Volltext: Die currätischen Herrschaften in der Feudalzeit

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Folglich bildete der Bezirk, in welchem die erwähnten 
zwei Dörfer Bonaduz und Räzüns und das Schloss nebst 
der St. Georgs-Kirche liegen, ohne Zweifel ursprünglich ein, 
aus einem römischen Lagerplatz hervorgegangenes Kastell, 
welches als Krongut auf die fränkischen Könige gekom- 
men war, £9 dass die Bewohner jener beiden Dörfer wohl 
königliche kolonen (Fiskalinen) waren, wie sie denn später 
wirklich als Leibeigene erscheinen. 
Demnach dürfte die, ursprünglich auf Bonaduz und 
Räzüns beschränkt gewesene Herrschaft Räzüns auf eine 
königliche Verleihung zurückzuführen sein — selbst- 
verständlich jedoch nur in dem Sinne, dass dem Belehnten 
anfänglich blos eine niedere oder Hof-Gerichtsbar- 
keit über die zur Burg gehörigen Kolonen zustand. 
Urkundlich tritt zuerst ein Herr von Räzüns im Jahr 
1189 auf und zwar als Zeuge in dem wichtigen Kaufver- 
trage, wodurch der Bischof von Cur die Gamertingen’schen 
Besitzungen im Oberengadin erwarb. !) Dieses, sowie auch 
die Mitwirkung eines Herrn von Räzüns bei der mehrer- 
wähnten grossen Schenkung Ulrich’s von Tarasp an den 
Bischof von Car (1160) ?) deuten darauf hin, dass die Herren 
von Räzüns schon im XI. Jahrhundert in hohem Ansehen 
standen und da die oberrätischen Grafen damals schon 
längst erloschen waren, wird man annehmen dürfen, dass 
sie über ihr kleines Gebiet bereits auch die hohe Judikatur, 
überhaupt weitgehende  hoheitliche Rechte ausübten, und 
zwar ohne Zweifel, da sie sich niemals «Grafen » nannten, 
öhne dass ihnen die gräflichen Rechte von dem König über- 
tragen worden, wären. 
Unter dem Namen «Brun» erscheinen die‘ Herren von 
Räzüns zuerst im. Jahr 1251.%) Zufolge dieses deutsch 
1) Mohr, od. I. n. 118 (« Arnoldus de Razune »). 
2) Mohr, Cod. I. n. 136, 
3) Urk. von 1251 im Thurn- und Taxis’schen Archiv zu 
Regensburg.
	        

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