Volltext: Liechtensteiner Volksblatt (2009)

INLAND 
VOLKSBLATT 
7 MONTAG, 2. MÄRZ 2009 
Performance «Für 
und mit Ernst» 
ESCHEN – Wenn Gedichte gehört und 
nicht nur gelesen werden sollen, dann 
kamen die Tangente-Besucher auf ihre 
Rechnung. Ernst Jandl las nicht nur die 
eigenen Gedichte auf Band, Christian 
Muthspiel formte daraus eine einstün- 
dige Soloperformance. 
• Reinold Tavernaro 
«Für und mit Ernst» nannte Christian Muth- 
spiel (Foto), Musiker von internationalem 
Ruf, seine einstündige Performance. Ge- 
spannt hörte das Publikum zu, man war von 
Beginn an sehr konzentriert, denn hier wur- 
de etwas Besonderes geboten, völlig unge- 
wohnt und faszinierend. 
Der vor neun Jahren verstorbene Schrift- 
steller und Dichter erlangte durch seine 
Sprachkunst, experimentell und manchmal 
auch humoristisch, grosse Anerkennung. 
Jandl war ein begeisterter Jazzfan und 
Christian Muthspiel kannte ihn und pflegte 
mit ihm immer wieder Kontakt. Dies veran- 
lasste den Künstler, eine Soloperformance 
mit Gedichten und der auf Band aufgenom- 
menen Sprache Jandls zu gestalten. 
Alle Grenzen wurden gesprengt 
Was die Zuhörer diesmal geboten beka- 
men, sprengte alle Grenzen. Ernst Jandl be- 
gann in seinem Monolog mit dem Bibel- 
wort «Im Anfang war das Wort» und stellte 
dies schon in seinem ersten Zitat infrage. 
Die biblische Verkündigung wird in lautma- 
lerischer Wortverdrehung neu gestaltet. 
Muthspiels Performance erhielt dadurch 
neuen Sinn. Die Wirkung Muthspiels stei- 
gerte sich, er ist Hardworker auf der Bühne 
und bringt zahlreiche zusätzliche Instru- 
mente zum Einsatz. Muthspiel stellte sich 
dem Dialog mit dem Schriftsteller, seine 
Posaune festigte das gesprochene Wort und 
ging trotzdem immer wieder eigene Wege. 
Ach, wie schrecklich ist doch das Gedicht 
von der Amsel, deren Beine man abschnei- 
de, damit sie immer fliegen muss. Da er- 
freute das Vogelkonzert, in unsagbarer Ge- 
schwindigkeit von Muthspiel auf Pfeifen, 
Flöten und zahlreichen Kleinstinstrumenten 
im Augenblick komponiert – und lässt Ernst 
Jandl anwesend sein. 
Christian Muthspiel nutzte sein Instru- 
mentarium sehr virtuos und entwickelte ein 
erfrischend poetisches Theaterkonzert. Das 
Publikum hielt den Atem an, Muthspiel 
spielte, sang und spach spontan rund um 
Ernst Jandls Gedichte. Der Abend könnte 
mit Ernst Jandls Gedicht ausklingen: «Die 
Ohren sehen wie Augen hören, die Augen 
hören wie Ohren sehen». 
TANGENTE 
Dinner in Schwarz 
Galaabend mit Anouschka und der Helly Kumpusch Band im Palast Hohenems 
HOHENEMS – Ein feines, viergän- 
giges Menü, garniert mit einer 
Zeitreise durch 150 Jahre 
«Schwarze Musik» – das hat die 
Liechtensteiner Sängerin An- 
ouschka im Palast Hohensems 
serviert. 
• Johannes Mattivi 
«Stories of Music» heisst das neue 
musikalische Edutainment-Kon- 
zept aus der Feder des in Liechten- 
stein wohnhaften Tirolers Rudi 
Nitzlnader, das Anouschka mit ih- 
rer Band zum elften Geburtstag der 
Event-Gastronomie im Palast Ho- 
henems präsentiert hat: Moderierte 
musikalische Reisen durch be- 
stimmte Weltregionen, Interpreten 
oder – wie es am Samstag im histo- 
rischen und stimmungsvollen Rit- 
tersaal des Palastes Hohenems erst- 
mals zu hören war – eine Reise 
durch 150 Jahre Entwicklungsge- 
schichte der «Schwarzen Musik» in 
Amerika. 
