Volltext: Die currätischen Herrschaften in der Feudalzeit

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lich ursprünglich weder gräflich noch bischöflich, sondern 
königlich. Nachdem aber die Grafen sich mehr und mehr 
in die Stelle des Königs drängten und die Staatsgewalt an 
sich rissen, hatten sie auch einen natürlichen Anspruch auf 
die Territorialherrlichkeit, soweit diese nicht durch 
die bischöflichen Besitzungen begrenzt war, denn die Grafen 
waren seit jeher Organe der Staatsgewalt gewesen 
und hatten somit einen staatlichen Charakter, der den 
Bischöfen, als solchen, abging. Wenn es indess letzteren ge- 
lang, ihre Crundherrlichkeit und damit verbundene Immu- 
nitäts-Gerichtsbarkeit über ihre Besitzungen hinaus auszu- 
dehnen und territorial abzuschliessen, so war damit auch 
die Grundlage für die Territorialhoheit und für Erhebung 
ihrer Immunitäts-Gerichtsbarkeit zur gräflichen Gerichts- 
barkeit und somit zur Landesherrschaft auf diesem 
Gebiete gewonnen und mussten demzufolge die Grafen all- 
mälig aus demselben hinausgedrängt werden. Umgekehrt 
musste es das Bestreben der Grafen sein, die bischöfliche 
Grundherrlichkeit und Gerichtsbarkeit auf die bischöflichen 
Besitzungen und Leute einzuschränken und auch über diese 
ihre Territorial- und Staatshoheit zur Geltung zu brin- 
gen, ja; wenn möglich, die bischöflichen Immunitätsrechte 
gänzlich aus der Grafschaft zu verdrängen. Der Kampf 
galt somit in erster Linie um die Territorialherrlich- 
keit, in letzter Linie um die Staatshoheit und Landes- 
herrschaft. 
In diesem Kampfe hatten die Grafen von Tirol, als In- 
haber der höhern Staatsgewalt, namentlich der hohen Judi- 
katur, einen grossen Vorsprung vor den Bischöfen von Cur. 
Wenn derselbe dessenungeachtet fünf Jahrhunderte andauerte 
und schliesslich, trotz der Uebermacht der Herzoge von 
Desterreich und beziehungsweise der deutschen Kaiser, als 
Grafen von‘ Tirol, nur theilweise zum Nachtheil des Bis- 
thums ausfiel, so ist dies vorerst dem Umstande zuzu- 
schreiben, dass die Bischöfe von Cur, ehe Tirol (1363)
	        

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