Volltext: Liechtensteiner Volksblatt (2009)

GELD & BÖRSE 
VOLKSBLATT 
14 DIENSTAG, 24. MÄRZ 2009 
Die Fiesta ist vorüber 
«Es ist eine schwierige Lage»: Spanien schlittert nach Bau-Boom tief in die Rezession 
ALMERÍA – Die spanische Regie- 
rung hat ein Konjunkturprogramm 
für Infrastrukturvorhaben in Hö- 
he von elf Milliarden Euro ange- 
kündigt. Experten bezweifeln je- 
doch, ob dies ausreichen wird. 
• Jorge Sainz, AP 
Bauarbeiter Antonio Montoya 
konnte sich noch vor wenigen Mo- 
naten ein schickes Haus und zwei 
Autos für seine sechsköpfige Fami- 
lie leisten. Jetzt sitzt er auf der son- 
nigen Terrasse seines Eigenheims, 
hat keine Arbeit mehr, und die Ra- 
tenzahlungen verschlingen knapp 
die Hälfte der staatlichen Hilfs- 
gelder. «Stellen Sie sich vor: Hier 
bin ich, 54 Jahre alt, ohne Job. Ich 
weiss nicht, wie lange ich das 
durchhalten kann», sagt Montoya. 
Familie Montoya ist arbeitslos 
Die spanische Wirtschaft wurde 
in den vergangenen Jahren von 
einem Immobilien-Boom ohne 
Gleichen befeuert. Immer neue 
Apartmentblocks wurden gebaut, 
die von immer weniger solventen 
Spaniern auf Kredit gekauft wur- 
den. Auch die Nachfrage aus dem 
Ausland heizte den Markt an. Aus 
dem knochentrockenen Boden von 
Montoyas Heimatprovinz Almería 
im Südosten Spaniens wuchsen Fe- 
rienhäuser, Golfplätze und Ge- 
wächshäuser anscheinend wie Un- 
kraut. Doch das ist nun Vergangen- 
heit. Die Blase ist geplatzt, und 
Spanien befindet sich auf dem Weg 
in eine tiefe Rezession, gepaart mit 
Rekordarbeitslosigkeit. 
In Almería im Herzen Andalusi- 
ens liegt die Arbeitslosenrate be- 
reits bei 25 Prozent, eine der höchs- 
ten in ganz Spanien, wo im landes- 
weiten Durchschnitt 13,9 Prozent 
keinen Job haben. Die Regierung 
befürchtet für dieses Jahr einen An- 
stieg auf 16 Prozent, unabhängige 
Beobachter halten auch 19 Prozent 
für möglich – damit wäre Spanien 
einsame und traurige Spitze in ganz 
Europa. 
Montoya fuhr mit seinem Auto 
jeden Tag auf dem Weg zur Bau- 
stelle am Arbeitsamt vorbei. Die 
Schlange davor schien ihm lange 
ein Phänomen von einem anderen 
Planeten zu sein. Jetzt steht er je- 
den Monat selbst dort, kommt al- 
lerdings mit dem Bus, um Benzin 
zu sparen. 
Der Bauarbeiter sucht händerin- 
gend nach einer neuen Stelle, doch 
der Markt ist zusammengebrochen. 
750 Euro Arbeitslosengeld be- 
kommt er inzwischen vom Staat. 
Selbst in Boomzeiten war sein Ver- 
dienst mit 1200 Euro nicht sehr 
hoch. Aber seine vier Söhne, die 
noch zu Hause wohnten und eben- 
falls am Bau arbeiteten, erhöhten 
das Haushaltseinkommen deutlich. 
Sie sind inzwischen auch arbeitslos 
und drei von ihnen, im Alter zwi- 
schen 17 und 32 Jahren, wohnen 
noch im sicheren Hort der Eltern. 
Mit allen staatlichen Hilfen hat die 
ganze Familie im Monat 1150 Euro 
zur Verfügung, knapp die Hälfte 
geht aber sofort für den Hauskredit 
an die Bank. 
In der Provinzhauptstadt Almería 
scheint auf den ersten Blick trotz- 
dem alles ganz normal zu sein: Mit- 
tags füllen sich die Bars, die Men- 
schen trinken einen Aperitif oder 
ein Bier, die Restaurants sind voll. 
Doch beim zweiten Blick fallen an 
vielen Balkonen die «zu verkau- 
fen»-Schilder auf. Einige Läden 
sind verrammelt, und am Stadtrand 
gibt es halbfertige Baustellen. «Die 
Stadt des Lichts» zeigt die Tristesse 
am deutlichsten: Die zwei Apart- 
menthochhäuser stehen wie Skelet- 
te in der Landschaft, aussenherum 
Kräne, es herrscht Totenstille. 
