Volltext: Das Schaaner Armenhaus

andere zu belästigen.‘“ *% Die Kinder gar „haben sich paarweise in Begleitung von den 
Schwestern zur Kirche und von derselben zurück nach dem Armenhause zu begeben.“*% Dies 
verwundert nicht, bedenkt man, dass der Kontakt zwischen Kindern und Insass_innen nicht 
erwünscht war, so zumindest ist der Paragraph 13 zu verstehen: „Für gute Erziehung der Kinder 
ist bestens zu sorgen. Daher sollen die Armen sich in die Erziehung der Kinder niemals 
einmischen, noch je ein Kind in ihre Zimmer oder in ihren Umgang locken, hingegen sind sie 
strenge gehalten, den Kindern mit einem guten Beispiel vorzugehen. Fahrläßiges Benehmen 
und ungeziemende Rede [...] vor den Kindern soll strengstens zurecht gewiesen und auch 
bestraft werden.“ 8° 
Um das Zusammenleben verschiedener Geschlechter, verschiedenen Alters mit 
unterschiedlicher Erziehung, Lebensart sowie verschiedenem Charakter zu gewährleisten, “soll 
und muss unter ihnen christlicher Friede herrschen.“ Daher war es notwendig, dass jede_R 
vermeide was diesen Frieden stören könnte, „wie z. B. Schwätzereien, Aufwiegelung, 
Missgunst, Neid“ und dergleichen. Hinzu war das „unnöthige Zusammentreffen und sich 
beisammen aufhalten der Mann und Weibspersonen oder heimliches Herumschleichen im 
Hause“ untersagt. Zudem waren alle angewiesen, sich in ihren Zimmern aufzuhalten und 
durften daher nicht „in die Zimmer anderer gehen.“ 8” In diesem Sinne ist die von der 
Bürgerheimkommission im Rahmen der Umbauarbeiten in den 1970ern getätigte Überlegung, 
einen Aufenthaltsraum einzurichten, als eine drastische Neuerung im Hinblick auf den 
Umgang, die Würde und das Wohlergehen der Bewohner innen zu sehen. 
Tagsüber waren die Armen, so sie denn arbeitsfähig waren, dazu angehalten, „die Arbeit, für 
welche sie als fähig erachtet oder zur Fähigkeit angeleitet und unterwiesen [werden], fleißig zu 
verrichten, ohne Rücksicht ob ein oder kein Lohn gegeben wird.“*% Für den Fall, dass ein Lohn 
oder Geschenk gegeben wird, ist dieses von der Armenverwaltung zu verwahren. Drei Viertel 
des Verdienten wird der Armenanstalt zugeführt und ein Viertel „für die Armen 
zurückbehalten“. 3 Von diesem einen Viertel wiederum ist die Hälfte unter alle Armen 
gleichmäßig zu verteilen, während die andere Hälfte jenen Armen zukommt, „aus deren 
  
34 GAS 17/10 Hausordnung für die Armenanstalt der Gemeinde Schaan. $11. 
35 GAS 17/10 Hausordnung für die Armenanstalt der Gemeinde Schaan. $11. 
36 GAS 17/10 Hausordnung für die Armenanstalt der Gemeinde Schaan. §13. 
37 GAS 17/10 Hausordnung für die Armenanstalt der Gemeinde Schaan. §12. 
38 GAS 17/10 Hausordnung für die Armenanstalt der Gemeinde Schaan. §18. 
39 GAS 17/10 Hausordnung für die Armenanstalt der Gemeinde Schaan. §18. 
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