Volltext: Geschichte des Gebietes des heutigen Fürstentums Liechtenstein, für Schule und Haus

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einer geringen Summe abrinden. Gekränkt durch eine solch?«Behandlung 
wandte sich das Land, kräftig unterstützt durch den Fürstbischof Ulrich VI. 
zu Chur und das gesamte Domkapitel, zum drittenmal an den 
Kaiser. Da erhielt der Borstand des schwäbischen Kreises eine ernste 
kaiserliche Mahnung, die Landschaften Baduz und Schellenberg wegen 
den Reichs- und Kriegssteuern fürderhin in Ruhe zu lassen, damit sie 
nicht in die äußerste Not versetzt, ganz leistungsunfähig oder am Ende 
dem Reiche ganz entzogen würden. An den Abt von Kempten aber 
schrieb der Kaiser, die Herrschaft Schellcnberg solle verkauft und das 
Geld zur Bezahlung der gräflichen Schulden verwendet werden. Das 
Land wurde dadurch zwar seiner Bürgschaften ledig, mußte aber auf 
Grund des mit der Herrschaft und der kaiserlichen Administration 
getroffenen Übereinkommens von nun an die Steuern für das Reich 
und den schwäbischen Kreis übernehmen. 
Johann Adam Andreas, Fürst von Liechtenstein kaufte 
am 23. Februar 1699 die Herrschaft Scheltenberg für 
115,000 Gulden. Die Leute der unteren Landschaft wurden also 
ihres Eides und ihrer Verpflichtungen gegen ihre vorige Herrschaft 
entbunden und traten mit Vorbehalt derjenigen Gerechtsame, welche 
sie bisher genossen, unter die liechtensteinische Herrschaft. Zum Ver 
walter oder Landvogt erhielten sie.den fürstlich liechtensteinischen Rat 
Dr. Franz Bauer, der. in Feldkirch seinen Sitz hatte. 
So wurden Vaduz und Schellenberg getrennt, nachdem sie 
durch viele Jahrhunderte Freud und Leid mit einander getragen und 
den langen Kampf um ihre Rechte mit Standhaftigkeit, Mäßigung 
und Klugheit geführt hatten. 
Doch währte die Trennung beider Landschaften nur 13 Jahre, 
nämlich bis zum 22. Februar 1712, da Graf Jakob Hannibal 
auch die Grafschaft Vaduz um 290,000 Guldeu an densel 
ben Fürsten Johann Adam Andreas von Liechtenstein ver 
kaufte. 
5. Kaum 100 Jahre hatte die Herrschaft der Grafen von Hohen 
ems in diesen Landschaften gedauert. Es waren harte Zeiten gewesen. 
Der Prättigauerkricg, die Schweden, die kaiserlichen Truppen, Pest 
und Hunger, die Exekutionen und Winterquartiere der schwäbischen 
Kriegstruppen, die Hexenprozesse mit ihren Folgen, die Gewaltthätig 
keiten der hohenemsifchen Grafen — dies alles kam wie ein Gottes 
gericht liber diese Landschaften. Aber mitten unter so großen Bedräng
	        

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