Harte Zeiten nichts Neues 
Für die älteren Spanier sind wirt- 
schaftlich harte Zeiten nichts 
Neues. Die Franco-Diktatur hatte 
das Land in tiefe Stagnation ver- 
setzt und von Wachstum und Mo- 
derne abgekoppelt. Nach einem 
Jahrzehnt harter Arbeit wurde das 
Königreich 1986 Mitglied der Eu- 
ropäischen Union, das Wachstum 
setzte ein, seither ging es fast nur 
bergauf. Doch in Almería, wie in 
weiten Teilen Spaniens, fusste der 
Boom der letzten Jahre vor allem 
auf dem Bau und geringqualifi- 
zierter Arbeit. Doch diese Jobs 
schwinden als erste. «Wir haben 
hier zehn erfolgreiche Boom-Jahre 
gehabt, aber es zeigt sich, dass wir 
nicht so eine grosse Mittelklasse 
haben wie wir dachten», erklärt Ge- 
werkschaftsvertreter Antonio Ro- 
sal. Fast täglich gebe es neue Mas- 
senentlassungen. 
Viele Volkswirte sagen, dass das 
spanische Wachstum einer soliden 
Grundlage und Ausgewogenheit 
entbehrte. 20 Prozent der Wirt- 
schaftsleistung entfielen auf den 
Bausektor und damit verbundene 
Industriezweige. «Das Baugewerbe 
war wie ein Zug, der beim Crash 
dann alles mitgerissen hat», sagt 
Volkswirt Sandalio Gomez von der 
IESE Business School in Barcelo- 
na. Eines der grössten Probleme sei 
es nun, was aus Hunderttausenden 
ungelernten Bauarbeitern werden 
soll, Spanier wie Einwanderer. 
«Diese Leute sind ohne Mittel. So- 
zialpolitisch verursacht das enor- 
men Druck», sagt Gomez. 
Rund 800 000 Familien sind der- 
zeit nach offiziellen Angaben in der 
gleichen Lage wie die des Bauar- 
beiters Montoya – alle Mitglieder 
sind arbeitslos. Die Regierung hat 
ein Konjunkturprogramm für Infra- 
strukturvorhaben in Höhe von elf 
Milliarden Euro angekündigt, Ex- 
perten bezweifeln jedoch, ob dies 
ausreichen wird, um die Krise ab- 
zufedern. 
Ein spezielles Programm soll zu- 
dem arbeitslosen Hausbesitzern er- 
möglichen, ihre Ratenzahlungen zu 
halbieren und die Rückstände erst 
in zwei Jahren wieder zu beglei- 
chen. Montoya lehnt das jedoch ab. 
Er wolle die Schulden nicht seinen 
Kindern aufbürden. Zudem hat ihn 
die Bank gewarnt, wenn er nur ein 
Mal in Zahlungsverzug gerate, wür- 
de ein Verfahren zur Zwangsver- 
steigerung eröffnet. «Es ist eine 
schwierige Lage, aber wir kämpfen 
weiter. Wir suchen jeden Tag Ar- 
beit», sagt Montoya. 
Wechselkurse 23.03.2009 
Noten 
EUR *   1.4870 1.5770 
USD   1.0825 1.1725 
GBP   1.5815 1.7215 
CAD   0.8675 0.9675 
JPY   1.1025 1.2125 
Devisen 
EUR   1.5170 1.5470 
Aktuelle Devisenkurse, Telefon +423 236 86 90 
*LLB-Kunden beziehen Euronoten an den LLB-Bancomaten zum Devisenkurs 
Edelmetallkurse 23.03.2009 
KG Gold CHF 34.258.00 34.608.00 
Unze Gold USD 946.25 950.25 
KG Silber CHF 491.30 573.30 
Vreneli CHF 197.00 227.00 
Krüger CHF 1.064.00 1.165.00 
Festgeldsätze p.a. netto Valuta 25.03.2009 
Mindesteinlage: CHF 50‘000.--, EUR 25‘000.--, GBP / USD 40‘000.-- 
3 Monate 6 Monate 12 Monate 
CHF 0.125 % 0.125 % 0.125 % 
EUR 0.750 % 0.875 % 1.000 % 
GBP 1.000 % 1.125 % 1.375 % 
USD 0.500 % 0.875 % 1.125 % 
Weitere Währungen auf Anfrage. 
