Volltext: Stenographischer Verhandlungs-Bericht aus dem Kriminalprozess gegen Franz Thöny, Niko Beck, Anton Walser und Rudolf Carbone

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Präsident: Hat Ihnen Carbons gesagt, daß es an 
Stelle einer Provision sei oder hat. er Ihnen-gesagt, daß 
es ein Guthaben an Carbone sei? 
Nico Beck: Carbone hat nichts gesagt von einer 
Provision: es ist die Sache in den Akten festgelegt, daß 
Carbone sagte, er schulde den Betrag dem Stahl. Ich 
glaube, daß auch das an Thöny telephonisch mitgeteilt 
worden ist. 
Carbone: Die Besprechung war in Gegenwart von 
Stahl am Telephon. 
Staatsanwalt: Sie sagten, Beck, sie erinnerten sich, 
daß von Wien aus telephoniert wurde, Thöny soll wei 
tere Wechsel geben und er hätte diese zugesichert; wann 
war. das. 
Nico Beck: Das war offenbar nach meiner Reife nach 
Berlin; es dürfte im März gewesen sein; Bitte Thöny 
zu fragen. 
Staatsanwalt: Sind Ihnen nach Wien nicht Wechsel 
geschickt worden? 
Nico Beck: Früher. 
Staatsanwalt: Wie viele? 
Nico Beck: Ich muß mir vorbehalten zu bitten,-daß 
das Protokoll verlesen wird; das werden die 20 Wechsel 
gewesen sein, wo gleichzeitig die Stempelmarken dabei 
waren. 
Staatsanwalt: Thöny hat uns das noch nicht genau 
abgeklärt -und angegeben und Sie hätten von Wien her 
auf telephoniert, Sie können die Coburger-Wechsel nicht 
verwenden, es müssen andere Papiere beigebracht wer 
den; man müsse kleinere -Abschnitte haben, 
Nico Beck: Die Sache war so: Die betreffenden an 
deren Wechsel von der -Investing Corporation waren be 
reits ausgestellt und hatten zwei Monate Laufzeit und 
konnten nur prolongiert zum Diskont gebracht werden 
und außerdem wünschte Justus, das kleinere Abschnitte 
zur Verfügung gestellt werden zur Diskontierung der 
Cobürger-Wechsel. 
Staatsanwalt: Dann wären die später verwendeten 
Wechsel die an Justus gegebenen Wechsel aus diesen, 
Ihnen übersandten Blanko-Akzepten. Wem haben Sie 
diese gegeben? 
Nico Beck: 2 bis 3 Hunderter habe ich persönlich aus 
gestellt und über die andern weiß ich nichts genaues. 
Einen Teil habe ich Walser abgegeben als ich hieher 
gefahren bin. 
. Walser: Wie Beck abgefahren- ist, hat er mir den 
Rest der Wechsel -übergeben; ich weiß nicht genau die 
Zahl. Einer ist beim Ausfüllen zu Grunde gegangen, 
zwei wurden Schwarzwald in Wien zur Diskontierung 
-übergeben. Der Diskonto-Erlös sollte an eine S-ywei- 
zerische Bank zur Ablieferung kommen, ich habe aber 
telephoniert, daß er die Wechsel nicht diskontieren lassen 
solle. Ein Wechsel wurde Dr. Goldfinger gegeben und 
3 bis 4 hat Justus zur Diskontierung bekommen. Das 
find die Wechsel, die ich seinerzeit von Beck erhalten 
habe. 
Staatsanwalt: Sie sagten das Telegramm Walsers, 
worin er -mitteilte, daß er alle Konsequenzen ablehne usw. 
Nico Beck: -Ich glaube nicht, daß es ein Telegramm 
war, es war ein Brief. 
