Volltext: EINTRACHT (1994) (Advent)

0Ü EINTRACHT ADVENT 1994 Prinz Hans studierte in Budapest Kunst und hat danach beim inter- national bekannten Tiermaler Pro- fessor Carl Fahriger in Wien ge- lernt. Über 2000 Zeichnungen und Aquarelle sind uns von ihm er- halten. Erst später widmete er sich der plastischen Darstellung und dem Modellieren mit Ton. Er hat Richard Homberg, Betreuer der 
Sammlungen Landschaften, Tiere aller Art und Menschen, denen er auf der Jagd und während seinen Reisen be- gegnete, treffend und meist mit we- nigen Strichen und Zügen festgehalten. Seine Landschaftsbil- der sind erfüllt von Licht und um- fassen eine erstaunliche Raumtiefe. Aus seinen Werken spricht die tiefe Naturverbundenheit und die Ergrif- fenheit, die nötig ist, um Natur in Abbildungen lebendig zu machen. Die Lebensfreude, die damit ver- bunden ist, zeigt sich in den frohen Farben, in denen er gemalt hat. Oft war es nur ein Zettel, die Rückseite eines Formulares oder die Seite ei- nes Schulheftes, auf dem Prinz Hans seine Empfindungen und Ein- drücke festhielt. Es scheint, dass der Zeichenblock und der kleine Aqua- rellkasten ihn dauernd begleiteten. Es waren nicht immer nur grossarti- ge und besondere Tiere oder Land- schaften, die er malte. Meist zeigt sich bei der Motivwahl feines Ge- spür für unauffällige Seltenheiten, die nur dem naturkundigen, dem wissenden Menschen auffallen. Hier zeigt sich eine Parallele zu sei- ner wissenschaftlichen Sammel- tätigkeit und auch zu seiner Art derJagdausübung. 
Jagen war für ihn nicht einfach nur jagen im landläu- figen Sinn. Es war erleben, fühlen und erkennen von dem, was in der Natur vorgeht. Die Jagd war ihm ein Mittel, Natur zu erfahren und zu begreifen. Er kannte alle einhei- mischen Vogelarten und konnte von vielen deren Gesang nachah- men. Er hatte ein tiefes ökologi- sches Verständnis, und eine umfas- sende Artenkenntnis, die weit über die in Europa vorkommenden Tierarten hinausging. Das alles macht ihn für Liechtenstein einma- lig und einzigartig. Prinz Hans, wie er kollegial von seinen Freunden und Bekannten genannt wurde, be- schränkte sich als Jäger nicht nur darauf, Hörner und Geweihe zu sammeln. Er zog wissenschaftliche und künstlerische Konsequenzen aus der Jagd. Er begründete eine zoologische Sammlung, die sich durch Artenreichtum und zahlrei- che Seltenheiten auszeichnete. Jagdtrophäen spielten darin nicht die grösste Rolle. Auch dadurch war Prinz Hans für unser Land ein- malig und einzigartig. Er hat dem Land Liechtenstein die Sammlung geschenkt und damit ein Funda- ment errichtet, auf dem die heutige, erweiterte naturkundliche Samm- lung des Landes aufgebaut wird. Peter Niederklopfer, der Präparator der heu- tigen Sammlung, bei 
RestaurierungsarbeitenDie 
naturkundliche Erforschung un- seres Landes in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts war insgesamt sehr dürftig. Drei Persönlichkeiten haben die ersten Grundlagen erar- beitet. Der Botaniker Josef Murr (1864 - 1932), Mittelschulprofessor am Staatsgymnasium in Feldkirch von 1906 - 1923, verfasste das mehrbändige Werk «Neue Über- sicht über die Farn- und Blüten- pflanzen von Vorarlberg und Liech- tenstein» und legte damit den Grundstein für die botanische Erfor- schung unseres Landes. Gleichzei- tig entstand aus dieser Forschungs- arbeit das erste Herbar Liechten- steins. Professor Ernst von Lehmann vom Museum Alexander König in Bonn befasste sich in den Fünfzi- ger- und Sechzigerjahren mit der Erforschung der Säugetiere Liech- tensteins und ist somit der Pionier der zoologischen Forschung in un- serem Land. Prinz Hans erforschte in erster Linie die Vogelwelt Liech- tensteins und veröffentlichte 1955 einen Überblick über die Avifauna des Landes. Er vertrat Liechtenstein 1954 an einem internationalen or- nithologischen Kongress. Zusam- men mit Richard Homberg legte er eine umfassende Belegsammlung einheimischer Vogelarten an. Über 1200 Vogelbälge einheimischer Ar- ten, ergänzt durch Exemplare aus seiner früheren Heimat in Böhmen, waren Teil einer zoologischen Sammlung, die wahrscheinlich als die grösste Privatsammlung dieser Art in Europa angesehen werden kann. Richard Homberg, der frühe- re Verwalter und Forscher der Gräf- lich - Joseph - Seilern - Aspangschen Sammlung in Leschna, Ostmähren, bearbeitete die Sammlung und trug dadurch wesentlich zu deren Be- stand bei. Man kann sich fragen, was für einen Wert eine solche Sammlung für Liechtenstein hat. Man könnte argumentieren, dass in grossen eu- ropäischen Museen Sammlungen bestehen, gegenüber denen unsere Sammlung allein vom Umfang her fast bedeutungslos wird. Weiter könnte man ins Feld führen, dass die «Entnahme» von Vögeln aus 10
	        

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