Volltext: Stenographischer Verhandlungs-Bericht aus dem Kriminalprozess gegen Franz Thöny, Niko Beck, Anton Walser und Rudolf Carbone

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galisiert. Aber ich kann nicht sagen, ob ich sie dort 
selber geholt habe, oder ' ob sie Thöny für mich ge 
bracht hat. 
Dr. Budschedl: Es fällt mir auf, datz diese Voll 
machten von Sekretär Ferd. Nigg beglaubigt sind, ob 
wohl derselbe eigentlich nicht zuständig war. Warum 
haben Sie hinaufgeschrieben ..Einzelzeichnungsberechtigt" 
im Handelsregister steht das nicht drin. 
.Beck: Ich weist nicht, Es war in Berlin und über 
all andererorts, der Nachweis zu erbringen, datz'Thöny 
zur effektiven Einzelunterschrist ermächtigt war. Im 
Ausland natürlich sind überall Unterlagen zur Ver 
fügung, um sich zu erkundigen, ist der Mann für 
Eingelunterschristen berechtigt oder nicht- In der 
Schweiz kann man das jederzeit nachsehen. 
Dr. Budschedl: Haben Sie hier selbst nie eine 
Vollmacht eingeholt? 
Beck: Doch, doch, ich habe auch eine Vollmacht,!' 
die mir Walser gegeben hat, erhalten. 
Präsident: Haben Sie nie eine Vollmacht ein-, 
geholt bei Thöny? 
Beck: Bei Thöny? Offenbar wollen Sie fragen 
bei Ferdinand Rigg. 
Dr. Budschedl: Bei Thöny auch? 
Beck: Die Vollmacht habe ich von Thöny ge 
holt, die Legalisation habe ich einmal von Ferdinand 
Nigg geholt. 
Dr. Budschedl: Die Vollmacht konnten Sie nur 
von Thöny bekommen? 
Beck: Ich habe die Legalisierung bei der Kanz 
lei in einem Falle selbst geholt und dort unterzeichnet. 
Dr. Budschedl: Wie haben Sie es zu Stande 
gebracht, dost der Nüsse Millner nach Vaduz kommen 
konnte. Hat es nicht Patzschwierigkeiten gegeben? 
Beck: Nein, die Sache war so. Zu diesem Zeit 
punkte konnte man auch nach Liechtenstein und in die 
Schweiz mit Passierscheinen, die man an der Grenze 
erhielt, die Grenze übertreten. 
Dr. Budschedl: Was haben Sie als angemessene 
Reisespcsen für Carbone angesehen? 
Beck: Ich habe nie damit gerechnet, habe mir 
nie gedacht, dost Carbone gewillt oder berechtigt sei 
Spesen zu errechnen. 
Dr. Budschedl: Woher haben. Sie die 4000 Fr. 
genommen, die Sie Carbone geliehen haben? 
Beck: Von meinem Bruder Dr. Beck. Ich habe den 
Betrag allerdings, um genau zu sein, von der Spar 
kassa bekommen, habe dem Thöny Obligationen h'm- 
terlegt über den Betrag von 4000 Mark. 
Dr. Budschedl: Wer waren die Ihnen nahestehen 
den Persönlichkeiten, die Ihnen Bollert empfohlen ha 
ben ? ! 
Beck: Es isst ein persönlicher Bekannter von mir 
in Berlin, ich möchte ihn in die Sache nicht hinein 
ziehen. 
Dr. Budschedl: War Ihr Bruder, der fürstliche, Ge 
sandte in der Koburgangelegenheit einmal auswärts, 
Thöny sagt Ja? 
Beck: Rein. 
Dr. Budschedl: Ich hätte noch etwas zu fragen, 
Thöny, sagen Sie aufrichtig, ist nicht die Erteilung 
der Einzelzeichnungsberechtigung in einem kleinen Kreise 
von Freunden gefeiert worden? 
Thöny: Da fragen Sie mich zuviel, das' weist 
ich nicht. 
Dr. Budschedl: Ist Ihnen der Bericht der ost- 
schweizer. Treuhandgesellschaft, den Sie Herrn Dr. Beck 
herausgelegt haben, ist er Ihnen verschlossen oder of 
fen überbracht worden? 
Thöny: Er war verschlossen. 
Dr. Nittmeyer: Es ist aus den Aussagen her 
vorgegangen, datz Eie an dem Tage, als Dr. Nasche 
hier war, auch hier waren, es ist nicht ganz klar, 
ob Sie Thöny schon vor der Unterschrift gesprochen 
haben, ob er vor der Unterzeichnung der Bürgschaft 
¡imit Ihnen gesprochen hat, und Sie konsultierten, soll 
Iman unterschreiben oder nicht. Hat Thöny Sie konsul- 
! tiert, ob man die Bürgschaft unterschreiben soll oder 
nicht? 
Beck: Nein. 
Dr. Rittmyyeri: AIs Sie hörten, datz die Bürg 
schaft unterschrieben sei, wollten Sie die Bürgschaft 
eliminieren oder für Riickbürgen der Bank sorgen? 
»Haben Sie etwas in dieser Richtung gemacht? 
> Beck: Ich habe verschiedene Schritte unternom- 
!ineit, z. B. mit Würzweiler. 
? Dr. Rittmeyer: Haben Sie nicht mit einem Herrn 
in Chur verhandelt und seinen Patz instHänden.gehabt? 
Kam jene Sache nicht zustande? 
Beck: Jener Herr wartete aus Bescheid, wann er 
nach Rumänien fahren könnte, um die Sache in Ord 
nung zu bringen. ^ 
Dr. Rittmeyer: Sie haben also Walser berichtet, 
er solle nicht kommen, oder wie. maf es ? \ 
Beck: Doch, Walser war über die Verhandlungen 
orientiert, aber in welcher Form ich ihm' davon Mit 
teilung machte, ob durch Thöny oder Walser direkt, 
weist ich nicht. Tatsache ist aber, dost der betreffende 
Herr mich oft- und oft ersucht hat er möchte abrei 
sen unL» ich möchte das rumänische Visum einholen. 
Dr. Rittmeyer: Nun wegen Würzweiler. 
Weck: WÜrzweiler erklärte im Protokoll, er habe 
nicht abgeschlossen, weil er aus den Statuten der Bank 
gesehen habe, datz die Bank nicht kompetent sei, sol 
che Geschäfte einzugehen. Würzweiler, event. Schwarz 
sind aber doch nach Rumänien gegangen. 
Dr. Rittmeyer: Weshalb ist die Sache nicht zu 
Stande gekommen? Walser erklärte einmal im Pro 
tokoll, Schwarz sei in Rumänien einmal sehr freund 
lich mit ihm gewesen, dann habe er ihm wieder ge 
droht, kurz er habe sich' sehr um Walser bemüht. 
Weshalb kam dann das Geschäft doch nicht zustande? 
Weck: Ich kann nur das eine sagen, datz ich 
leider nachträglich von beiden Seiten die grötzten Vor 
würfe hatte. Von Walser, datz ich das Geschäft rui 
niere und andererseits von Hauser, der mir erklärte 
die Erwartungen wären in keinem Falle so, wie man 
sie ihm vorgetragen hätte. Auch Schwarz äutzerte sich 
in diesem Sinne auch Thöny gegenüber, und ich glaube, 
datz deswegen das Geschäft nicht zustande getommen 
ist.
	        

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