Volltext: Geschichte des Gebietes des heutigen Fürstentums Liechtenstein, für Schule und Haus

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in kleinere Bezirke, die man Zentgrafschasten nannte. So bildete das 
Land zwischen der Lanquart und Feldkirch eine Zentgrafschast, die 
den Namen führte „kn planis,“ d. h. „Im Boden." Der Borstand 
einer Zentgrafschaft hieß Zentrichter. Er war Richter in kleineren 
Sachen und führte im Kriege die Leute seines Bezirkes an. Die 
Grafen waren die Anführer der ganzen Mannschaft ihres Gaues. 
Jeder Mann, der eigenes Land hatte, war zum Kriegsdienste ver 
pflichtet. Die Grafen waren aber auch die Richter in wichtigeren 
Sachen in ihrem Gaue; es waren ihnen Schöffen beigegeben, die vom 
Volke gewählt wurden. Die acht Zentrichtcr unter dem Vorsitze des 
Grafen bildeten den Rat oder Landtag Rhätiens. Über Angelegen 
heiten des ganzen deutschen Reiches aber, zu welchem Rhätien 
nunmehr gehörte, entschieden die Großen des Reiches, die Herzoge, 
Bischöfe und Grafen unter dem Vorsitze des Kaisers auf den jährli 
chen Reichsverfammlungen. Später wurde Rhätien und das ansto 
ßende Gebiet ein eigenes Herzogtum unter dem Namen „Herzogtum 
Schwaben und Rhätien." (S. Beilage I.) 
Für Kirche und Schule thaten Karl der Große und seine Nach 
folger sehr viel. Sie befahlen den Gemeinden, Kirchen und Pfarrhöfe 
zu bauen, sie mit Gütern auszustatten, den Zehnten zu entrichten, 
und drangen auf Heranbildung guter Priester, die auch etwas Arz 
neikunde verstehen mußten. Tie Eltern wurden angewiesen, ihre 
Kinder in Klosterschulen oder bei ihren Geistlichen unterrichten zu 
lassen. Die Schule lag ausschließlich in den Händen der Geistlichen. 
2. Unter den Nachfolgern des großen Kaisers Karl, der i. 
I. 814 starb, war es besonders Kaiser Karl der Dicke, der oft nach 
Rhätien kam, und als später das ganze Reich von ihm abfiel, blieben 
ihm doch die Rhätier treu. Bald starb das Geschlecht Karls des 
Großen aus. 
Da dessen letzte Nachkommen schwache Regenten waren, nahm 
das Faustrecht immer mehr überhand, und die Anmaßung der Gro 
ßen und Starken gegen die Untergebenen und Schwachen nahm immer 
mehr zu. Da sieng man an feste Burgen zu erbauen und es erhoben 
sich die Burgen und Veste zu Reichenstein, Gutenberg, Triefen, Vaduz, 
Schalun, Bendern und Schellenberg. Je schwächer die Macht des 
Kaisers wurde, um so stärker wurde die der Herzoge, Grafen und 
Adeligen; dies um so mehr, da in dieser Zeit die Herzogtümer, Graf 
schaften u. s. w. erblich wurden. Denn man betrachtete nun das
	        

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