Volltext: EINTRACHT (1998) (Advent)

®M EINTRACHT ADVENT 
1998 GEDICHTE Die Freiheit der Gedanken Rosa Negele wurde am 1. Mai 1918 in Triesen geboren und wuchs auf Runkels auf. Dieser schöne und sonnige «Büchel», westlich unter- halb von St. Mamerten, grub sich während dem Heranwachsen tief in Rosas Heimatbewusstsein ein, so verwundert es denn nicht, dass sie als Pensionistin wieder auf Runkels wohnt. Um es genau zu sagen, der Appartementblock, in dem sie eine Wohnung gemietet hat, steht dort, wo sich früher der Stall des elter- lichen Kleinbauernhofes befand. Runkels ist «ihr Fleckchen Erde». Mit Wehmut erlebte sie, wie in den letzten Jahren Runkels immer mehr verbaut wurde: «Doch alles sieht ganz anders aus», heisst es in ei- nem Gedicht. «Der alte Baum steht auch nicht mehr/alles ist so fremd.» Rosa Negele ist aber eine heitere Frau mit einem ausgeprägten Ge- rechtigkeitssinn, der ihr auch eine gewisse Strenge verleiht. «Herr, leh- re mich schweigen», bittet sie in ei- nem Gedicht, doch diese Bitte woll- te der Herrgott wohl nicht erhören. Noch heute sagt Rosa Negele gera- de heraus, was sie denkt. Das macht sie einerseits zu einer sehr angeneh- men Gesprächspartnerin, denn bei ihr weiss man immer, woran man ist. Andererseits hätte sie sich wohl selbst schon oft etwas mehr Diplo- matie gewünscht, denn unverblümt verträgt ja bekanntlich nicht jeder Kritik. Pio 
SchürteSchreite 
heiter durch das Leben Schreite heiter durch das Leben, trag geduldig deine Last, wem Gott will schwere Bürde geben, gibt er dazu auch seine Kraft. In des Lebens Kümmernisse, schau auf den, der mit dir trug schweres Kreuz und bittere Schmerzen, und dann fasse wieder Mut. Trage froh, was Gott hienieden dir als Prüfung hat geschickt. Wisse, dass nach diesem Leben, ewiger Lohn dir sicher ist. Denke, dass ja so viele andere ärmer sind als du, dass so viele krank sind und auf der Flucht noch dazu. Auf der Flucht vor Krieg und Hunger, Grausamkeit und bitterer Not, dass ja für viele von ihnen, Verzweiflung bringt das Morgenrot: Darum lass uns mutig tragen, was uns Gott an Leiden schickt, dass durch unser frohes Tragen, leichter werde ihr 
Geschick. Nebelschwaden Nebelschwaden ziehen leise durch die Täler über Höh'n, hüllen ein die öde Erde, kannst nicht in die Weite seh'n. Berg und Wälder sind ver- schwunden in der grauen Nebelwand, Rauhreif hänget an den Sträuchern wie in einem Zauberland. Aus dem dunklen Waldesschatten tritt ganz sacht ein Reh hervor, blickt verwundert in die Weite, kommt denn nicht die Sonn' hervor? Tief verschneit sind Flur und Felder, tief verschneit ist jeder Hag, Rehlein leidet oftmals Hunger, nirgends ist noch grünes Gras. Voll Verlangen zieht das Rehlein durch die Fluren durch den Wald, sehnt sich nach den Sommertagen nach Sonne und nach grünem Gras.Zum 
neuen Jahr Das alte Jahr ist nun vorbei, wie schnell enteilet doch die Zeit. Wir jagen oft in falscher Sucht nach irdisch menschlichem Genuss. Wir suchen Reichtum, Macht und Geld, was jeder für das Grösste hält, und ahnen nicht in unserem Streben, dass nur von Gott kommt uns der Segen. Doch diesen Segen zu verdienen, müssen wir Ihn wirklich lieben. Und in diese Liebe eingeschlossen, kann auch der Mitmensch auf uns hoffen. So sollen wir alle miteinander die Lasten tragen füreinander und in Lieb' und Verstehen gemeinsam durch das Leben gehen. Dann schenkt uns Gott im neuen Jahr Glück und Segen 
immerdar. Allerseelen-Tag Vermächtnis ist der Ahnen Traum Von einem Paradiese Jenseits des Meeres Silbersaum, Auf einer Blumenwiese. Dort, wo die Sonne rot versinkt, im Wellental der Zeiten Die Nebelfrau im Schatten winkt die Toten zu geleiten. Als Mahnmal ragt der hohe Stein wo ruht ein Held von Gestern, wo Abel lieget neben Kain Die Brüder und die Schwestern. Ich lege Blumen auf das Grab, Vom Feuerbusch die Tolde Als Dankesgruss und Liebesgab; für Tristan und Isolde. Geheimnis bleibt der letzte Schritt zum Leben nach dem Sterben, Darum sei Deine fromme Bitt den Himmel zu erwerben. Hier schlafen, die geschieden sind die Lieben, die uns fehlen Wir, die wir noch froh im Leben sind Gedenken ihrer Seelen. Der Gedichtband «Schreite heiter durch das Leben - Gedichte von Rosa Negele» ist erhältlich im Buchhandel oder direkt beim Verleger Pio Schurti unter Tel. 390 08 90.
	        

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