Volltext: EINTRACHT (1998) (Staatsfeiertag)

BH EINTRACHT STAATSFEIERTAG 
1998 BRAUCHTUM Alpabfahrt «'S Väh 
kunnt» Die Sennen denken anfangs Sep- tember an die Alpabfahrt, denn all- mählich geht es in den Herbst hin- ein. Aus ist es mit der sommerli- chen Herrlichkeit, und auf den Berggipfeln sieht man schon fri- schen Schnee glänzen. Mensch und Tier schicken sich an, ins Tal zu fahren, um ins «Winterfutter» zu gehen. Wenn auch seit vielen Ge- nerationen die Alpabfahrt Tradition ist, so ist sie doch jedes Jahr immer wieder ein neues Ereignis. Dem weidenden Vieh werden auf der Alp Glocken um den Hals gehängt, damit das Vieh auf den weiten Wei- degründen auch gehört und gefun- den werden kann. Diese Kuh- glocken - verschieden in Art, Ton und Grosse - tragen die Tiere, an- geführt von der Leitkuh, auch bei der Alpabfahrt. Wenn das helle, wundersame Läuten der «Singas» (in Balzers «Singassa»), das dump- fe, mächtige Dröhnen der «Plum- pen» und das freudige Gebrüll der den heimatlichen Stall witternden Tiere zu hören ist, so ertönt in unse- ren Dörfern noch der Ruf: «'S Väh kunnt.» Alpabfahrtsherzen Zur Alpabfahrt gehören Herzchen an der Stirn der Kuh - ein sehr alter (auf einem Holzherzchen schon 1830 belegt) und auf das Liechten- steiner Oberland beschränkter Brauch. Das religiöse und auch das weltliche Brauchtum nahm in unse- rem kleinen Lande naturgemäss in den allermeisten Fällen eine ähnli-che 
Entwicklung wie in unserer Nachbarschaft. Eine klare Ausnah- me von dieser Regel macht aber das erwähnte Alpabfahrtsherz, wel- ches die Regierung im Jahre 1980 auf zwei Briefmarken darstellen Hess. «Bei der Alpabfahrt zieren die Alpknechte (= Senn, Zusenn, Küher, Mister, Kleinküher und Batz- ger) die besten Milchkühe, indem sie diesen den mit künstlichen Blu- men und farbigen Stoffbändern ge- schmückten Melkstuhl auf die Stirn binden und ihnen besonders grosse Kuhglocken (Plumpen) um den Hals hängen. Auf die Stirn bekom- men diese Tiere überdies ein farbi- ges Holzherz gebunden, welches meistens das Monogramm Jesu (JHS) trägt.» Das Alpabfahrtsherz wird vom Bauer an der Aussenwand seines Viehstalles 
aufgenagelt «Diese Herzchen (etwa 17 cm hoch und 14 cm breit) werden vom Bauern, dessen Kuh so ausgezeich- net wurde, an der Aussenwand sei- nes Viehstalles aufgenagelt. Es gibt alte Ställe, an denen Dutzende sol- cher Herzen angebracht sind. Die ältesten sind weit über hundert Jah- re alt. Dieser geradezu festliche Alpabzug aber findet nur statt, wenn die Herde (Senntum) die Sömmerungszeit ohne jeden Verlust überstanden hat. Wenn ein Tier verfällt (zu Tode stürzt), wird nicht aufgebunden und nicht gestuhlt, und die Leitkuh trägt in Triesenberg einen schwarzen Flor. Diese Alpab- fahrtsherzen wurden früher von den Hirten auf der Alpe aus Schindeln und dünnen Brettchen geschnitzt, so dass von den alten Exemplaren keines dem andern genau gleicht; sie waren in Grosse, Form und Far- be verschieden. Heute aber werden sie für alle Alpen in einer oder zwei Werkstätten hergestellt; dadurch wurden sie zu sehr vereinheitlicht.» Auszug aus «Alpabfahrtsherzchen» von Alexander Frick, Bergheimat, Jg. 
1969. Rita 
JägerFUERSTENTUM 
LIECHTENSTEIN Aussenwand eines Viehstalles in Balzers
	        

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