Volltext: Geschichte erforschen - Geschichte vermitteln

Elisabeth Berger 
rien eignen würde. Da das liechtensteinische Familienrecht zum über- 
wiegenden Teil auf dem österreichischen ABGB beruhte, wurde der 
Revision dieser Rechtsmaterie das geltende österreichische Recht 
zugrunde gelegt. Das ZGB wurde jedoch überall dort als Rezeptions- 
vorlage herangezogen, wo man sich schon bisher daran orientiert hatte. 
Darüber hinaus liess man sich die Option offen, die ausländischen 
Rechtsnormen in Einzelfällen an die speziellen liechtensteinischen Ver- 
haltnisse anzupassen.* 
Der Ehe- und Familienrechtsreform 1993 folgte schliesslich als 
deren Erginzung 1999 die Reform des Trennungs- und Scheidungs- 
rechts, einer ganz besonders heiklen Rechtsmaterie.* Da das Ehegesetz 
ein «Konglomerat von Rechtsvorschriften» darstellte, musste zunächst 
die passende Rezeptionsvorlage ausgewählt werden. Die Entscheidung 
fiel hier zugunsten des schweizerischen Rechts, da ein wichtiges Anlie- 
gen der Reform in der Aufgabe des Verschuldensprinzips bestand. Im 
neuen Scheidungsrecht wurden zwei Scheidungsmöglichkeiten veran- 
kert, die beide auf dem Zerrüttungsprinzip basieren: Zum einen die 
Scheidung auf gemeinsames Begehren, die es ermöglicht, eine geschei- 
terte Ehe ohne unnötige Hindernisse aufzulösen; zum anderen die Schei- 
dung auf einseitiges Begehren, die die Scheidung auf Klage nach mindes- 
tens dreijährigem Getrenntleben umfasst sowie — subsidiär — die Schei- 
dung auf Klage wegen Unzumutbarkeit der Fortsetzung der Ehe. 
  
43 Dies erwies sich vor allem beim Namensrecht der Ehegatten und bei der Frage der 
Aufteilung des ehelichen Vermögenszuwachses als nötig. 
44 Berger, Rezeption, S. 195-211. 
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