Volltext: Liechtensteiner Volksblatt (2009)

INLAND 
VOLKSBLATT 
5 FREITAG, 9. JANUAR 2009 
Gesicherte Zukunft 
In Liechtenstein sollen trotz Finanzkrise keine Lehrstellen abgebaut werden 
SCHAAN − Die Arbeitslosenquote 
steigt, Kurzarbeit ist allgegen- 
wärtig und auch die Jugend bleibt 
von der Krise nicht ganz ver- 
schont – denn eine Lehrstelle zu 
finden, wird nicht einfacher. 
• Svea Meier 
Die Finanzkrise macht vor Liech- 
tenstein nicht halt, wenn sie hierzu- 
lande auch nicht so hart zuschlägt. 
Ende Dezember lebten in Liechten- 
stein 417 Arbeitslose, das sind 12 
mehr als noch im November. Die 
Jugendarbeitslosigkeit verringerte 
sich gegenüber dem Vormonat 
zwar, im Vergleich mit 2007 stieg 
sie jedoch um 12,5 Prozent an und 
liegt nun bei 81 Jugendlichen zwi- 
schen 15 und 24 Jahren. 
Sichere Lehrstellen 
Wer eine Lehrstelle möchte, muss 
sich früh auf die Suche begeben, 
denn Ausbildungsplätze gibt es 
nicht im Überfluss. Der Schweize- 
rische Gewerkschaftsbund rechnet 
bis 2010 mit einer Verdoppelung 
der Arbeitslosigkeit. Liechtenstei- 
ner Unternehmen bemühen sich je- 
doch, Jugendlichen einen guten 
Start ins Arbeitsleben zu ermögli- 
chen. «Wir haben trotz der Finanz- 
krise keine Lehrstellen gestrichen – 
im Gegenteil, wir haben unser An- 
gebot noch erweitert und bieten nun 
auch Berufsmittelschulabsolventen 
die Möglichkeit, eine verkürzte 
Ausbildung im Bankfach zu absol- 
vieren. Ausserdem möchten wir von 
den derzeit 25 Lehrstellen in den 
nächsten Jahren auf 30 aufbauen», 
erklärt Karl Walch, Personalchef 
der VP Bank. Brigitte Haas, stell- 
vertretende Geschäftsführerin der 
LIHK erklärt: «Die Planung der zu 
besetzenden Lehrstellen war bereits 
im Oktober, als sich die Finanzkrise 
noch nicht zugespitzt hatte, deshalb 
wurden für dieses Jahr keine Kür- 
zungen vorgenommen.» Das kann 
auch Georg Kaufmann vom Amt 
für Berufsbildung und Berufsbera- 
tung bestätigen: «Die Lehrstellen- 
anzahl in Liechtenstein und der Re- 
gion liegt, wie letztes Jahr, bei circa 
360. Wir erwarten für nächstes Jahr 
keine dramatischen Veränderungen. 
Ausbildungsplätze hängen in Liech- 
tenstein zum Glück nicht direkt von 
konjunkturellen Schwankungen ab. 
Es ist trotzdem gut möglich, dass 
Klein- und Mittelbetriebe im kom- 
menden Jahr vorsichtiger sind.» 
Blick in die Zukunft 
«Die Finanzkrise ist das eine, un- 
sere Zukunft das andere. Wir möch- 
ten unsere Verantwortung auch in 
den nächsten Jahren und trotz Krise 
wahrnehmen und Lehrlinge ausbil- 
den», teilt Karl Walch mit. Auch die 
Hilti AG verfolgt ihren Aufbauplan 
weiterhin. «Wir können und wollen 
keine Lehrstellen streichen. Derzeit 
bilden wir 94 Lehrlinge aus, unser 
Ziel sind aber 104 Lehrstellen anzu- 
bieten», so Daniel Oehry, Leiter Be- 
rufsausbildung bei der Hilti AG. 
«Für Jugendliche, welche keine 
Lehrstelle finden, empfiehlt es sich, 
ein Praktikum oder ein Auslandauf- 
enthalt zu machen und nach Alter- 
nativen zu suchen und sich weiter 
um eine Lehrstelle zu bemühen», 
weiss Brigitte Haas. 
Liechtensteiner Unternehmen sichern Lehrstellen und somit berufliche Zukunft der Jugend. 
