Volltext: EINTRACHT (2010) (Advent)

EINTRACHT ADVENT 
2010 LEITARTIKEL Die besten Jahre geniessen Markus W. E. Peters, Domvikar, Va- duz, hielt am 21. 6. 2009 eine Pre- digt, deren Wortlaut wir auszugs- weise wiedergeben: «Immer höher hinaus, immer weiter, noch reicher, noch intelligenter, noch angesehe- ner! Diese Reihe von Komparativen könnte man ohne weiteres noch um einige Begriffe erweitern. Wir Menschen geben uns oftmals nicht mit dem zufrieden, was wir erreicht haben oder besitzen, und suchen das gewisse Mehr. Sei es in unseren beruflichen oder privaten Erfolgen, sei es bei der Höhe des Einkom- mens und der Immobilien, die man besitzt, bei sportlichen Leistungen, wirtschaftlichen Eck- und Rahmen- daten, der Anerkennung, dem Le- bensalter usw. Es gibt aber auch Menschen, denen solche (also mate- rielle) Erfolge egal sind, entweder weil sie nach Enttäuschungen davon überzeugt sind, dass solche Ziele ohnehin nicht erreichbar sind oder aber deswegen, weil sie für das menschliche Leben keine wirkliche Bedeutung haben, sondern eher von eigentlich Wichtigem 
ablenken.» Die besten Jahre Aus ist es mit der sommerlichen Herrlichkeit der Berge. Die besten Jahre für uns Menschen sind jene Jahre, in denen wir auch mehr Zeit haben, die Natur zu bewundern, auch wenn jüngere Menschen dies anders sehen mögen. Es sind die Jahre, in denen wir Dingen nachge- hen können, die wir vielleicht schon ein halbes Leben vor uns hergescho- ben haben, die Zeit, in der wir noch alles können, aber nichts mehr müs-sen. 
Von diesen besten Jahren ha- ben wir immer mehr, denn nie zu- vor konnte ein Mensch, der in Rente geht, einer so langen Altersruhezeit entgegenblicken. Wir können nun Pläne schmieden, unterwegs sein, uns weiterbilden. Älterwerden ist nicht mehr das, was es einmal war. Die Zeit ist reif, um dem Alter mehr Raum zu geben. Nie waren ältere Menschen agiler, unternehmungslus- tiger und gesünder als heute. Es gibt grosse Chancen und Möglichkeiten für jeden Einzelnen und für unsere Gesellschaft. In der Lebens-Weise geht es um die kleinen und grossen Dinge, die das tägliche Leben aus- machen. Weise wird der Mensch nicht zwangsweise Vieles steckt in Lebens-Weise: zum einen ist es die positive neugierige Art, mit dem Alter umzugehen. Zum anderen steckt aber auch die Weis- heit im Namen. Weise ist ein Mensch, der hohe Einsichts- und Urteilsfähigkeit in schwierigen Fra- gen des Lebens beweist. Es ist klar: Weise wird man zwangsweise mit dem Älterwerden. Nicht jeder alte Mensch kann auch automatisch weise werden, aber mit dem Alter werden wir nachsichtiger, gelasse- ner und sozial kompetenter und schaffen es besser, mit negativen Emotionen umzugehen oder sie gar nicht entstehen zu lassen. Für den Menschen selber bedeutet diese Entwicklung vor allem ein Wohlgefühl, das vieles verändert. Sein Auftreten, sein Selbstverständ-nis, 
seine Gewohnheiten - und nicht zuletzt seinen Konsum. Immer mehr Werbekampagnen werden entwi- ckelt, die ältere Menschen auch in den Mittelpunkt stellen. Diese Au- thentizität in der Werbung ist zwar oft genug nur ziemlich durchsichtig, aber dennoch trägt sie durch ihre multimediale Präsenz dazu bei, das Selbstbild älterer Menschen positiv zu beeinflussen. Viele sehen sich in ihrem Gefühl, jünger zu sein als sie sind, bestätigt. Der Wandel liegt in dem Gefühl, dass beispielsweise die heute 70-Jährigen tatsächlich biolo- gisch nachweisbar 5 Jahre jünger seien als die Generation davor. Das bedeutet, dass keine Phase des Le- bens derzeit Licht und Schatten auf so einzigartige Weise zusammen- bringt wie das 
Alter. Bisher wenig beachtete Themen rücken in den Vordergrund Wenn immer mehr Menschen im- mer älter werden, rücken Themen in den Vordergrund, die bisher nur wenig Beachtung durch die Medien fanden. Diesem Facettenreichtum eines immer länger werdenden Le- bens werden wir erst in späteren Pu- blikationen Raum geben, weil wir die Ansicht vertreten, dass «des Schreibens zu viel und des Han- delns zu wenig in dieser Welt» ist. Wir möchten es mit Wilhelm Busch halten: «Das Schreiben, das Schrei- ben soll man nicht übertreiben, das kostet bloss Papier.» Deshalb fassen wir uns kurz, schliesslich wird zur Weihnachtszeit wohl noch etwas Papier rascheln, hoffentlich mit schö- nen Geschenken. Ich wünsche, dass Ihnen die Weihnachtstage die nöti- ge Ruhe und Beschaulichkeit bie- ten, um über das Vorstehende nach- zudenken. Frohe und gesegnete Weihnachten wünscht Ihnen zudem die gesamte Redaktion der EINTRACHT. Adulf Peter Goop
	        

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