Kassenobligationen gültig ab   03.03.2009 
  CHF EUR 
2 Jahre   0.500 % 1.250 % 
3 Jahre   0.750 % 1.500 % 
4 Jahre   1.125 % 
5 Jahre   1.375 % 
6 Jahre   1.625 % 
7 Jahre   1.750 % 
8 Jahre   1.875 % 
Inhaberaktie 23.03.2009 
LLB-Inhaberaktie   CHF 43.90 
Aktienfonds NAV 20.03.2009 Valoren-Nummer Preis YtD Perf. 
LLB Aktien Schweiz (CHF) 1'325'570 118.10 * -11.79 % 
LLB Aktien Europa (EUR) 1'325'564 49.08 * -11.65 % 
LLB Aktien Nordamerika (USD) 1'325'563 101.06 * -13.95 % 
LLB Aktien Japan (JPY)   1'325'561 5978.00 * -11.96 % 
LLB Liechtenstein Banken (CHF)   512'970   98.00 * -29.41 % 
LLB Aktien 50 Leaders (CHF)   847'513 69.50 * -8.49 % 
LLB Aktien Regio Bodensee (CHF) 945'366 119.00 * -16.53 % 
LLB Aktien Fit for Life (CHF) 434'215 59.80 * -10.34 % 
LLB Aktien High Tech (CHF) 1'098'757 26.35 * -3.34 % 
LLB Aktien & Optionen Schweiz (CHF) 1'242'307 55.00 * -20.23 % 
LLB Aktien Global Trend (CHF) 1'798'671 94.60 * -4.87 % 
LLB Schweiz Performer   2'286'483 72.72 * -11.62 % 
LLB Aktien Immobilien Global (CHF) Klasse P 2'861'494 33.20 * -20.44 % 
Obligationenfonds NAV 20.03.2009 Valoren-Nummer Preis YtD Perf. 
LLB Obligationen CHF 1'325'569 119.95 * -2.14 % 
LLB Obligationen EUR 1'325'568 77.46 * -1.09 % 
LLB Obligationen USD   1'325'567 169.86 * -4.42 % 
LLB Obligationen Euro Alternativ (CHF) 
1 
674'526 103.60 * 1.54 % 
LLB Obligationen Global (EUR) Klasse P 916'371 57.98 * -0.74 % 
LLB Obligationen Inflation Linked (USD) Klasse P 2'861'487 102.29 * -0.79 % 
1 
Bewertung wöchentlich, jeweils am Mittwoch 
Strategiefonds NAV 20.03.2009 Valoren-Nummer Preis YtD Perf. 
LLB Strategie Zuwachs (CHF) 812'751 74.90 * -5.07 % 
LLB Strategie Ertrag (CHF) 812'745 92.20 * -3.25 % 
LLB Strategie Zuwachs (EUR) 812'755 78.84 * -5.03 % 
LLB Strategie Ertrag (EUR) 812'750 99.49 * -2.95 % 
Spezialfonds NAV 20.03.2009 Valoren-Nummer Preis YtD Perf. 
LLB Wandelanleihen TOPportunities (EUR) 1'162'861 96.46 * 1.24 % 
LLB Defensive (EUR) 2'153'524 105.82 * 0.42 % 
LLB Defensive (USD) 2'153'526 111.69 * 0.39 % 
LLB Aktien 50 Leaders Stufen Invest IV (CHF) 2'159'340 61.50 * -9.25 % 
LLB Wandelanleihen (EUR) Klasse P 2'861'470 72.47 * -5.03 % 
* +/- Ausgabe-/Rücknahmekommission. 
Alle Angaben ohne Gewähr. 
Telefon +423 236 93 00 ab 17.30 Uhr 
Telefon +423 236 88 11 
Internet www.llb.li       
E-Mail llb@llb.li 
«Stellen Sie sich vor: 
Hier bin ich, 54 Jah- 
re alt, ohne Job. Ich 
weiss nicht, wie lan- 
ge ich das durchhal- 
ten kann.» 
