Volltext: Privatnützige oder gemeinnützige Zweckausrichtung einer liechtensteinischen Stiftung und deren Auswirkungen auf die Foundation Governance

Foundation Governance bei privatnützigen und gemeinnützigen Stiftungen 
Nach durchgeführter Prüfung hat die Revisionsstelle dem Stiftungsrat und der Stiftungsaufsichtsbehörde 
einen Bericht über das Ergebnis der Prüfung vorzulegen. Dabei reicht ein kurzes Testat an die Stiftungs- 
aufsichtsbehörde, wenn kein Grund zur Beanstandung besteht. In den überwiegenden Fällen erhält die 
Stiftungsaufsichtsbehörde somit lediglich eine Bestätigung der Revisionsstelle, dass die Verwaltung und 
Verwendung des Stiftungsvermögens durch den Stiftungsrat entsprechend dem Stiftungszweck und im 
Einklang mit den Bestimmungen des Gesetzes und der Stiftungsdokumente erfolgte und gemäss der 
Beurteilung der Revisionsstelle kein Grund zur Beanstandung besteht.?! 
Im Zuge des Gesetzgebungsprozesses äusserte sich die FMA kritisch dazu, dass von einem eigentlichen 
Bericht an die Aufsichtsbehörde abgesehen wird. Dies lasse Zweifel aufkommen, ob tatsächlich eine 
glaubwürdige Aufsicht implementiert werden solle. Nach Ansicht der Regierung dürfe die Glaubwür- 
digkeit der Stiftungsaufsicht jedoch nicht ernsthaft in Frage gestellt sein, wenn sich die Revisionsstelle 
bei einwandfreier Tätigkeit der Stiftungsorgane und dem Fehlen bestandgefährdender Umstände auf ein 
kurzes Testat beschränken könne. Schliesslich sei durch die Bestellung der Revisionsstelle durch das 
Gericht und durch die strengen Unabhängigkeitskriterien eine seriöse Kontrolle gewährleistet. Darüber 
hinaus könne die Stiftungsaufsichtsbehörde von der Revisionsstelle stets Auskunft über weitere Tatsa- 
chen verlangen.?? 
Stellt die Revisionsstelle bei Wahrnehmung ihrer Aufgabe Tatsachen fest, die eine zweckwidnge Ver- 
waltung und Verwendung des Stftungsvermógens erkennen lassen, so hat sie der Stiftungsaufsichtsbe- 
hórde hierüber zu benichten.?? In der Praxis hat sich herausgestellt, dass Revisionsstellen nicht erst dann 
nähere Ausführungen in ihre Berichte aufnehmen, wenn konkrete Beanstandungen vorliegen, sondern 
bereits bei sonstigen Auffälligkeiten, die zwar noch nicht als Beanstandung zu qualifizieren sind, bei 
deren Fortbestehen aber davon auszugehen ist, dass die Verwaltung und Verwendung des Stiftungsver- 
mógens in Zukunft nicht mehr den gesetzlichen und statutarischen Vorgaben entsprechen wird ?* 
Zu denken ist dabei bspw. an Stiftungen, die im Berichtsjahr keine Ausschüttungen getátigt haben. Je 
nach Inhalt der Stiftungsdokumente qualifiziert dies per se noch nicht als Beanstandung. Ist es aber über 
mehrere Jahre nicht móglich, Ausschüttungen zu tátigen, so muss überprüft werden, ob der Stiftungs- 
zweck tatsáchlich noch verfolgt werden kann. 
Revisionsstellen differenzieren somit in ihren Berichten zwischen „Beanstandungen“ und sogenannten 
„Hinweisen“. Die frühzeitige Mitteilung von Hinweisen ermöglicht es der Stiftungsaufsichtsbehörde, 
  
201 Fürdieses Testat hat die Wirtschaftsprüfervereinigung einen Standard erlassen, welcher Erläuterungen und einen Muster- 
Bericht enthält. 
202 BuA 13/2008, 111. 
203 Art. 552 827 Abs. 4 5. 4 PGR; Gasser, Liechtensteinisches Stiftungsrecht 265. 
204 Vgl. Rechenschaftsbericht der Regierung, abrufbar unter: http://www.llv.li/&/1228/rechenschaftsbericht. 
33
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.