Volltext: EINTRACHT (1999) (Ostern)

HlEINTRACHT OSTERN 
1999 SAGEN Die Wildmannli Die Wildmannli wohnten im Nen- zinger Tal auf der Alpe Seris in Höhlen, Kasten genannt. Sie hatten keine Kleider, aber ihr Leib war ganz mit Haaren bewachsen, wie bei 
Bären. Die Wildmannli fütterten den Bergern ihr Vieh. Sie kamen ins Malbunertal und in den Steg und fütterten den Bergern ihr Vieh. Wenn die Bauern viel Ar- beit hatten, so verliessen sie sich auf die Wildmannli und gingen oft mehrere Tage gar nicht hinein in den Steg und ins Malbun, weil sie wussten, dass die Wildmannli das Vieh fütterten und besorgten. Bei schlechtem Wetter und besonders bei Föhn aber blieben die Wild- mannli daheim. Einst ging auf der Höhe der Föhn, und am Triesen- berg war schönes Wetter. Die Ber- ger hatten noch Kartoffeln zu gra- ben und gingen deshalb gar nicht hinein in die Alpen, weil sie glaub- ten, die Wildmannli würden das Vieh schon füttern. Am dritten Tage aber liefen doch einige hinein, um Nachschau zu halten und Milch und Molken zu holen. Da fanden sie das Vieh halb verhungert, denn die Wildmannli waren wegen des Föhns nicht gekommen. «Je mehr du wegwirfst, je weniger du 
hast!» Einmal Messen die Wildmannli die Hebamme von Triesenberg zu einer Wöchnerin rufen. Als Lohn erhielt sie eine Schürze voll Kohlen. We- nig erfreut über ihren Lohn, warf sie auf dem Heimweg eine Kohle nach der andern weg. Ein Wildmannli ging unsichtbar hinter der Hebam- me her und las die Kohlen auf und rief jedesmal, sooft sie eine Kohle wegwarf: «Je mehr du wegwirfst, je weniger du hast!» Daheim ange- kommen, hatte die Frau nur noch einige Stücke Kohle in der Schürze und leerte sie auf die Kochherdplat- te. Erstaunt sah die Frau, dass jedeKohle 
ein blanker Taler geworden war. Sie eilte zurück und wollte die weggeworfenen Kohlen wieder auf- lesen, aber es waren keine mehr zu finden. «Das Bitzi und das Batzi sind gestorben!» Vor Weihnachten rief einmal ein Wildmannli von der Höhe des Ochsenkopfes herunter: «Das Bitzi und das Batzi sind gestorben!» Von dieser Zeit an wurden die Wild- mannli nie mehr gesehen. Eine Höhle beim Ochsenkopf heisst heute noch 
«Wildmannskirchle». Das wilde Männle Auf Profatscheng wohnte ein wildes Männle, welches den Bauern das Vieh hütete. Da es ganz nackt war, hatten die Leute Mitleid mit ihm, zumal in der Winterszeit, undschenkten 
ihm ein Kleid. Aber das Männle gab den guten Leuten zur Antwort: «Wilde Ma - Chleid net li- da cha», lief davon, und niemand hat es seitdem gesehen. (Aus dem Sagenbuch von Prof. Otto Seger)
	        

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