Volltext: Wahlverhalten und Wahlmotive im Fürstentum Liechtenstein

Stand der Forschung in Liechtenstein Bereits Anfang der 70er Jahre hat sich 
Wille in einem Vortrag im Rah­ men des Jahresprogramms der Liechtensteinischen Akademischen Gesellschaft unter dem Thema «Fragen an Liechtenstein» Gedanken zum Kleinstaat im Wandel gemacht.17 Allerdings wird auch in diesem Vortrag die Frage der Wahlmotive nur ganz kurz gestreift. Trotzdem ist die Aussage von 
Wille sehr interessant. Er schreibt über die Parteien: «So unentbehrlich die politischen Parteien für die Bildung eines Gemeinwillens sind, so kann man doch feststellen, dass unsere Bürger eine teilnahmslose und daher unkritische Haltung gegenüber den Par­ teien einnehmen. Charakteristisch für diese Situation ist nämlich, dass der Bereitschaft, die bürgerlichen Rechte in den Wahlen auszuüben, keine vergleichbare Bereitschaft entspricht, sich parteipolitisch zu enga­ gieren.»18 Diese Bemerkung aus den frühen 70er Jahre ist vor allem er­ staunlich vor dem Hintergrund, dass in den vorangegangenen 60er Jah­ ren die Christlich-Soziale Partei erstmals einige Unruhe in die sonst erstarrte Parteienlandschaft gebracht hat. Zu den Wahlmotiven heisst es bei Wille: «Tatsache ist, dass Parteiprogramme das Bewusstsein des jun­ gen Wählers nur noch in verschwindendem Umfang zu erreichen ver­ mögen. So wählt er denn vorwiegend nach traditionellen Gesichtspunk­ ten. Wo dies nicht zutrifft, wird er bestrebt sein, entweder die regieren­ de Partei oder die oppositionelle Partei zu stärken.»19 Eine Bemerkung zum Aspekt der Parteineigung findet sich bei 
Batli- ner in einer Arbeit aus dem Jahr 1976: «Zu den politischen Wirklichkei­ ten und Kräften gehören die Parteien und die Art ihrer Zusammenarbeit in der Regierung (sog. Co-Opposition). Das Thema sei hier nur gestreift. Immerhin sei betont, dass bei derzeit zwei, und zwar annähernd gleich starken, im Landtag vertretenen Parteien eine totale Opposition der einen Partei.ihre Gefahren für den Staat zeitigen könnte, wie auch ein völliges Zusammengehen der beiden Gruppen Gefahren für die Demo­ kratie mit sich brächte. Die sehr knappen Mehrheitsverhältnisse bieten einerseits einen Schutz für die jeweils zweite Partei. Anderseits ermög­ lichen sie es aber den nicht selten mit Parteiwechsel oder Wahlabstinenz drohenden pressure groups in Form von Familienclans, ungewöhnlichen 17 Wille 1977. 18 Wille 1977: 24. " Wille 1977: 25. Unter Opposition ist die Minderheitspartei in der damaligen Koalitions­ regierung, die sogenannte Ko-Opposition, zu verstehen. 19
	        

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