-. Walser: Ich -habe Thöny•- berichtet; ich weiß-nicht j 
mehr, war es ein -Brief oder ein Telegrantin.-Die Wich 
tigkeit der' Gründe konnte ich damals nicht ermessen- in 
Bukarest; infolgedessen habe ich berichtet, daß ich komme, 
ich müßte, aber die Verantwortung ablehnen. Ich habe 
damals Verbindung angeknüpft in der Sache mit dem 
rumänischen Arbeitsminister. 
Staatsanwalt: Nun sägten Sie weiter, die Ange 
legenheit -fei noch nicht so weit gediehen, daß der betref 
fende Herr aus Chur nach .Bukarest - hinunterfahren 
könnte.-Um welche Zeit haben Sie mit verhandelt? 
Nico.Beck: Das war. Ende 1928 oder anfangs 1927. 
Thöny: Wegen dieser Bürgschafts-Angelegenheit hat 
— so viel ich. mich erinnere — Walser und Beck schon 
vor Unterzeichnung des Barmer-Vertrages in Sargans 
mit diesem Herrn geredet wegen Uebernahme einer 
Bürgschaft.' 
Walser: Die Rückbürgschaft für die Spavkassa.kann 
es nicht gewesen fein, nachdem die Landesbank als-Rück 
bürge erst durch das Projekt Bauer aufgetaucht ist. Mög 
lich ist es, daß das vielleicht dem Gedanken entsprungen 
war, wir wollen das Geld von einer-andern Finanz 
gruppe, die Sicherheit verlangte.. Infolgedessen wurde mit 
diesem Bürgen dann noch verhandelt. - 
Präsident: Sie haben an Beck telephoniert,-ob er 
nicht Finänzleute wisse? ... . 
. -Walser: Ich kann mich nicht, mehr, erinnern. 
Nico Beck: Es war zur Zeit als die Verhandlungen 
über das Barmergeschäft in Bern stattfanden. 
Staatsanwalt: Bestunden etwelche Zusagen in dieser 
Richtung wegen Leistung der Bürgschaft.? - 
Nico- Beck: Die waren,in der Richtung, daß. die Leute 
sich erklärten, sie hätten ein.Interesse daran. - 
Staatsanwalt: Wieso sollten Sie für den betressen 
den Herrn das-Visum beschaffen-uni) Sie häbey es nicht 
beschafft, wenn, wie Walfer sagte,, er in. anderen -Ange 
legenheiten nach Rumänien sollte,-wieso.tragen Sie den 
Paß durch Wochen und Monate bei sich?. ■, - I 
Nico Beck: Mit dem. betreffenden Herren haben- wir 
tatsächlich über die Rückbürgfchäften -verkehrt, .aber bei 
Einführung in das Geschäft -haben- wir. ihm eine.andere! 
Möglichkeit in Aussicht gestellt, es. sei. möglich' verschie-I 
dene Geschäfte in Rumänien zu machen. Der betreffende! 
Herr überbrachte tatsächlich den Paß,, um das Visum-ein-I 
zuholen, aber das Visum ist unterblieben, weil es nicht! 
notwendig war, ihn hinunter zu schicken. . I 
Staatsanwalt: Haben Sie Walfer von den V.erhand-I 
lungen mit der Gruppe Würtzweiler nicht verständigt?! 
Niep Beck: Doch, er war verständigt. I 
Staatsanwplt: Auch -von dem Ergebnis.-der. Ver-I 
Handlung? I 
Rico Deck: Ja. .; I 
Staatsanwalt: Wieso kommt es, daß Walser sagt,» 
er hätte in der Zeit seines Aufenthaltes in Rumänien» 
mit Ihnen schriftlich nicht verkehrt, wenn. Sie ihn doch« 
fo verständigten? 1 
Nico Beck: Einmal erinnere ich mich ihm.darübe» 
geschrieben zu haben, als ich die Verhandlungen begonW 
nen habe .mit Hauser, dann glaube ich »aber, daß Waise» 
hier gewesen ist, einmal während dem die Verhandlun» 
stattgefunden hat. mit-Hauser, v . .->. y J
	        

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