Volltext: Die currätischen Herrschaften in der Feudalzeit

— 364 — 
rische Beunruhigungen geförderten‘) Auswanderungstrieb 
willig entgegen ?). 
Diese Wandergesellschaften scheinen übrigens, da die 
Walliser Geschichtschreiber ihrer gar nicht erwähnen, meist 
nicht zahlreich gewesen zu sein; auch steht urkundlich fest, 
dass das Bergthal Laterns (im Vorarlberg) im Jahr 1313 
nur an zwei Walserfamilien verliehen wurde®), und die 
Veberlieferung, dass die Landschaft Davos (welche ich dem- 
nächst besprechen werde) nur an zwölf Ansiedler verliehen 
wurde, ist so unbezweifelt, dass sie sogar in das Davoser 
Landbuch übergegangen ist. 
Allein durch die Macht der Freiheit. und durch succes- 
siven Zuwachs scheinen diese kleinen Kolonieen in kurzer 
Zeit ‚an Menschenzahl und an Wohlstand üppig emporge- 
blüht zu sein, derart, dass sie die romanische Urbevölkerung, 
wenn. eine solche vorhanden war, bald verdrängten oder 
absorbirten — ein Prozess, der dadurch gefördert werden 
mochte, dass diese Walliser, kraft ihres « Walserrechtes » 
sich zu den leibeigenschaftlichen « Steuern », welche auf 
1) Zu den späteren Auswanderungen mag namentlich ein krie- 
gerischer Einfall des Grafen Peter von Savoyen in das Ober- 
wallis vom Jahr 1351 einen Anstoss gegeben haben (Furrer, a. a. 0. 
S. 99). Auch will man von Bergstürzen u. s. w. wissen, doch fehlen 
darüber nähere Angaben. 
2) So meint Simler (Vallesie deseriptio, vom Jahr 1574, S. 51): 
« Circa hec tempora (d. h. im XIIL Jahrhundert) Vallesiani aliquot 
a Vatiensibus in Rhetiam evocati, regionem Davosianam, que tum 
adhuc inculta et silvestris erat, incolere et inhabitare ceperunt ». 
Uebrigens scheinen auch Walliser Herren diesen Wandertrieb 
zur Kolonisation höherer Berggegenden sich zu Nutzen gezogen zu 
haben, indem sie sogar Leibeigene zu solchem Zwecke verkauften. 
Wenigstens wird berichtet, dass ein Herr von Gesteln im Jahr 1346 
dem Abt von, Interlaken einige Hundert seiner « Unterthanen» aus 
Lötschen, zur Kolonisation des Berges Gsteig verkaufte (Furrer, 2. 
a. 0. 8. 115). — Ob die Kolonisationen der Herren von Vatz, wie 
Simler (a. a. 0.) meint, von den Herren von Raron unterstützt wurde, 
lasse ich dahingestellt. 
3) Bergmann, Beitr., S. 100.
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.