Volltext: EINTRACHT (1997) (Staatsfeiertag)

SS EINTRACHT STAATSFEIERTAG 
1997 PERSÖNLICHKEITEN Fürstlicher Kommer- zienrat Guido Feger (1893-1976) Als vierter von acht Söhnen des Schulmeisterpaares Alfons und Re- gina Feger, geb. Wolfinger, ist Gui- do Feger am 29.11.1893 geboren. Es gab in Liechtenstein damals noch keine Autos, kein Telefon, und der Zollvertrag mit dem Kaiserreich Österreich hatte Gültigkeit. Türken- ribel, Mehlsuppe und Brot waren, wie damals in vielen Familien, auch im Lehrerhaus ein häufiges Essen. Die besondere Begabung von Gui- do Feger war Anlass, ihn die kaiser- lich-königliche Staats-Realschule in Dornbirn besuchen zu lassen. 1912 legte er mit Auszeichnung und als Bester seiner Klasse die Matura ab. An einem anschliessenden Abituri- entenkurs an der Handelsakademie Innsbruck schloss er wieder als Bester ab. Ein Hochschulstudium konnten ihm, trotz seiner guten Leistungen, die Eltern aber nicht finanzieren. So arbeitete Guido Fe- ger und sammelte Erfahrung bei der Sparkassa und anschliessend in einer Seidenfabrik in Dornbirn. Durch Letztere kam er in das Wie- ner Verkaufsbüro. Doch als die Fir- ma infolge der Verhältnisse im Zweiten Weltkrieg schliessen muss- te, versuchte es Guido Feger mit ei- nem eigenen Geschäft für kunstge- werbliche Artikel, Gemälde, Grafi- ken usw. Der totale Zerfall der öster- reichischen Währung und die Not der Nachkriegsjahre waren demsel- ben nicht hold. Inzwischen war von der Regierung des Fürstentums Liechtenstein die Errichtung einer Wirtschaftskammer beschlossen worden, und Guido Feger wurde unter zehn Bewerbern einstimmig zu deren Sekretär ge- wählt. Mit viel Initiative und Be- geisterung leitete er das Amt, dem die Erfüllung vielfältiger Aufgaben zugeteilt war (Stellenvermittlung, Lehrlingswesen, Berufsberatung, Ur- sprungszeugnisstelle, Fremdenver-kehr, 
Bürgschaftsgenossenschaft, Kre- ditschutzverein und vieles andere). Aufgrund der staatlichen Finanzkri- se wurde in der Budgetdebatte des Landtags im Dezember 1928 der Kredit für die Wirtschaftskammer aus Ersparnisgründen gestrichen und das Amt 
aufgelöst. Weitblickend und unternehmens- freudig Der unternehmerische Geist von Guido Feger entschloss sich sofort für die Errichtung eines eigenen Büros. Schon am 5. April 1929 liess er seine erste Firma eintragen, wel- che ab 1931 den Namen «Allge- meines Treuunternehmen» trägt. Im Rahmen seiner Treuhändertätig- keit verfasste Guido Feger eine Rei- he von Schriften über Steuerfragen, und als Sekretär der 1931 gegründe- ten «Liechtensteiner Handelskam- mer» verfasste er alljährlich «Das Wirtschaftsjahr», welches Auf- schluss über die Verhältnisse der liechtensteinischen Wirtschaft gab. Nach dem Krieg erfolgte in Europa ein wirtschaftlicher Aufschwung, welcher sich auch für Liechtenstein und das Allgemeine Treuunterneh- men wirtschaftlich positiv auswirk- te. Schon 1956 gründete der weit- blickende und unternehmensfreudi- ge Guido Feger auch noch eine Bank, die «Verwaltungs- und Privat- Bank» mit Sitz in Vaduz, welche heute zu den drei grossen Banken des Landes zählt. Sein Leben hat für Liechtenstein viele und reiche Früchte 
getragen. Guido Feger verstand es, Mitarbeiter zu motivieren und errichtete früh-zeitig 
entsprechende Sozial- und Vorsorgeeinrichtungen. Den Aus- gleich für seine geschäftlichen Akti- vitäten suchte und fand er in der Natur, der Musik, dem Theater und der Kunst. Dank seiner grosszügi- gen Finanzierung der Ausstellungs- und Betriebskosten entstanden die Kunstausstellungen in Liechtenstein. Nicht unerwähnt bleiben sollen ei- ne Vielzahl von Schenkungen, z.B. an die Stiftung für das Alter, den Hl. Nepomuk (Benderer Brücke) und die spätgotische Madonna in der Pfarrkirche von Vaduz. Das Bild von Guido Feger wäre nicht vollständig, würde man nicht seine Position als langjähriger Präsi- dent des Aufsichtsrates der AHV und seine Verdienste um das Liech- tensteinische Rote Kreuz erwähnen. Erster Sekretär des letzteren war Dr. Friedrich Ritter. Aber schon im Jahr 1946 übernahm Guido Feger die ehrenvolle Führung des Sekretaria- tes, und 22 Jahre hindurch hat er selbstlos, unermüdlich und unent- geltlich demselben gedient. Auch das Kinderheim des Roten Kreuzes gehörte zu den von ihm geschätz- ten und geförderten Einrichtungen. So ist es denn verständlich, dass S.D. Fürst Franz Josef II. im Jahre 1952 Herrn Guido Feger den Titel «Fürstlicher Kommerzienrat» und 1968 den Verdienstorden des Kom- turkreuzes verlieh. Das Exekutivko- mitee des Liechtensteinischen Ro- ten Kreuzes ernannte Guido Feger 1968 zum Ehrenmitglied. Sein Weitblick und sein soziales Engagement stellte er in grosszügi- ger Weise auch dadurch unter Be- weis, dass er eine wohltätige und gemeinnützige Stiftung, die «Stif- tung fürstlicher Kommerzienrat Guido Feger» errichtete und da- durch die Weiterführung seiner wohltätigen und gemeinnützigen Aktivitäten sicherstellte. Fürstlicher Kommerzienrat Guido Feger starb am 1. September 1976 im Alter von 83 Jahren. Sein Leben hat für Liechtenstein viele und rei- che Früchte getragen.Olaf Walser
	        

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