Volltext: Die Römer im Territorium des heutigen Fürstentums Liechtenstein anhand des Kastell Schaan

Raetiae I‘) war. Für eine genauere Betrachtung dieser Provinzeinteilung verweise ich auf 
Karte/Abbildung 2* 
Desweiteren wurde ein ,dux provinciae Raetiae I et II" bestimmt, der seinen Sitz in 
Regensburg (,Castra Regina") hatte. Dieser bekam die militärische Zuständigkeit für die 
beiden rätischen Provinzen übertragen. 
Bereits Diocletian, aber auch seine Nachfolger dachten an eine neue Verteidigungslinie. 
Soweit dies möglich war, stützten sie sich dabei auf natürliche Grenzen, hauptsächlich Flüsse. 
So kam es zu einer neuen Grenzwehr, die in der heutigen Forschung mit Donau-lller- 
Rheinlimes bezeichnet wird. 
Obwohl es keinen wohlvorbereiteten Kriegszug gegen die Alemannen gab, stiess Diocletian 
um 289 von der Bodenseegegend gegen die Alemannen vor. Damit verlegte er die rómische 
Grenze wieder an die Donau. Constantin I. führte im wesentlichen die Politik Diocletians fort. 
Es kam zu Um- und Neubauten von Kastellen, Burgen und Warten. Die germanischen 
Stämme sahen vor grósseren Einfállen ab. Constantius IL. (337-361) erschien um 345 n. Chr. 
im Bodenseegebiet, wo er gegen die lentiensischen Alemannen, die ihr Siedlungsgebiet 
nórdlich des Bodensees hatten, operierte. Aber es kam immer wieder zu alemanischen 
Einfállen. Mit den Kaisern Valentinian I. (364-375) und Valens (364-378) kamen zwei 
tatkráftige Heerführer an die Macht. 
Die bessere und lückenlose Überwachung und Sicherung der Reichsgrenze nahm 
Valentinian I. unter Berücksichtigung der natürlichen Gegebenheiten und der 
Erfahrungen der letzten beiden Jahrzehnte systematisch und mit einem regelrechten 
Festungsbauprogramm in Angriff.° 
Valentinian I. liess an der gesamten Grenze Kastelle und Wachtürme errichten. Somit kam es 
unter seiner Herrschaft zu einer Sicherung der nördlichen Grenze. Dies änderte sich, als 
Gratian (375-383) und später Valentinian II. (-392) die Macht übernahmen. Die Alemannen 
sahen in ihnen nicht mehr die Tatkraft Valentinians I. und durchstiessen in Massen die 
Grenzwehr. Somit war die rätische Reichsgrenze immer wieder Germaneneinfällen 
ausgesetzt. 
Gegen Ende des 4. Jahrhunderts (Tod Theodosius im Jahre 395) sah sich Stilicho gezwungen, 
Heereskräfte, die an der nördlichen Grenze in kriegerischen Konflikten mit germanischen 
Stämmen lagen, von der Reichsgrenze abzuziehen und für die Verteidigung Italiens gegen die 
Westgoten unter der Führung Alarichs zu konzentrieren. Stilicho versuchte, die an der 
nördlichen Grenze wartenden Stämme durch Verträge vor grossen Einfällen ins römische 
Reich zu binden. Trotz dieser Verträge unternahmen germanische Stämme Einfälle ins 
ungeschützte römische Gebiet. Man kann aber noch nicht von einem faktischen Ende der 
römischen Herrschaft in Raetien sprechen, da es bis in die Dreissigerjahre des 5. Jahrhunderts 
n. Chr. kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den einfallenden Juthungen und dem 
römischen Heer kam. Deshalb ist Michael Machensen der folgenden Ansicht: 
Von einer germanischen Landnahme kann während des ersten Drittels des 5. Jahr- 
hunderts nicht gesprochen werden. ^ 
Dies ist auch noch deshalb belegt, da um 430 n. Chr. auf dem Bodensee noch eine rómische 
Barkenflotte stationiert war, und in Arbon, eine rómische Kohorte. Die moderne Forschung 
geht davon aus, dass das Alpenrheingebiet im zweiten Drittel des 5. Jahrhunderts dem 
rómischen Imperium verloren ging, wenn man überhaupt noch von einem rómischen 
  
5 vgl. 5. Anhang; Provinzeinteilung (Karte/Abbildung 2) 
? Michael Mackensen, Das spütrómische Grenzkastell Caelius Mons in Kellmünz an der Iller*, Führer zu archäologischen 
Denkmálern in Bayern. Schwaben. 3. Band, S. 55. 
1? Michael Mackensen, ,,Das spátrómische Grenzkastell Caelius Mons in Kellmünz an der Iller*^, Führer zu archáologischen 
Denkmálern in Bayern. Schwaben. 3. Band, S. 62. 
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