Volltext: Die currätischen Herrschaften in der Feudalzeit

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des Oberhalbstein vom König dem Bischof übertragen wor- 
den, so dass derselbe dort schon lange bevor er die Wan- 
gen’schen‘ Güter erwarb, die gräflichen Rechte ausgeübt 
haben würde. 
Ohnehin hatte der Bischof schon vor den Erwerbungen 
des Jahres 1258 bedeutende Besitzungen sowohl in Ober- 
halbstein als in der Gegend von Alvaschein, nämlich die 
Meyerhöfe Schweiningen, Salux und Praden, von 
welchem letzteren allein er !24 Mutt (1 Mutt == circa 2 
Sester) Getreide und 110 Käse bezog. *) 
Um so mehr mochte ihm daran gelegen sein, zu der 
ausgedehnten Immunitätsgerichtsbarkeit, die er hier 
schon hatte, auch die gräflichen Rechte zu erwerben 
und damit zugleich alleiniger Herr des (das Oberhalbstein 
mit dem Bergell verbindenden) dannzumal äusserst wich- 
tigen “ 27”imer Passes zu werden, welchem letzteren 
Wunsche der Kaiser ohne Zweifel um so lieber entsprechen 
mochte, als ja auch schon das Bergell offenbar nur mit 
Rücksicht auf diesen Pass dem Bischof überlassen wor- 
den war. 
Warum hiess denn aber, wenn die später zu Tage tre‘ 
tenden‘ gräflichen Rechte des Bischofs‘ über das Oberhalb- 
stein auf einer königlichen Verleihung beruhten, letzteres 
nicht, wie Bergell und Oberengadin, «Grafschaft»? 
Eine sichere Antwort auf diese Frage vermag ich nicht 
zu geben. Dagegen wage ich die Vermuthung auszuspre- 
chen, -dass. diese Verleihung keine definitive, sondern 
nur eine provisorische — bis zur beabsichtigten Wieder- 
herstellung der Grafschaft Oberrätien — sein sollte — ein 
Provisorium, welches freilich dadurch, dass die Wiederher- 
stellung niemals erfolgte, in einen definitiven Besitz über- 
‘)-Bischöfl. Urbar aus dem XI. Jahrh. (Planta, das alte R@ 
tien, Beil. X.) und bischöfl. Urbar v. 1290 — 1298 (Mohr, Cod. 1 
n. 76).
	        

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