Volltext: Der letzte Gutenberger und der Schwabenkrieg

knecht des Burgvogts: „Es ist nichts von Bedeutung. Bloss ein paar übermütige Belagerer 
sind gegen das Tor vorgedrungen und wollten es mit Äxten einschlagen. Denen haben wir 
aber den Standpunkt so gründlich klar gemacht, dass sie nur laufen mussten, was sie laufen 
konnten! In der Aufregung haben sie sogar vergessen ihre Äxte wieder mitzunehmen. «27 
Diese Anekdote basiert auf einer Erzählung aus dem 19. Jahrhundert von Peter Kaiser, wel- 
che mit Quellen nicht belegt werden kann. So heisst es in seiner Chronik von 1847: „Eine 
muthige Schaar Eidgenossen drang über den Rhein, mit Aexten bewaffnet; es war am 8. 
März. Sie rückten an die Thore von Gutenberg bei der üussern Ringmauer, zwischen wel- 
cher und der Veste sich viel Vieh befand, zur Speisung der Besatzungsmannschaft. Mit 
grosser Kühnheit drangen die Eidgenossen an die Thore und fingen an, sie mit den Aexten 
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aufzuhauen, wurden aber abgetrieben. “ 
Im Burgenspiel macht sich der Waffenhauptmann auf Burg Gutenberg über die anschlies- 
sende Schiesserei der Fidgenossen und Bündnern lustig und ruft: „Holla! Ich muss noch 
einmal auf den Turm steigen. Ich glaube, das gibt wieder so eine lustige Schiesserei mit der 
grossen Kanone, die einen Stein so gross wie ein Hut schleudert. Und mit den zwei neuen 
Schlangenbüchsen, die der Graf von Misox — dieser Ox — den Bündnern mit einem Büch- 
senmeister aus Frankreich geschickt haben soll. ''?? 
Auch die Darstellung der Beschiessung der Burg Gutenberg in Minsts Stück ist auf die Ge- 
schichtsschreibung von Peter Kaiser zurückzuführen. Er schrieb dazu: , Sie hatten eine 
Hauptbüchse, welche einen Stein, so gross als einen Hut, schleuderte und mehrere Schlan- 
genbüchsen, welche ihnen Jakob Trivulzio, Graf von Misox, nebst einem Büchsenmeister 
geschickt hatte, der aus Frankreich gebürtig war. * ? 
Da Kaiser in seiner Chronik keine Quellenangaben machte, nehme ich an, dass er sich bei 
dieser Schilderung auf ein Schreiben der eidgenóssischen Hauptleute an den Bürgermeister 
und Rat von Chur vom 27. Mirz 1499 bezog. Es wird dort nach einem ,, gross geschutz ze 
Chur“ verlangt sowie nach ,, farwultzen oder annders, mit sampt den buchsenmaister ul 
Kaiser schloss also daraus, dass mit der Bezeichnung tarwultzen Schlangenbüchsen von 
Jakob Trivulzio gemeint waren. Dieser war ein italienisch-franzósischer Heerführer und 
  
77 Minst, 1925, S. 38 
128 Brunhart, 1989, S. 320 
7? Minst, 1925, S. 39 
1? Brunhart, 1989, S. 321 
1?! Liechtensteinisches Urkundenbuch — digital, Teil II. Stadtarchiv Chur, RA. 1499.039. 
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