Volltext: Liechtensteiner Volksblatt (2009)

FORMEL 1 
VOLKSBLATT 
DIENSTAG, 24. MÄRZ 2009 19 
der erste Sieger der neuen Saison abgewunken. 
FOTO KEYSTONE 
WM-Titel als Ziel 
BMW-Sauber hat in der neuen Saison viel vor 
MÜNCHEN – Die Konkurrenz soll in 
diesem Jahr das (weiss-)blaue Wun- 
der erleben. Das Formel-1-Team 
BMW-Sauber startet mit dem Ziel 
WM-Titel in die neue Saison. 
• David Bernold 
Mit dem Grand Prix von Australien be- 
ginnt am kommenden Sonntag für 
BMW-Sauber «Stufe 4 des Master- 
plans»; am Ende des vierten Jahres 
nach der Gründung will die bayerisch- 
schweizerische Seilschaft den Gipfel 
erklommen – und mit dem Titelgewinn 
auch den letzten Schritt des ambitiösen 
Projekts mit Erfolg vollzogen haben. 
Der bisherige Verlauf des Weges ganz 
an die Spitze macht Mut; die Vorgaben 
wurden bislang stets in die Tat umge- 
setzt. 2006, der als «Lehr»- und Über- 
gangsjahr betrachteten ersten Saison, 
gabs wie «geplant» die ersten Klassie- 
rungen in den WM-Punkterängen. Über 
die 2007 erfüllte Vorgabe nach Podest- 
plätzen gings im Juni 2008 nahtlos über 
zum bisherigen Highlight, dem Premie- 
rensieg im Grand Prix von Kanada. 
«Resultate sind nicht planbar» 
Die eingeschlagene Richtung scheint 
auch dieses Mal zu stimmen. Zumin- 
dest die Eindrücke in den vorsaisonalen 
Testfahrten lassen darauf schliessen, 
dass die Techniker-Crew mit dem F1.09 
ein Auto auf die Räder gestellt hat, das 
den hohen Ansprüchen gerecht werden 
kann. «Wir sind gut vorbereitet», sagt 
Teamchef Mario Theissen. «Fahrer und 
Ingenieure haben positive Rückmel- 
dungen gegeben.» Gleichwohl fällt 
auch Theissen eine Prognose schwer – 
angesichts der von der FIA aufdoktri- 
nierten Radikal-Kur im Bereich der 
Technik kein Wunder. «Wir wissen, 
dass der letzte Schritt ganz nach vorne 
der schwierigste ist. Leistungsfähigkeit 
kann man planen, Resultate nicht.» 
Der technische «Umsturz» mahnt 
auch die Fahrer zur Vorsicht. Nick 
Heidfeld mag vor seiner zehnten Saison 
in der Formel 1 nicht über die eigene 
Position im Titelkampf sinnieren. «Da- 
für ist es noch zu früh. Das neue Auto 
fühlt sich im Grossen und Ganzen aber 
gut an. Ich denke, unsere Ausgangslage 
ist besser als vor der vergangenen Sai- 
son. Allerdings gilt es abzuwarten, denn 
den ersten richtigen Vergleich mit der 
Konkurrenz gibts erst in Australien.» 
Der Druck, in einem womöglich «ti- 
teltauglichen» Auto zu sitzen, bereitet 
Heidfeld kein Kopfzerbrechen. «Damit 
habe ich überhaupt kein Problem. Es ist 
ja nicht so, dass überall geschrieben 
wird, BMW werde und müsse in die- 
sem Jahr Weltmeister werden. Viel 
mehr Druck als in der vergangenen Sai- 
son, in der es mir mehrheitlich nicht 
wunschgemäss gelaufen ist, wirds nicht 
geben», sagt der in Stäfa ZH wohnende 
Mönchengladbacher, der nach 150 be- 
strittenen Grands Prixs nach wie vor 
auf seinen ersten Sieg wartet. 
Ähnlich zurückhaltend äussert sich Ro- 
bert Kubica. «Wir sind auf einem guten 
Weg und reisen bestens vorbereitet nach 
Melbourne. Die Testfahrten vermitteln al- 
lerdings nur gewisse Anhaltspunkte. Man 
kann sich leicht täuschen», sagt der Pole. 