Antonio Montoya, 
arbeitsloser Bauarbeiter 
ZÜRICH – Die Schweizer Bör- 
se ist sehr stark in die neue Wo- 
che gestartet. Vorab die Finanz- 
werte reagierten positiv auf neue 
Pläne von US-Finanzminister 
Timothy Geithner zum Ankauf 
toxischer Wertpapiere. Der Leit- 
index SMI schloss 3,01 Prozent 
höher auf 4931,07 Punkten. Der 
breitere SPI legte 2,68 Prozent 
auf 4140,56 Punkte zu. Bei den 
Bluechips gehörten die Banken- 
und Versicherungstitel erneut zu 
den grössten Gewinnern. So stie- 
gen Swiss Re 7,1 Prozent auf 
18.75 Franken, ZFS 8,1 Prozent 
auf 190.50 Franken, Swiss Life 
5,5 Prozent auf 72.45 Franken, 
UBS 3 Prozent auf 13.15 Fr. und 
CS 5,8 Prozent auf 36.72 Fran- 
ken. Stark zuzulegen vermoch- 
ten auch die Titel von OC Oerli- 
kon (+11,3 Prozent) und Holcim 
(+6,1 Prozent). Auf der Gegen- 
seite banden die Aktien des 
Pharmaschwergewichts Novar- 
tis (+0,4 Prozent) die Indizes et- 
was zurück. (sda) 
Die Schweizer Börse ist sehr stark in die neue Woche gestartet. 
FOTO 
KEYSTONE 
US-Pläne beflügeln Börse 
Euro: Noch immer keine 
einheitlichen Preise 
FRANKFURT – Der Euro hat nach einer 
Untersuchung der deutschen Bundesbank 
bislang nicht zu einheitlicheren Preisen in 
den Mitgliedsländern der Währungsunion 
geführt. Im Gegenteil: «Insbesondere im 
Vergleich zur Dekade vor Einführung des 
Euro hat sich das Konvergenztempo merk- 
lich verringert», heisst es im aktuellen Mo- 
natsbericht der Bundesbank. Der erhoffte 
Effekt der einheitlichen Währung – einheit- 
lichere Preise für Waren und Dienstleis- 
tungen in unterschiedlichen Ländern – sei 
damit bisher nicht eingetreten. «Dagegen 
hat die wirtschaftliche Integration innerhalb 
Europas nach den allermeisten Studien ei- 
nen merklichen Impuls zur Einebnung be- 
stehender Preisunterschiede gegeben», 
heisst es in dem am Montag veröffentlich- 
ten Bericht weiter. Grundlage für die Aussa- 
gen ist eine Studie der deutschen Zentral- 
bank zu den Preisunterschieden von Wasch- 
maschinen in den Euro-Ländern. Demnach 
sind die Preise seit dem Jahr 2000 tendenzi- 
ell sogar noch auseinandergelaufen. Der 
Euro wurde 1999 eingeführt. (sda/reuters) 
EU 
Tata stellt das 
billigste Auto der Welt vor 
MUMBAI – Das indische Firmenimperium 
Tata hat am Montag das billigste Auto der 
Welt vorgestellt. Die feierliche Präsentation 
des Fahrzeugs kann jedoch gravierende 
Probleme nicht überdecken. «Ich denke, 
wir stehen kurz davor, den Menschen in In- 
dien eine neues Transportmittel anzubie- 
ten», sagte Unternehmenschef Ratan Tata 
bei der Präsentation des Tata Nano in Mum- 
bai. Der Konzern will mit dem Kleinwagen 
der städtischen Mittelschicht Indiens eine 
erschwingliche und sicherere Alternative 
zum Motorrad bieten. Die einfachste Versi- 
on des Kleinwagens – dessen Käufer auf 
jeglichen Komfort wie Klimaanlage, elek- 
trische Fensterheber oder Servolenkung 
verzichten müssen – soll rund 2203 Fran- 
ken kosten. Die Wirtschaftskrise mache es 
derzeit noch attraktiver, den Nano zu kau- 
fen, sagte Tata. Zugleich könnte sie aber 
auch zu einem Problem für das Prestigepro- 
jekt werden, mit dem Tata einen indischen 
«Volkswagen» schaffen will – denn gerade 
die Mittelschicht hält in der aktuellen Situ- 
ation ihr Geld zusammen. Ein Potenzial für 
den billigen Kleinwagen gibt es dennoch: 
Bislang besitzen in Indien gerade einmal 
sieben von 1000 Einwohnern ein Auto. Be- 
stellungen will das Unternehmen vom 9. bis 
zum 23. April entgegennehmen; danach soll 
per Los entschieden werden, wer die ersten 
100 000 Wagen erhält. Händler wurden 
nach eigenen Angaben bereits mit Anfragen 
nach dem Nano überschwemmt. Mit viel 
Tamtam hatte Unternehmenschef Ratan Ta- 
ta den Nano bereits vor mehr als einem Jahr 
angekündigt. Der Bau des Kleinwagens 
verzögerte sich dann allerdings, vor allem, 
da das Unternehmen nach wochenlangen 
gewaltsamen Protesten einen Standort im 
Bundesstaat Westbengalen aufgeben muss- 
te, nachdem die Fabrik schon fast fertigge- 
stellt war. (sda/afp/reuters)
	        

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