Volltext: Das liechtensteinische Erbrecht im Vergleich mit dem österreichischen Erbrecht unter besonderer Berücksichtigung der historischen Rechtsentwicklung des ABGB

Erst 1922 wurde nach dem Vorbild der Schweiz das Erbrecht den aktuellen Verhältnissen 
angepasst und in Liechtenstein eingeführt. ® 
Reform des Justizrechts 
Liechtenstein übernahm im Zuge der Justizreform in den 1970er Jahren die rechtlichen 
Bestimmungen des dritten Abschnitts der ersten Teilnovelle von 1914 nahezu unverändert, 
denn diese hatten sie damals nicht rezipiert. 
Modifikationen gab es insbesondere in der Begrenzung der gesetzlichen Erbfolge auf die vierte 
Parentel, also auf die Urgroßeltern, die fünfte und sechste Parentel wurden entfernt. 
Es kam zu einer Erweiterung des gesetzlichen Erbrechts der unehelichen Kinder und der 
Ehegatten. Uneheliche Kinder hatten jedoch noch kein Erbrecht gegenüber ihren Vätern, 
sondern nur gegenüber den Müttern, was einer späteren Novelle vorbehalten war. 
Bei den weiteren erbrechtlichen Bestimmungen rezipierte der Gesetzgeber den vierten 
Abschnitt der dritten Teilnovelle von 1916 zur Gänze, welcher Regelungen über den 
Erbverzicht, Formvorschriften für den letzten Willen, die Erbunwürdigkeit, die Enterbung und 
die Anrechnung auf den Pflichtteil enthielt.9? 
Reform des Ehe- und Familienrechts 
In den 1990er Jahren kam es vermehrt zu Forderungen der Verbesserung der Stellung der 
Frauen, welche in vielen Bereichen noch immer deutlich schlechter als ihre männlichen 
Genossen behandelt wurden. 
1985 bescháftigte sich der Gesetzgeber mit der Verbesserung der erbrechtlichen Stellung des 
überlebenden Ehegatten sowie einer Neuordnung des ehelichen Güterrechts. 
Das Erbrecht wurde zwar vor noch nicht so langer Zeit neu geregelt, jedoch berief man sich 
bei dieser Novelle nur auf die Teilnovelle des inzwischen wieder veralteten ósterreichischen 
ABGB von 1914. 
In Osterreich gab es 1974 eine Novelle des ósterreichischen Ehegesetzes, welche eine 
Erbquote des überlebenden Ehegatten neben den Kindern des Erblassers auf ein Viertel des 
Nachlasses beschránkt hatte. Es gab kein Ehegatten-Pflichtteilsrecht, Konsequenz war 
folglich, dass der Erblasser seinen Ehegatten zur Gànze von der Erbschaft ausnehmen 
konnte. Auch diese AÁnderungen hatte der liechtensteinische Gesetzgeber noch nicht beachtet. 
  
88 Berger, Rezeption! 52—53. 
8 Berger, Rezeption!^ 137—139; Berger in Liechtenstein Institut, Rezeption ist ein Faktum 22/2004, 53. 
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