29. März: GP Australien in Melbourne 
5. April: GP Malaysia in Sepang 
19. April: GP China in Schanghai 
26. April: GP Bahrain in Sakhir 
10. Mai: GP Spanien in Montmeló 
24. Mai: GP Monaco in Monte Carlo 
7. Juni: GP Türkei in Kurtköy 
21. Juni: GP Grossbritannien in Silverstone (Eng) 
12. Juli: GP Deutschland in Nürburg 
26. Juli: GP Ungarn in Mogyorod 
23. August: GP Europa in Valencia (Sp) 
30. August: GP Belgien in Francorchamps 
13. September: GP Italien in Monza 
27. September: GP Singapur 
4. Oktober: GP Japan in Suzuka 
18. Oktober: GP Brasilien in São Paulo 
1. November: GP der VAE in Abu Dhabi 
KALENDER DER FORMEL-1-WM 2009 
1950 Giuseppe Farina (It) Alfa Romeo 
1951 Juan Manuel Fangio (Arg) Alfa Romeo 
1952 Alberto Ascari (It) Ferrari 
1953 Alberto Ascari Ferrari 
1954 Juan Manuel Fangio Maserati/Mercedes 
1955 Juan Manuel Fangio Mercedes 
1956 Juan Manuel Fangio Lancia/Ferrari 
1957 Juan Manuel Fangio Maserati 
1958 Mike Hawthorne (Eng) Ferrari 
1959 Jack Brabham (Au) Cooper-Climax 
1960 Jack Brabham Cooper-Climax 
1961 Phil Hill (USA) Ferrari 
1962 Graham Hill (Eng) BRM 
1963 Jim Clark (Scho) Lotus-Climax 
1964 John Surtees (Eng) Ferrari 
1965 Jim Clark Lotus-Climax 
1966 Jack Brabham Brabham-Repco 
1967 Denis Hulme (Neus) Brabham-Repco 
1968 Graham Hill Lotus-Ford 
1969 Jackie Stewart (Scho) Matra-Ford 
1970 Jochen Rindt (Ö) Lotus-Ford 
1971 Jackie Stewart Tyrrell-Ford 
1972 Emerson Fittipaldi (Br) Lotus-Ford 
1973 Jackie Stewart Tyrrell-Ford 
1974 Emerson Fittipaldi McLaren-Ford 
1975 Niki Lauda (Ö) Ferrari 
1976 James Hunt (Eng) McLaren-Ford 
1977 Niki Lauda Ferrari 
1978 Mario Andretti (USA) Lotus-Ford 
1979 Jody Scheckter (SA) Ferrari 
1980 Alan Jones (Au) Williams-Ford 
1981 Nelson Piquet (Br) Brabham-Ford 
1982 Keke Rosberg (Fi) Williams-Ford 
1983 Nelson Piquet Brabham-BMW 
1984 Niki Lauda McLaren-Porsche T 
1985 Alain Prost (Fr) McLaren-Porsche T 
1986 Alain Prost   McLaren-Porsche T 
1987 Nelson Piquet Williams-Honda T 
1988 Ayrton Senna (Br) McLaren-Honda T 
1989 Alain Prost McLaren-Honda 
1990 Ayrton Senna McLaren-Honda 
1991 Ayrton Senna McLaren-Honda 
1992 Nigel Mansell (Eng) Williams-Renault 
1993 Alain Prost Williams-Renault 
1994 Michael Schumacher (De) Benetton-Ford 
1995 Michael Schumacher Benetton-Renault 
1996 Damon Hill (Eng) Williams-Renault 
1997 Jacques Villeneuve (Ka) Williams-Renault 
1998 Mika Häkkinen (Fi) McLaren-Mercedes 
1999 Mika Häkkinen McLaren-Mercedes 
2000 Michael Schumacher Ferrari 
2001 Michael Schumacher Ferrari 
2002 Michael Schumacher Ferrari 
2003 Michael Schumacher Ferrari 
2004 Michael Schumacher Ferrari 
2005 Fernando Alonso (Sp) Renault 
2006 Fernando Alonso Renault 
2007 Kimi Räikkönen (Fi) Ferrari 
2008 Lewis Hamilton (Gb) McLaren-Mercedes 
FORMEL-1-WELTMEISTER 
Mit Robert Kubica hat BMW-Sauber ein heisses Eisen im WM-Feuer. 
