Volltext: Das Fürstentum Liechtenstein im Wandel der Zeit und im Zeichen seiner Souveränität

34 
Adlers majestätische Kreise beachte sein 
Blick. Vorbei an der Wettertanne, in hun 
dert Gewittern hundertmal vom Blitz ge 
troffen, vernarbt und verheilt und wieder 
geschlagen, vorbei an den letzten verzwei 
felten Föhren, zu Boden geduckt und den 
noch nicht mutlos, vorbei am letzten Büschel 
Alpenrosen führt ihn sein Weg. Dann erst 
nimmt ihn der Berg auf, führt ihn höher 
über die Grate, dräut ihm mit blanken Wän 
den und trügerischen Gesimsen. Wo jeder 
gelockerte Stein mit rasselndem Gepolter 
und kaum noch vernehmlichem Aufschlag 
eine Ahnung davon vermittelt, was hier ein 
Fehlgriff bedeutet. 
Auf dem Gipfel aber lohnt sich die Mühe. 
Nebelfetzen kriechen über den Grat, einen 
Hauch von Schnee mit sich führend. Einsam 
steht der Mensch zwischen Wolken und fern 
allen Lärms. Nur von der Tiefe des Tales, 
wo zikadengleich Tiere sich rühren, klingt 
kaum vernehmliches Läuten. Die Stille aber 
dort oben wird dadurch nur noch viel tiefer. 
Sobald das Klopfen des Herzens nachläßt 
und ruhig wird, sobald der hastige Atem in 
ruhige Züge sich wandelt. Jetzt endlich faßt 
das Auge das grandiose Bild der unermeß 
lichen Weite der silberstrahlenden Gipfel, 
der Türme und Riesen. Vor ihm reiht sich 
eine Schar majestätischer Giganten, bis zum 
blauen Horizont in ewiges Schweigen ver 
sunken. Täler, die Städte bergen, Länder, 
die Tausende nähren, hier sind sie nur Rin 
nen zwischen Kolossen. Zu Füßen der 
schmale grüne Streif mit dem silberschim 
mernden Band, das ist das Rheintal, die 
Heimat. Die rötlich-grau flimmernden Flek- 
ken in etwas dunklerem Grün, das sind die 
Dörfer, zum Teil versteckt hinter Bäumen. 
Die Ameisenweglein quer über den Platz, 
das sind die Wege und Straßen, auf denen 
sich unser Leben, unser Sorgen und Treiben 
abspielt. Wenn nun der Beschauer dort oben 
zu stiller Versunkenheit neigt, so sei sein 
erster Dank dem Himmel dafür, daß dies 
seine Heimat ist.
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.