Volltext: Geschichte erforschen - Geschichte vermitteln

Cornelia Herrmann 
In solchen Schutzbereichen konnten sich viele Künstler bis ins 16. Jahr- 
hundert halten. Wenn wir den Blick auf die Kunstgeschichte Hollands 
richten, lässt sich dort im 17. Jahrhundert ein vergeblicher Kampf der 
Gilden gegen einen aufblühenden Kunsthandel feststellen. Die Konkur- 
renz unter den Künstlern war hart. Sie boten ihre Werke auf Messen und 
Strassenmärkten an oder liessen sie von Bilderhändlern zu oftmals 
schlechten Vertragsbedingungen verkaufen. Sie versteigerten ihre Werke 
auf Auktionen oder setzten sie als Lotteriepreise aus. Viele Künstler 
suchten Rettung in einem zweiten Beruf. Jan Steen besass eine Brauerei 
in Delft und eine Taverne in Leiden, Jan van Goyen handelte mit Immo- 
bilien und Tulpen.? 
Kunst — eine wenig ansehnliche Angelegenheit 
der unteren Gesellschaftsschicht? 
Mit Ausnahme des Bildhauers, Malers und Dichters Leon Battista 
Alberti, Spross einer der vornehmsten Florentiner Familien, oder des 
Architekten und Bildhauers Filippo Brunelleschi aus Florenz und des 
Universalgenies Leonardo da Vinci, beides S6hne von angesehenen No- 
taren, ist es im 15. Jahrhundert schwierig, italienische Künstler aus dem 
Mittelstand oder gar der Oberschicht zu benennen. Paolo Uccello war 
Sohn eines Barbiers, Andrea del Castagno das Kind eines Bauern, der 
Vater von Fra Filippo Lippi war Metzger, der Vater von Sandro Botticelli 
ein Lohgerber. Die Pollaiuolo-Brüder kamen aus einer Familie von Ge- 
flügelhändlern. Um die familiäre Wertschätzung eines Kunstschaffenden 
«aus gutem Haus» war es nicht nur in Italien und in dieser Zeit schlecht 
bestellt, wie den europäischen Künstler-Memoiren des 19. Jahrhunderts 
zu entnehmen ist. Der deutsche Maler Walter Firle erinnerte sich, dass 
1879 sein Entschluss, Maler zu werden, «noch als höchst ungewöhnliche, 
ja wirklich unsinnige Idee angesehen» wurde.® Der Vater von Sir Francis 
Oppenheimer verbot seinem Sohn das Haus, als sich dieser entschloss, 
den Beruf eines Anwalts für ein Kunstlerleben in Paris einzutauschen.” 
  
5 Wittkower/ Wittkower, Aussenseiter, S. 36-37. 
6 Wittkower / Wittkower, Aussenseiter, S. 28. 
7 Oppenheimer, Stranger, S. 108. 
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