FOTO 
KEYSTONE 
Breitere Frontflügel – profillose Pneus 
Viele Neuerungen und Regeländerungen für die anstehende Saison 
MELBOURNE – Die einzige Kon- 
stante in der Formel 1 scheint der 
ständige Wechsel von sportlichen 
wie technischen Regeln zu sein. 
Und das im Jahresrhythmus. 
Vor der 60. Formel-1-WM-Saison 
gingen die Neuerungen und Ände- 
rungen allerdings soweit wie zuvor 
noch nie. 
WM-Punktesystem 
Dieses bleibt so wie zuletzt, mit 
Punkten für die besten Acht: 10-8- 
6-5-4-3-2-1. Weltmeister ist der, 
der am Saisonende die meisten 
Punkte eingefahren hat. 
Qualifying 
Der Austragungsmodus bleibt für 
2009 noch gleich: Mit drei Ab- 
schnitten, wo zunächst 20, dann 15 
und am Schluss nur 10 Autos um die 
Poleposition fahren. Neu ist, dass 
um die jeweilige Benzinmenge im 
Tank, also um das Gesamtgewicht 
des Autos, kein Geheimnis mehr ge- 
macht werden darf. Die Spritwerte 
werden eingeblendet – ein Service 
gegenüber den TV-Fans. 
Reifen 
Die bisherigen Rillenpneus (vier 
Längsrillen) werden nach elf Jah- 
ren wieder durch profillose, soge- 
nannte Slicks ersetzt. Das klingt 
nach einem einfachen «Reifen- 
wechsel», ist aber für Fahrer wie 
Techniker eine radikale Änderung. 
Denn damit ändert sich die Fahr- 
weise des Piloten wie das Fahrver- 
halten des Wagens gravierend. Pro 
Auto gibt es an einem GP-Wochen- 
ende 40 Reifen, jeweils 20 von je- 
der der zwei Gummimischungen. 
16 Pneus, je zwei Sätze jeder Mi- 
schung, müssen am Freitagabends 
zurückgegeben werden. Acht wei- 
tere Reifen, je ein Satz jeder Mi- 
schung, nach dem dritten Training 
am Samstag. Jedem Pilot stehen 
zusätzlich 16 sogenannte Interme- 
diates (für leichten Regen) und 12 
«richtige» Regenreifen zur Verfü- 
gung. 
Motor 
Jeder Fahrer erhält pro Saison 
acht Triebwerke, deren maximale 
Drehzahl von 19 000 auf 18 000 
Umdrehungen pro Minute reduziert 
wurde. Der Einsatz dieser acht Ag- 
gregate in Trainings wie in Rennen 
ist frei. Sind diese acht Motoren 
aufgebraucht, wird der Fahrer bei 
jedem zusätzlichen Motor um zehn 
Startplätze strafversetzt. Im Durch- 
schnitt wird damit die Laufzeit der 
Motoren gegenüber 2008 verdop- 
pelt. 
Aerodynamik 
Was auf den ersten Blick an den 
Autos auffällt, sind die breiter ge- 
wordenen Frontflügel (von 140 auf 
180 cm) und die schmaleren Heck- 
flügel (von 100 auf 75 cm). Der 
Frontflügel darf neu vom Fahrer 
zweimal pro Runde verstellt wer- 
den. Seitliche Zusatzflügel sind 
nicht mehr erlaubt. 
Getriebe 
Das muss neu vier GP-Wochen- 
enden lang halten. Wer im Getriebe 
die Gangräder tauscht, muss fünf 
Startplätze zurück. Wer gleichzeitig 
auch das Getriebegehäuse wech- 
selt, verliert weitere fünf Plätze in 
der Startaufstellung. 
