Volltext: Geschichte erforschen - Geschichte vermitteln

Alois Ospelt 
1806: Gemeingut — Gemeindegut — Privateigentum® 
Nachdem Vaduz seinen Anteil am Gemeingut des Kirchspiels Schaan 
erhalten hatte, begann innerhalb der Gemeinde die Auseinandersetzung 
um dessen weitere Nutzung. 1804 reichten 32 Birger eine Bittschrift 
beim firstlichen Oberamt ein und verlangten, von den Gemeinheiten 
«einem jeden das Seinige als ein freies wirkliches Eigentum» zuzuteilen 
und sie «aus dieser so sehr schädlichen Gemeinschaft zu erlösen».® Nach 
anfänglichem Widerstand der Gemeindevorgesetzten und einer Mehr- 
heit der Gemeindsleute überführte Vaduz schnell und umfassend einen 
Grossteil seines Gemeingutes in Privateigentum. Es kam zur bedeutend- 
sten Veränderung der Eigentumsverhältnisse in der Gemeinde. 
Verteilt wurde 1806 mit Ausnahme der Wälder das gesamte Ge- 
meingut, angefangen vom Neuguet an der Triesner Gemeindegrenze bis 
zum Möliholz, aber auch das Ried im Schaaner Gemeindegebiet. Das 
Gebiet wurde vermessen und die einzelnen Teile wurden in ihrer Lage 
und Grösse festgelegt.“ Für die Teilung des beim Dorf gelegenen Ge- 
meindegebiets wurde ein Plan erstellt.”® 186 '%s Teile wurden hier aus- 
gemessen fur 154 berechtigte Haushaltungen und Personen, im Ried 
«149 Stück Streuwachs in 184 % Teilen». Das Ausmass der Privatisie- 
rung war beträchtlich. Etwa 250 ha Landwirtschaftsboden (140 ha im 
Dorfgebiet, 110 ha im Ried) wurden privates Eigentum für eigenverant- 
wortlich wirtschaftende Bauern. Aus genossenschaftlich bewirtschafte- 
tem Gemeingut wurden individuell genutzte Privatgrundstücke. Eine 
  
67 Siehe dazu LI LA, RA 32/2/1-84, Akten betreffend «Vadutz. Vertheilung und Ur- 
barmachung der Gemeinheiten der Gemeind», 1804-1808; Biichel, Gemeindenut- 
zen, S. 22-33, 135-137; Ospelt, Gemeindegrenzen, S. 36; Ospelt, Biirgerboden; Os- 
pelt, Landwirtschaft, S. 63-67. 
68 LI LA, RA 32/2/1, Bittschrift an das Oberamt, 22. Januar 1804. 
69 LILA, RA 32/2/48, Ubereinkunft der Vorgesetzten und Deputierten betreffend die 
Gemeinheitenteilung, 16. Januar 1806; LI LA, RA 32/2/50, Oberamtliche Ratifika- 
tion der Ubereinkunft vom 16. Jinner 1806, 30. Januar 1806. 
70 GAV, V 8, «Plan der léblichen Fiirst-Lichtensteinische Gemeind Vadutz im Jahr 
1806». Plan und Vermessung stammten von den Feldmessern Johann und Josef El- 
lensohn, Vater und Sohn, aus Gétzis sowie Andreas Biichel aus Balzers. — Der Plan 
ist in Farbe wiedergegeben in Ospelt, Landwirtschaft, S. 63-64. 
71 Nach Vermessungsergebnis traf es auf einen Teil im Dorfgebiet rund 2000, im Ried 
knapp 1700 Klafter. 
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