Volltext: Geschichte des Gebietes des heutigen Fürstentums Liechtenstein, für Schule und Haus

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beim Grafen. Dieser starb jedoch bald darauf und hatte'seinen Sohn 
Ferdinand Karl zum Nachfolger.*) 
Mit diesem war aber das Bolk noch weniger zufrieden als 
mit seinem Vater. Damals führte Kaiser Leopold I- mit Frankreich 
einen Krieg, der 7 Jahre dauerte und auch unseren Landschaften der 
fortwährenden Winterquartiere wegen solche Kosten verursachte, daß 
sie darunter fast erliegen mußten. Die Gläubiger in Graubünden, 
bei denen sich die Landschaft für 24,MO Gulden für den Grafen 
verbürgt hatte, drängten auf Bezahlung und nahmen, da weder der 
Graf noch die Bürgen zahlen wollten, das auf Bündner Gebiet ge 
legene Balzner Territorium in Beschlag. Aber der Graf nahm da 
rauf keine Rücksicht, ebensowenig darauf, daß ein Rittmeister mit 
seinen Reitern den Leuten am Eschnerberg das Vieh wegtrieb, weil 
der Graf ihm die schuldige „Diskretion" nicht bezahlte. Zur Ver 
schwendung und Gewaltthätigkeit geneigt, achtete er kein Recht und folgte 
allein den Stimmungen seines heftigen Charakters. So handelte er 
auch gegen seine eigenen Brüder und Schwestern, denen er die not 
wendigen Mittel zum standesgemäßen Lebensunterhalte vorenthielt. 
Landschaft und Gefchwisterte verklagten ihn deshalb beim Kaiser 
Leopold. Dieser bestellte den Abt von Kempten zum Untersuchungs 
richter und befahl dem Grafen, mit seinen ungerechten Forderungen 
an die Landschaft einzuhalten. Aber der Graf kümmerte sich auch 
um das Mandat des Kaisers nicht. Ta wurden von Seite der 
Landschaft zwei Männer an den Kaiser nach Wien abgeordnet, daß 
sie demselben alle Klagen der Landschaft gegen den Grafen Ferdinand 
Karl vortrügen. Besonders wurde beklagt, daß er, allen verbrieften 
Rechten zuwider, alle Lasten, auch die Militärlasten ivid Steuern für 
den schwäbischen Kreis und das Reich dem Lande aufladen wolle, 
junge Männer mit Gewalt zu fremdem Kriegsdienst zwinge, unge 
bührliche Frohndienste fordere, die freie Wahl des Landamannes dem 
Volke vorenthalte, sich unbefugt in den Besitz fremden Eigentums 
setze und maßlose, allem Gebrauch zuwidere Strafen auferlege. 
3. Darauf wurde der Graf vom Kaiser der Regierung enthoben 
*) Graf Franz Wilhelm hinterließ drei Söhne: Ferdinand l»iarl, 
Jakob Hannibal III. und Franz Wilhelm II. Ta sie beim Tode ihres 
Vaters i. I. 1662 noch minderjährig waren, führte einige Jahre ihr 
Oheim zu Hohenems Karl Friedrich die Verwaltung, verschwendete aber 
das Vermögen seiner Mündel wie sein eigenes.
	        

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