KERS 
Steht für die Rückgewinnung von 
Bremsenergie – Kinetic Energy Re- 
covery System. Der Einsatz dieses 
Hybridantriebes ist für 2009 noch 
freiwillig. Ein gelbes Starkstrom- 
Symbol kennzeichnet die Autos, die 
damit fahren. Eine Kontrolllampe 
(grünes Licht) soll verhindern, dass 
Mechaniker und Streckenposten das 
Auto erst berühren, wenn kein Rest- 
strom mehr gemessen wird. Die zu- 
sätzlich generierte und gespeicherte 
Energie ermöglicht dem Fahrer ei- 
nen «Powerschub» mit 82 PS, die er 
für 6,7 Sekunden pro Runde nutzen 
darf. Der Pilot kann diese Extra-PS 
auf einmal oder in Raten vom Lenk- 
rad aus abrufen. 
Safety Car 
Neu bleibt bei dessen Einsatz die 
Boxengasse geöffnet. Ab dann gilt 
für alle Piloten, je nach Position auf 
der Strecke, eine vorgeschriebene 
Zeit bis an die Box. Wer schneller 
dort ist, wird mit einer Boxen- 
Durchfahrtsstrafe belegt. Damit 
will man ein gefährliches Chaos an 
den Boxen vermeiden, weil alle Pi- 
loten die Safety-Car-Phase zu Bo- 
xenstopps nutzen. So büssen sie in 
einer «langsamen Rennphase» am 
wenigsten Zeit ein. 2008 war die 
Boxengasse bei Safety-Car-Einsät- 
zen zunächst geschlossen. 
Testfahrten 
Vor der Saison sind maximal 20 
Testtage und 15 000 Testkilometer 
erlaubt. Während der Saison sind 
Tests auf Rennstrecken verboten, 
nur Aerodynamiktests auf Flugplät- 
zen – auf- und abfahren auf einer 
Geraden – sind gestattet. (si) 
Buemi einziger Neuling 
Das Feld der Formel-1-Fah- 
rer hat sich im Vergleich zum 
Vorjahr nur geringfügig 
verändert. Einziger 
Neuling ist Séba- 
stien Buemi, der bei 
Toro Rosso Seba- 
stian Vettel ersetzt. 
Der Deutsche seiner- 
seits folgt bei Red 
Bull auf den zurück- 
get ret enen 
Schotten Da- 
vid Coulthard. 
Mit Brawn GP 
ist auch ein 
neuer Renn- 
stall dabei. 
Die Equipe mit dem einstigen Ferrari-Chef- 
strategen Ross Brawn an der Spitze ist das 
Nachfolge-Team von Honda. (si) 
Sébastien Buemi 
23. Schweizer GP-Fahrer 
Seit 1950, als die Formel-1-WM gegründet 
wurde, sind 22 Schweizer Fahrer in Grands 
Prix gefahren. Der Erste war Emmanuel 
«Toulo» de Graffenried, der 1950 in Silver- 
stone (Gb), beim ersten Rennen in der Ge- 
schichte der Formel-1-WM, gestartet war. 
Ein Jahr zuvor hatte er gleichenorts seinen 
einzigen Grand-Prix-Sieg errungen. Der in 
Paris geborene Freiburger starb am 22. Ja- 
nuar 2007; er wurde 92 Jahre alt. Der letzte 
Schweizer Formel-1-Fahrer war Jean-Denis 
Delétraz. Der Genfer bestritt drei Rennen 
für Larrousse und Pacific, das letzte am 1. 
Oktober 1995 auf dem Nürburgring, wo er 
mit sieben Runden Rückstand als Letzter 
ins Ziel fuhr. Der letzte Schweizer, der sich 
in den WM-Punkte-Rängen platzieren konn- 
te, war Marc Surer. Am 8. September 1985 
wurde er in Monza in einem Brabham- 
BMW Vierter. An den GP-Schauplätzen ist 
der Baselbieter seit Jahren als TV-Experte 
bei «Premiere» im Einsatz. Die breitesten 
Schweizer Spuren auf den GP-Strecken hin- 
terliessen Jo Siffert und Clay Regazzoni. 
Der Freiburger bestritt 96 Grands Prixs, von 
denen er zwei gewann. Er verunfallte am 
24.Oktober 1971 in Brands Hatch tödlich. 
Der Tessiner Regazzoni kam am 15. De- 
zember 2006 bei einem Verkehrsunfall mit 
dem Privatauto ums Leben. Er feierte in 132 
Grands Prix fünf Siege, den letzten 1979 in 
Silverstone. Dies war auch der bisher letzte 
GP-Triumph eines Schweizers. (si) 
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