Volltext: Skizzen zur Geschichte und Würdigung der St. Luzisteig

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[II Bünde durch einen Landvogt. „Da aber die zwei Gerichts- 
Gemeinden Mayenfeld (mit Fläsch) und Malans (mit Jenins) auch 
zum Bund der X Gerichte gehörten und als solche Sitz und Stimme 
in den Bundestagen hatten, so entstand daraus das sonderbare 
Verhältniss, dass dieselben zugleich Beherrschte und Beherrscher 
waren.“ (Pl. 8; 157%) 
In vollen und alleinigen Besitz der rätischen Bünde kam somit 
die Luzisteig erst 10 Jahre nach dem Schwabenkriege. 
In den Jahren 1525 und 26 folgt die Eroberung des Veltlin 
und der Grafschaft Cläven (Bergell, Poschiavo und Bormio waren 
schon früher, theils durch Schenkung, theils durch Eroberung, 
bündnerisch). 
Die beiden Müsserkriege (wegen Schloss Musso oder Müss am 
Comersee) können wir hier ganz übergeben, da der Steigpass dabei 
nicht in Frage kommt. Hingegen ist nun der Umstand, dass das 
Herzogthum Mailand anno 1556 spanische Provinz wurde, von grösster 
Wichtigkeit auch für die Steig, weil nun spanisch-östreichische 
Interessen sich mit französischen in Mailand und an den Bündner 
und Veltliner Pässen berühren und bekriegen, da Mailand östlich 
durch die Republik Venedig und Graubünden vom übrigen Oest- 
reich getrennt war, wie ein Blick auf die Karte der damaligen 
Ländergruppirung zeigt. 
Wenn in der Lombardei ein französischer Angriff auf Mailand 
erfolgte, so konnte also Oestreich ohne das venetianische Gebiet 
zu betreten, nur über die Bündner und Veltliner Pässe Mailand 
Hülfe leisten; diesem musste also sehr daran gelegen sein, dass 
ihm dieselben im Fall der Noth geöffnet werden, den Franzosen 
aber, dass sie im Gegentheil dem Feinde verschlossen und je nach 
Umständen ihm selbst offen blieben. Um die Lage noch zu kom- 
pliziren, trat im Beginn des XVII. Jahrhunderts auch Venedig als 
Mitbewerber um Bündnisse und um Oeffnung der Pässe auf. 
Im Jahre 1565 erklärte sich der Bundestag von Davos für 
das französische Bündniss und nachdem im Jahr 1602 dieses in 
Gemeinschaft mit den Eidgenossen zum sechsten Mal erneuert 
worden war, kam anno 1603 auch dasjenige mit der Stadt und 
Republik VeneG:g zu Stande. Bald nach Abschluss des letztern 
gab der spanische Statthalter von Mailand, Graf von Fwuentes, durch 
dasselbe noch mehr erbittert, seinem Zorn dadurch Ausdruck, dass 
er die Ausfuhr von Getreide in die Bünde und die Versendung von
	        

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