FOTO 
WODICKA 
«Schönste Bücher»: Teilnahme 
noch bis Montag möglich 
VADUZ – Der Wettbewerb «Schönste Bü- 
cher aus Liechtenstein» wird seit dem Jahre 
2001 für Buchgestalterinnen und Buchge- 
stalter, Druckereien und Verlage veranstal- 
tet. Ziel des nationalen Wettbewerbs ist es, 
die Buchgestaltung in Liechtenstein zu för- 
dern. Die ausgezeichneten Bücher nehmen 
in der Folge am Wettbewerb «Schönste Bü- 
cher aus aller Welt» in Leipzig teil. Die Aus- 
schreibung für Bücher, die im Jahr 2008 
produziert wurden, ist Ende November er- 
folgt. Anmeldeschluss ist nun am Montag, 
den 12. Januar (Datum des Poststempels). 
Am Wettbewerb können sich alle Buchge- 
stalterinnen und Buchgestalter sowie die an 
der Buchproduktion beteiligten Institutionen 
und Firmen beteiligen. Die Anmeldung muss 
durch Gestalterinnen und Gestalter, Drucke- 
reien oder Verlage erfolgen. Mindestens ei- 
ner der drei beteiligten Partner muss in 
Liechtenstein tätig sein. Zum Wettbewerb 
zugelassen sind sämtliche Bücher, die im 
Jahr 2008 erschienen sind. Wettbewerbsre- 
glement und Teilnahmeformular können bei 
der Stabsstelle für Kulturfragen, St. Florins- 
gasse 3, 9490 Vaduz, Telefon 236 60 80, Fax 
236 60 81, E-Mail info@skf.llv.li angefor- 
dert oder im Internet unter www.skf.llv.li 
heruntergeladen werden. (pafl) 
WETTBEWERB 
Marroni-Plausch mit 
der FBP-Ortsgruppe Triesen 
TRIESEN – Gemütlich und entspannt läu- 
tet die FBP-Ortsgruppe Triesen das Jahr 
2009 ein. Beim herzhaften Marroni-Plausch 
lässt es sich in ungezwungener Atmosphäre 
über Agenden und Projekte auf Landes- und 
Gemeindeebene diskutieren. Ebenso be- 
steht eine weitere Gelegenheit zum Gedan- 
kenaustausch mit den Triesner FBP-Land- 
tagskandidaten Christian Batliner, Elmar 
Kindle und Daniel Seger. Die FBP-Orts- 
gruppe Triesen lädt herzlich zum gemüt- 
lichen Marroni-Plausch ein: 
Sonntag, 18. Januar 
16.30 Uhr 
Innenhof und Foyer der Musikschule 
Triesen 
Wir freuen uns auf euch! 
FBP-Ortsgruppe Triesen 
Fortschrittliche Bürgerpartei 
Aeulestrasse 56, 9490 Vaduz 
Tel.: 237 79 40, Fax: 237 79 49 
www.fbp.li 
FBP-TERMIN 
Qigong für Einsteiger 
SCHAAN – Qigong hat eine Jahrtausende 
alte Tradition. In China – ursprünglich nur 
als Geheimlehre bekannt – ist es ein wich- 
tiger Bestandteil der Traditionellen Chine- 
sischen Medizin (TCM) und erfährt dort 
grossen Zuspruch und grosses Ansehen. 
Auch bei uns im Westen erlangen die ganz- 
heitlichen Gesundheitsübungen, die Körper, 
Geist und Seele gleichermassen ansprechen, 
immer mehr Bedeutung. Dabei spielt die 
Harmonisierung von Atmung und Bewe- 
gung, im Zusammenspiel mit Meditation, 
die wichtigste Rolle. Das «Qi», oftmals als 
Lebensenergie bezeichnet, soll aktiviert 
werden, um letztendlich ungehindert in sei- 
nen Bahnen (Meridianen) fliessen zu kön- 
nen. Der Kurs 254 unter der Leitung von 
Rüdiger Breustedt beginnt am Montag, den 
12. Januar, um 18 Uhr im Seminarzentrum 
Stein-Egerta in Schaan. Anmeldung und 
Auskunft: Telefon 232 48 22 oder per E- 
Mail info@steinegerta.li. (pd) 
SCHAAN – Wie viel Hirsch ver- 
trägt Liechtenstein im Winter? 
Die Regierung gab vor knapp fünf 
Jahren eine Antwort: Sie be- 
schloss ein Fütterungsverbot für 
Wildtiere. Der Winterbestand 
sollte reduziert werden. 
• Christian A. Koutecky 
Die Reaktionen auf das Fütterungs- 
verbot waren – auch in der Jäger- 
schaft – emotional. So war das Auf- 
sehen gross, als einige Liechten- 
steiner Jäger am 10. März des Jah- 
res 2005 vier Hirschkadaver vor 
das Regierungsgebäude in Vaduz 
gelegt hatten, um gegen das Fütte- 
rungsverbot von Wildtieren in 
Liechtenstein zu protestieren. 
