Volltext: Liechtenstein und die deutsche Steueraffäre:

Die Massenmedien spielten im vorliegenden Fall eine herausragende Rolle. Denn die durch 
die ,,Zumwinkel-Affáre" ausgelóste deutsche und internationale Steuer-Debatte wurde im 
Wesentlichen über die internationalen und ganz besonders über die deutschen Medien geführt, 
und nicht auf den etablierten bilateralen politischen und administrativen Ebenen, obwohl sie 
eine offensichtlich politische Dimension hatte. So standen TV-Teams am 14. Februar 2008 
schon lange bereit, als Vertreter der Staatsanwaltschaft Bochum bei Post-Chef Zumwinkel um 
sieben Uhr morgens zur Hausdurchsuchung kamen. Bis heute ist nicht ganz klar, obwohl viel 
darüber spekuliert wird, wie die Medien von der Hausdurchsuchung im Vorfeld erfahren 
haben. 
Mal waren die Medien objektiv scheinende Vermittler von Botschaften aller móglichen 
Interessengruppen, mal schienen sie das Sprachrohr deutscher Politiker zu sein, die ihre Ideen 
über die Medien ausrichten ließen (so schien die SZ gerne ,,ihren“ Bundesfinanzminister Peer 
Steinbrück zu zitieren, zum Beispiel in der SZ vom 19. Juni 2008, 22, "Folterinstrumenten"), 
mal schienen sie angestaute Emotionen los werden zu wollen und berichteten einseitig oder 
jedenfalls sehr polemisch. Die Liechtensteiner Seite hatte ófters das Gefühl nicht gebührend 
gehórt zu werden oder nur dann, wenn die Botschaften kernig genug waren (siehe Presse- 
konferenz von Erbprinz Alois und Regierungschef-Stellvertreter Klaus Tschütscher am 19. 
Februar 2008 in Vaduz und nachfolgende Medienberichterstattung). Jedenfalls trugen die 
Medien zu einem guten Teil zur Emotionalitát der Situation bei oder wenigstens nicht gerade 
zur Beruhigung der Lage. 
Die Themen, die die Medien brachten und die Prozesse, in die die Massenmedien einge- 
bunden waren, werden ausführlicher in den Kapiteln 6.6. und 6.7 beschrieben werden. 
Fazit. Die Massenmedien spielen wie vermutet eine zentrale Rolle, wobei die Interaktion 
mit den anderen Akteuren keine Einbahnstrasse war. 
6.5.4 Das aktive und passive Publikum 
Das aktive Publikum stellt keine ,,Gruppe* im gruppensoziologischen Sinn dar. Die Mitglied- 
schaft definiert sich über die aktive Teilnahme an Prozessen der óffentlichen Meinung. Im 
Gegensatz zu den politischen Akteuren oder Interessengruppen kann das aktive Publikum 
nicht in relativ homogene, organisierte Einheiten unterteilt werden. 
So waren auch etliche Anwälte in den Medien vertreten. Hier ging es mutmaflich in erster 
Linie um Werbung in eigener Sache. Die Wissenschaft war in den Fragen der Rechtmäßigkeit 
der Aneignung von gestohlenen Daten aus einer Liechtensteiner Bank und deren Verwertung 
durch deutsche Behörden auf den Plan gerufen und gab zahlreiche Kommentare dazu ab, 
wobei die Meinungen ziemlich auseinander gingen (siehe dazu Kapitel 6.6). 
Die Ereignisse rund um den 14. Februar und die Zumwinkel-Affäre nahmen viele 
Bürgerinnen und Bürger zum Anlass in Leserbriefen und Mails ihre Meinung an die anderen 
Akteure kund zu tun. Hierbei waren die Meinungen derer, die Liechtenstein und der 
Möglichkeit sein „sauer verdientes Geld in Sicherheit zu bringen" Respekt zollten und die 
Meinungen jener, die es als „Unverschämtheit“ empfanden, dass „dem deutschen Staat un- 
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