Volltext: Geschichte erforschen - Geschichte vermitteln

Historikerkommissionen 
oft benannt wurde. Die «Bergier-Kommission» beschäftigte etwa 30 wis- 
senschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Schweiz mit befris- 
teten Aufträgen, dazu kamen Forschungsteams in den USA, Deutschland 
und Polen. Alle Mitarbeitenden waren zur Vertraulichkeit verpflichtet: 
Sie unterstanden dem Amtsgeheimnis und durften Informationen aus 
nicht-öffentlichen Akten nur im Rahmen des Mandats verwenden. 
Der Bundesrat war aufgrund des Bundesbeschlusses verpflichtet, 
die Untersuchungsergebnisse vollständig zu veröffentlichen. Anonymi- 
sierung von Personendaten war nur für den Fall vorgesehen, dass über- 
wiegende schutzwürdige Interessen lebender Personen dies erforderten. 
Der Bundesrat ging 1996 davon aus, dass die Kommission mit 
einem Budget von fünf Millionen Franken auskommen würde, doch 
musste das Parlament bereits 1997 angesichts des umfassenden Mandats 
und der aufwendigen Quellenarbeit einen Zusatzkredit von 17 Millionen 
Franken beschliessen (insgesamt also 22 Millionen Franken). 
Die UEK schloss am 19. Dezember 2001 ihre Arbeit termingerecht 
ab. Das Ergebnis bestand in einem 600-seitigen Schlussbericht und in 
25 Bänden zu den verschiedenen Forschungsbereichen (circa 11 000 Sei- 
ten), die ab 1998 publiziert wurden und weitgehend auf Quellenarbeit 
beruhen. 
Die Arbeit der Historikerkommission wurde in der Schweiz vor- 
wiegend positiv aufgenommen, ausser bei der Schweizerischen Volks- 
partei (SVP). Im Ausland fand sie überraschend wenig Beachtung. 
Georg Kreis erklärte dies mit der Einigung, die die Schweizer Grossban- 
ken 1998 mit den Klägern in den USA erzielt hatten. Diese Lösung sah 
vor, dass die Schweizer Banken 1,25 Milliarden US-Dollar bezahlten und 
die Kläger ihrerseits auf alle Klagen verzichteten. Nach diesem Deal — so 
Georg Kreis — hätten sich die Streitparteien «schlagartig» nicht mehr für 
die Ausgangslage interessiert.!® 
Die UEK hatte den Auftrag, eine historische und eine rechtliche Be- 
urteilung der von ihr untersuchten Vorgänge vorzunehmen. Sie verstand 
sich jedoch als ein geschichtswissenschaftliches Projekt, das Interpreta- 
tionen vorlegte und Bewertungen vornahm, jedoch keine Urteile fällte.!® 
  
15 Kreis, Historiker als Richter?, S. 34. 
16 Unabhingige Expertenkommission Schweiz — Zweiter Weltkrieg, Schlussbericht, 
S.31. 
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