Reise durch die Genres 
Und wer besser könnte die ver- 
schiedenen Stilrichtungen vom 
Gospel über Blues und Jazz bis 
zum Contemporary R&B in Szene 
setzen als die über die Region hi- 
naus bekannte schwarze Stimme 
mit blonden Locken Anouschka 
Nitzlnader. Zu Lamm und Wachtel- 
brüstchen aus der Schlossküche be- 
kamen die zahlreichen geladenen 
Gäste am Samstag im Rittersaal al- 
so auch ein gediegenes, mit einer 
Diashow angereichertes Konzert zu 
hören, das schon ab den ersten 
Nummern für Stimmung und viel 
Applaus sorgte. 
Helly Kumpusch sorgte mit sei- 
ner Bigband nicht nur für die fet- 
zige Begleitung des Abends, son- 
dern agierte zugleich als Modera- 
tor, der in kurzen Blöcken die we- 
sentlichen Stationen der «Black 
Music» in den USA vorstellte. Der 
Abend begann bei den Wurzeln, bei 
den Gospels, Spirituals und Work- 
songs der schwarzen Sklaven auf 
den Baumwollfeldern. Anouschka 
sang durch die alt bekannten Klas- 
siker «Banana Boat Song», «Swing 
Low Sweet Chariot» oder Mahalia 
Jacksons «In the Upper Room», 
und spätestens dann begann das Pu- 
blikum schon  mitzuklatschen. Im 
Eilzugtempo ging es weiter durch 
die Interpreten und Jahrzehnte vom 
Blues und Jazz bis zum Rhythm & 
Blues, von Aretha Franklin, Renne 
Olstead, Diana Krall, Etta James 
und James Brown bis zu Zeitgenos- 
sinnen wie Anastacia und Amy 
Whinehouse. 
Gerade im aktuelleren, rockig- 
bluesigen Teil konnte Frontfrau An- 
ouschka die Qualitäten ihrer Stim- 
me besonders gut und mitreissend 
zur Geltung bringen. Viel Applaus 
für Anastacias «Not that kind» oder 
Lizz Wrights «Stop». Fetzig Tina 
Turners «Proud Mary», gediegen 
und funkig Anouschkas erste eige- 
ne Nummer «Those eyes», die an 
diesem Abend erstmals präsentiert 
wurde. 
Das Konzept ging durchaus auf. 
Wer einen gemütlichen, stim- 
mungsvollen Abend mit gepflegtem 
Essen und gediegener musika- 
lischer Unterhaltung erwartete, 
wurde bestens bedient. 
Gediegen und funkig: Anouschka mit der Helly Kumpusch Band im Palast Hohenems. 
FOTO 
ZVG 
Hase Hase 
und Chaos 
Erfolgreiche Premiere im Takino 
SCHAAN – Schwungvoll insze- 
niert: «Hase Hase», ein Schau- 
spiel von Coline Serreau. Die 
jüngste Produktion des «Theater 
Karussell», mit Darstellern aus 
der Region, hatte am Freitag im 
Takino erfolgreiche Premiere. 
• Edgar Schmidt 
Reinhard Walser, der Begründer 
des in der Region sehr beliebten 
«Theater Karussell», hat auch heu- 
er, im siebten Jahr des Bestehens, 
wieder ein anspruchsvolles und 
nicht im Mainstream schwim- 
mendes Theaterstück auf die Bühne 
des Takino gebracht. 
Der von der Zürcher Regisseurin 
Karin Arnold schwungvoll insze- 
nierte Welterfolg «Hase Hase» der 
französischen Autorin Coline Ser- 
reau (geb. 1947) bietet gleicher- 
massen skurrile Unterhaltung wie 
auch Tiefgang und aktuelle Bezü- 
ge. Die Welturaufführung von «Ha- 
se, Hase», dem ersten Bühnenstück 
der Filmemacherin Coline Sereau 
(«Drei Männer und ein Baby»), er- 
folgte 1986 unter dem Originaltitel 
«Lapin Lapin». 
