Volltext: Geschichte erforschen - Geschichte vermitteln

Wilfried Marxer 
len durchgeführt, die nach dem neuen Wahlgesetz möglich wurden. 
Das heisst, dass eine Einheitsliste der Fortschrittlichen Bürgerpartei und 
der Vaterländischen Union ohne Urnengang angenommen wurde und 
den neuen Landtag bildete, da fristgerecht keine rechtsgültige Einsprache 
dagegen erfolgte. Somit konnte die nationalsozialistische Volksdeutsche 
Bewegung in Liechtenstein (VDBL) gar nicht zu den Wahlen antreten. 
1943 wäre die nächste Wahl fällig gewesen, aber aufgrund einer fürstli- 
chen Verordnung” wurde die Mandatsperiode des bestehenden Landtags 
auf unbestimmte Zeit verlängert — also wieder ohne Urnengang und ohne 
Involvierung der Nationalsozialisten.”? 1945 war die Volksdeutsche 
Bewegung kein politischer Faktor mehr und es wurden wieder ordentli- 
che Wahlen, erstmals nach dem Proporzwahlrecht, durchgeführt. 
1945 versuchten die Parteien gemeinsam, die Zahl der Landtags- 
mandate von 15 auf 21 zu erhöhen — 13 im Oberland und 8 im Unter- 
land. Beide Parteien erachteten eine Erhöhung als sinnvoll, weil damit 
die Chance erhöht würde, dass alle Gemeinden im Landtag vertreten 
sind. Mehr Abgeordnete würden zudem der gesellschaftlichen und 
beruflichen Ausdifferenzierung besser gerecht und damit werde die 
liechtensteinische Gesellschaft breiter repräsentiert.” Mit der Einfüh- 
rung des Proporzwahlrechts war das 1932 eingeführte Gemeindequo- 
rum, welches eine geografische Streuung der Abgeordneten garantierte, 
wieder abgeschafft worden. Trotz Konsens der beiden Parteien war das 
Volk jedoch gnadenlos: Die Vorlage erreichte am 18. März 1945 gerade 
einmal die Zustimmung von knapp 21 Prozent.“ 
Kampf für das Frauenstimmrecht 
In den 1950er-Jahren kam es zu mehreren Volksabstimmungen, die aller- 
dings Gesetze betrafen und daher hier nicht vertieft werden. Erst 1968 
wurde die Verfassung erneut Gegenstand einer Volksabstimmung. Bis 
  
30 Geiger, Krisenzeit, Bd. 2, S. 327-330. 
31 Fürstliche Verordnung vom 18. Februar 1943 betreffend die Verlängerung der Man- 
datsdauer des Landtages, LGBl. 1943 Nr. 4. 
32 Geiger, Kriegszeit, Bd. 2, S. 104-110. 
33 Siche Geiger, Krisenzeit, Bd. 1, S. 318-320. 
34 Vogt, 125 Jahre Landtag, S. 241; Amu fiir Statistik, T_10.2.01. 
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