim Vorgängerprojekt «Drop Zo- 
ne» unter Beweis gestellt hatte, 
verlieh das Trio der Klang- und 
Geräuschewelt des feuchten Ele- 
ments künstlerischen Ausdruck. 
Ineinanderfliessende Loops, sensi- 
ble Abstimmung der musika- 
lischen Einzelleistungen aufeinan- 
der, Zeit, Raum und Gemüt ausfül- 
lende Tongemälde – die Liechten- 
steiner Formation lieferte den pas- 
senden, angenehm blubbernden 
Epilog zu einem spannenden Aus- 
stellungsprojekt. 
Arno Oehri von der Formation Klanglabor in seinem – feuchten – Element. 
FOTO 
ARNO LÖFFLER
	        

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