Der doppelte Hase 
«Hase», so heisst die Familie, um 
die es in dem Stück von Coline Ser- 
reau geht;  «Hase» ist aber auch der 
Vorname der jüngsten Tochter – al- 
so «Hase Hase», und dieses liebe 
störrische Mädchen hat zudem auch 
einen heissen Draht zu den Ausser- 
irdischen. Der Zuschauer ist sehr 
bald Zeuge eines familiären Chaos, 
einer teils komischen Tragödie des 
Alltags. Mama, Papa, fünf Kinder – 
und miese soziale Verhältnisse. 
Nun, Mama, das kluge und tapfere 
«Muttertier», ist eindeutig der Fels 
in der Brandung. Und diese Figur 
ist Dodo Büchel, zusammen mit 
Alo legendäre TaK-Lady der ersten 
Stunde und nunmehr Schauspiele- 
rin, welche sich als Mutter Hase als 
Charakterdarstellerin von Format 
offenbart. 
Neben Dodo Büchel tummeln 
sich Vater Hase (Thomas Hassler) 
und die Hase-Kinder Bebert (Han- 
no Dreher), Marie (Heide Mayer- 
Heimböck), Jeannot (Nicolas Bie- 
dermann), Lucie (Roswitha Fehr), 
Titelstar Hase (Jessica Matzig) und 
Gerard (Daniel Batliner). Vater Ha- 
se wird arbeitslos, Sohn Bebert 
wurde statt Mediziner ein Terro- 
rist. 
Hase, die Ausserirdische 
Eine der Hase-Töchter hat gerade 
die Scheidung hinter sich, eine an- 
dere sagt am Standesamt «nein» 
statt «ja», und die wilde kleine Ha- 
se Hase outet sich am Schluss sogar 
als Ausserirdische – eine absurde 
und nicht glückliche Wende, die 
nicht zur zweifellos realistischen 
Sozialproblematik des Stücks passt 
und das Publikum ziemlich ratlos 
lässt. 
Differenzierte Regieführung 
Die Regisseurin führt das erst- 
klassig spielende «Familie-Hase- 
Team» wunderbar differenziert, 
Margrit Knecht als kauzige Frau 
Duperri bietet eine schillernde Cha- 
rakterstudie; Andy Oesch und Karl 
Müller sind auch in kleinen Rollen 
höchst präsent. Werner Marxers 
Bühnenbild aus beweglichen Wür- 
felelementen und Kerstin Köcks 
Kostüme schaffen das stimmungs- 
volle Ambiente für die Turbulenzen 
im «Hasenstall». 
Mama Hase (Dodo Büchel) hat auch Bebert (Hanno Dreher) im Griff. 
FOTO 
MICHAEL 
ZANGHELLINI 
Haider-Theaterstück 
in Mannheim uraufgeführt 
MANNHEIM – Mit Beifall und vereinzel- 
ten Buh-Rufen ist am Samstag im Mannhei- 
mer Schauspielhaus die Uraufführung des 
Stücks «Fratzen» gefeiert worden. Das Dra- 
ma weist Parallelen auf zum tödlich verun- 
glückten Jörg Haider. In dem Schauspiel des 
Schriftstellers Albert Ostermaier geht es um 
den bayerischen Politiker René, der in sei- 
nem Auto starb, nachdem er gegen einen 
Baum gefahren war. In seiner Heimat soll 
René nun von der Familie und der neuen 
Führung seiner Partei beerdigt werden. Ton- 
bandprotokolle von Gesprächen des Verun- 
glückten weisen jedoch nach, dass der als 
Saubermann geltende Politiker korrupt und 
homosexuell war. (sda/dpa) 
Weitere Termine 
Mittwoch,    4. März, 20 Uhr 
Freitag,    6. März, 20 Uhr 
Sonntag,    8. März, 17 Uhr 
Mittwoch,  11. März, 20 Uhr 
Sonntag,   15. März, 17 Uhr 
Mittwoch,  25. März, 20 Uhr
	        

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