Volltext: Geschichte erforschen - Geschichte vermitteln

Historikerkommissionen 
einbezogen.” Als ausländischer Experte wurde ein englischer Historiker 
berufen. Offenbar war die Kommission mit dieser Zusammensetzung 
nicht glücklich, denn sie beschloss an ihrer ersten Sitzung eine «Quasi- 
Erweiterung», indem sie zwei weitere Historiker und einen Juristen als 
ständige Experten beizog.?! Die internationale Zusammensetzung der 
Kommission erhöhte deren Glaubwürdigkeit. Insgesamt hatte die Kom- 
mission danach ein ähnliches Profil wie die Schweizer UEK (sechs His- 
toriker und Historikerinnen, darunter zwei Ausländer, zwei Juristen, 
eine Mitarbeiterin des Dokumentationsarchivs) — allerdings mit dem 
Unterschied, dass der Präsident und der Vizepräsident als Behordenver- 
treter eingestuft werden konnten. 
Am 28. April 1999 genehmigte die Regierung das Arbeitsprogramm 
und ein Budget von 89 Millionen österreichischen Schilling (6,468 Mil- 
lionen Euro). Die Kommission war zwar ein Organ der Republik Öster- 
reich, sie konnte aber weisungsfrei und unabhängig arbeiten. Ihre Mit- 
glieder waren zur Verschwiegenheit verpflichtet. Die Veröffentlichung 
der Ergebnisse liess sie sich garantieren.” In diesem Punkt hatte die 
Kommission aus den Erfahrungen der Waldheim-Kommission gelernt.” 
Die Kommission vergab insgesamt 47 international ausgeschrie- 
bene Forschungsprojekte und Gutachten an rund 160 Wissenschaftler 
und Wissenschaftlerinnen aus verschiedenen Disziplinen (Historiker, 
Juristen, Soziologen, Politologen). Diese lieferten im Lauf von dreiein- 
halb Jahren 54 Berichte ab, die im Februar 2003 zunächst im Internet 
und anschliessend auch in Buchform publiziert wurden. Die Online- 
Publikation wurde in der Zwischenzeit leider aus dem Netz entfernt. 
Ein wesentlicher Unterschied zur schweizerischen Bergier-Kom- 
mission war, dass die österreichische Historikerkommission kein umfas- 
sendes Archivprivileg bekam. Dies hängt mit ihrem Grundsatz der 
«komplementiren Forschung»? zusammen: Aufgrund der zeitlichen und 
20 Dokumentationsarchiv des Osterreichischen Widerstands (Wien), Institut fiir Zeit- 
geschichte der Universität Wien und Institut fiir Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 
der Universitit Graz. 
21 Jabloner u.a. (Hrsg.), Schlussbericht, S. 19. 
22 Ebenda, S. 20. 
23 Blimlinger, «... erforschen und berichten ...» (ohne Seitenangabe). 
24 Siche Versffentlichungen der Osterreichischen Historikerkommission. 
25  Jabloner u.a. (Hrsg.), Schlussbericht, S. 30. 
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