Volltext: Die currätischen Herrschaften in der Feudalzeit

Dieser Blutdurst des späteren Mittelalters hatte, abge- 
sehen von dem zur Grausamkeit geneigten Zeitgeist, un- 
zweifelhaft einen besonderen Grund theils in dem, zur An- 
wendung von Körper- und Lebensstrafen nöthigenden Man- 
gel an Anstalten für längere Freiheitsstrafen, theils in dem 
Bestreben der Herrschaften, durch Ausdehnung der Todes- 
strafe möglichst viele Verbrechen in das Bereich der hohen 
Judikatur zu ziehen, besonders so lange die Konfiskation 
des von den Hingerichteten nachgelassenen Vermögens eine 
Quelle der Bereicherung war: das Verbot solcher Konfis- 
kationen war daher gewöhnlich ein Hauptaugenmerk der im 
Laufe des XV. Jahrhunderts entstandenen Statuten. 
Im Jahr 1472 bestritt aber der Bischof von Cur (Ort- 
lieb von Brandis) dem Grafen Georg, als Herrn von Orten- 
stein, neuerdings seine Hoheitsrechte in dieser Herrschaft, 
doch wurden auch diesmal die «Hochgerichte zu Tomils » 
dem Grafen «laut seinen Freiheiten und Urbar» schiedsge- 
tichtlich zuerkannt mit dem Beifügen, dass «Wildbann, 
Federspiel und Fischenz» (d.h. die Regalien der Territorial- 
herrlichkeit) «den hohen Gerichten nachfolgen»') — ein 
Satz, der übrigens (wie wir bei Walenstatt sahen) nicht 
überall zutrifft. 
Zu Ende des XV. Jahrhunderts verkaufte Graf Georg 
yon Werdenberg-Sargans die Herrschaft Ortenstein gegen 
ne Leibrente an seinen Schwiegervater, Graf Eberhard 
Truchsess von Waldburg, Graf zu Sonnenberg, von welchem 
sie (1526) an Ludwig Tschudi überging?), der sie schon im 
{arauf toigenden Jahre (1527) an «Ammann, Gericht und 
ganze Gemeinde der Herrschaft Ortenstein» für fl. 15,000 
x) Urk. v. 1472 im bischöfl. Archiv. 
?) Lehensrevers von Ludwig Tschudi von 1526. (Dok. Sammlung 
des rät. Mus.) 
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