Es handelte sich um sogenanntes 
Fallwild. «Auftreten von Fallwild 
ist Teil des Naturgeschehens. Wer 
Wildtiere in der Natur will, muss 
auch mit dem Faktum leben, dass 
Natur nicht nur schön anzuschauen, 
sondern nach menschlichem Er- 
messen – gerade hinsichtlich ihrer 
Regulationsprozesse – auch grau- 
sam ist», erklärt nun das Amt für 
Wald, Natur und Landwirtschaft 
(AWNL) in seiner neu erschienenen 
Broschüre «Der Rothirsch im Win- 
ter – Das Liechtensteiner Notfütte- 
rungskonzept». 
«Nach aller bisherigen Erfahrung 
in Graubünden, St. Gallen, Vorarl- 
berg und in Liechtenstein ist ein 
Massensterben nach der Aufhebung 
von Futterstellen selbst in beson- 
ders harten, langen und schnee- 
reichen Wintern nie der Fall gewe- 
sen», heisst es in der Broschüre 
weiter, «Fallwild tritt dagegen häu- 
figer bei unzureichender und unge- 
eigneter Futtergabe und in stark ge- 
störten Rückzugsgebieten auf.» 
Und eben diese «stark gestörten 
Rückzugsgebiete» stellt Wolfgang 
Kersting von der Jagd-Abteilung 
des AWNL fest. Kersting war mass- 
geblich an der Erstellung der Infor- 
mationsschrift beteiligt. Er bemän- 
gelt: «Das Wild kommt sehr gut zu- 
recht, muss aber seine Ruhe haben. 
Zurzeit sind aber sehr viele Wande- 
rer und Wintersportler in den Rück- 
zugsgebieten der Tiere unter- 
wegs.» 
Die Folge ist Stress. Die Organis- 
men der Wildtiere sind im Winter 
darauf ausgelegt, möglichst wenig 
Energie zu verbrauchen, um so 
auch ohne viel Nahrung auszukom- 
men. Werden sie aber – beispiels- 
weise durch Wanderer – in die 
Flucht getrieben, sinken ihre Über- 
lebenschancen drastisch. 
Diese Form der Bestandsredukti- 
on entspricht aber nicht dem Willen 
von Kersting. Er plädiert an die 
Menschen, den Lebensraum der 
Wildtiere zu respektieren und sich 
auf den ausgewiesenen Wanderwe- 
gen und Ski-Loipen zu bewegen. 
Wobei die Zielsetzung, die dem 
Fütterungsverbot zugrunde liegt, 
durchaus auf eine Verkleinerung 
der Zahl der Hirsche, die in Liech- 
tenstein überwintern, abzielt. So 
soll laut der Broschüre sicherge- 
stellt werden, «dass die Lebens- 
raumkapazität langfristig nicht 
übernutzt wird». 
Diesen Effekt hat Kersting be- 
reits festgestellt: «Wir beobachten 
eine bessere Verteilung der Tiere.» 
Hielten sich diese früher in grossen 
Gruppen bei den Fütterungsstellen 
auf, nutzen sie nun die Siedlungs- 
gebiete in der Region besser aus. 
Notfütterung erlaubt 
Wenn es den Tieren witterungs- 
bedingt kaum noch möglich ist, 
nach Futter zu suchen und sich 
selbst zu ernähren, ist es den Jägern 
ab frühestens 15. Januar erlaubt, 
das Wild mit Magerheu zu versor- 
gen: Dem Amt geht es darum, «den 
Hungertod von Wildtieren bei Ex- 
trembedingungen zu verhindern 
und das Wild mittels Notfuttervor- 
lage von Siedlungen und viel be- 
fahrenen Strassen fernzuhalten». 
Wichtig ist dabei, dass nur Mager- 
heu verfüttert werden darf. Denn: 
«Mikroorganismen im Magen hel- 
fen dem Rothirsch, im Winter das 
raue und abgestandene Grasfutter 
zu verdauen», heisst es. Und: 
«Deutlich gesteigerte 
Energieleis- 
tungen zur Durchführung der Ver- 
dauungsaktivitäten sind dagegen 
notwendig, wenn dem Rothirsch zu 
energiereiches Futter vorgelegt 
wird.» Das führt zu einer Magenü- 
bersäuerung: «Mit dem Verbiss von 
Strauch- und Baumtrieben oder mit 
dem Schälen von Baumrinden ver- 
sucht der Rothirsch der Übersäue- 
rung entgegenzuwirken.» Und das 
macht den Waldbesitzern Bauch- 
weh. 
Solche Futterstellen für Hirsche sind in Liechtenstein Vergangenheit. 
FOTO 
PAUL 
TRUMMER 
Hirsche wandern 
vermehrt ab 
Fütterungsverbot zeigt Wirkung
	        

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