Volltext: Wahlverhalten und Wahlmotive im Fürstentum Liechtenstein

Einleitung durch die Arbeiten von 
Kaase, Klingemann, Falter, Veen und anderen repräsentiert wird, ist die politikwissenschaftliche Forschung in Liech­ tenstein gänzlich unberührt.5 
Die Frage nach den Wahlmotiven und dem Wahlverhalten in Liechtenstein ist bisher weder systematisch wissen­ schaftlich untersucht worden, noch existierten bisher Datenerhebungen, die die amtlichen Wahlstatistiken ergänzen. Neben den mündlichen Quellen standen daher bislang nur Aggregatdaten zur Verfügung. Indi- vidualdaten wurden erstmals im Rahmen der vorliegenden Arbeit in Form einer Nachwahlbefragung erhoben. Trotz dieser Lücken sind ansatzweise Versuche unternommen wor­ den, das Wahl verhalten in Liechtenstein zu erklären. 
Michalsky konsta­ tiert in Liechtenstein eine Abnahme der Parteibindung: «Die Parteien können sich heute ihrer Anhänger nicht mehr so sicher sein. Dafür gibt es mehrere Gründe. Einmal sind die existenziellen Gründe für die tradi­ tionellen Parteibindungen praktisch entfallen. Die Bürger sind nicht nur materiell weitgehend unabhängiger geworden von den Vorteilen einer Parteibindung, sie sind auch kritischer gegenüber Autoritäten. Umge­ kehrt sind auch die Anforderungen an die Politik und damit auch an die Parteien gewachsen. Auf blinde Gefolgschaft ihrer Anhänger können sie nur noch sehr begrenzt bauen, und umgekehrt überschauen sie auch nicht mehr genau, mit welcher Politik sie Zustimmung in ihrer vermute­ ten Anhängerschaft finden.»6 Trotzdem scheinen ihrer Meinung nach die traditionellen Parteibindungen, die sich aus der Familientradition herlei­ ten, noch weitgehend zu funktionieren, wenn sie schreibt: «Beide Par­ teien gehen von den ihnen traditionell verbundenen Familien aus, wenn es darum geht, Bürger und Bürgerinnen zu nominieren.»7 Man muss aber festhalten, dass auch kleinere Oppositionsparteien immer wieder Kandidatinnen rekrutieren konnten, sodass es offensichtlich ist, dass nicht alle Wahlberechtigten automatisch einer bestimmten Partei zu­ zuordnen sind. Zu Beginn der 60er Jahre erreichte beispielsweise die Christlich-Soziale Partei auf Anhieb einen Stimmenanteil von über 10 Prozent. Das ist mehr als die Freie Liste bei ihrer ersten Wahlteil­ nahme im Jahr 1986 erzielte. Ausserdem bedeutet eine Lockerung der 5 Vgl. Lazarsfeld u.a. 1944; Downs 1957; Campell u.a. 1960; Kaase/Klingemann 1983; Falter u.a. 1989; Veen u.a. 1991. 6 Michalsky 1990b: 272. 7 Michalsky 1990b: 273. 14
	        

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