Volltext: Statistik der Römischen Ansiedelungen in der Ostschweiz

— 141 (103) — 
lichen Boden, d.h. über die horizontale obere Felsenfläche gelegt und zwar in die nordöstliche Ecke des innern Raumes; 
ohne Erweiterung nach Innen, im Halbkreise überwölbt, dieser aber auf der Aussenseite mit einem horizontalen Sturze und 
darüber befindlichen Rundfelde (Tympan) aus einem einzigen Steine (die Pforte ist, 3‘ breit) geschlossen, Wie bei allen 
vömischen Thürmen sind die mittlern Stockwerke nur durch Bretterböden geschieden und durch sparsame Schlitze erleuchtet. 
Die Werkstücke auf den äussern Seiten reichen keineswegs durch die ganze Dicke der Mauer, sondern bilden äussere; 
kleinere, glatte Quader bilden die innere Verkleidung, den Kern hingegen Bruchsteine und Brocken aus porösem Tuff in 
reichlichem Ziegel-Mörtel. Da man die Quader nehmen musste, wie man sie in der Eile bekam und sich zufrieden gab, 
für die einzelnen Lagen gleich hohe zusammen zu finden, so konnte hier von gleichmässigen Buckeln nicht die Rede sein, 
und diess um so weniger, als man sich mitunter auch zu ehemals in anderer Weise verwendeten, durch Sculpturen ver- 
zierten oder ganz glatten Werkstücken bequemen musste. Dagegen sind die vier Ecken, oder vielmehr die vier senkrechten 
Kanten des Thurmes äusserst sorgfältig behandelt und mit einem gleichbreiten Randbeschlage versehen, der sich zur Rechten 
und Linken der haarscharfen Kante wie eine glatte, überall gleichbreite Borte herabzieht: die Arbeit eines geübten Stein- 
metzen, wohl erst nach vollendetem Bau.« 
Im Erdgeschosse auf der innern Seite des Thurmes sind ein Paar Steine mit Reliefs, Figuren 
und Laubgewinde. darstellend; eingemauert — ein Beweis, dass auch von einigen Monumenten des 
wahrscheinlich schon zerstörten Ortes das Material zum Bau dieses Thurmes hergenommen. wurde.!) 
‘Auf der nördlichen Seite desselben, unweit seiner östlichen Ecke ist eine 14 Zoll hohe Büste aus 
Muschelsandstein in die Mauer eingebunden, deren vordere Seite einen weit hervortretenden Kopf 
zeigt. Um für sie Platz zu gewinnen, wurde ein Theil der Buckeln des darüber befindlichen Steines 
weggemeisselt. Obgleich Frost und Regen die Büste übel zugerichtet haben , ersieht man doch deutlich, 
dass Kopf und Schulter wie von einem Panzerhemde bedeckt sind. Ihr Alter ist noch nicht ermittelt. 
Wir verweisen auf die genaue Abbildung und Beschreibung derselben in der Zeitschrift »Aargovia« 
Jahrgang 1860. 
Strassen. Ueber Vindonissa führte, wie früher schon angegeben, von den rätischen Alpen 
herkommend, die Heerstrasse, welche Oberitalien, zunächst Mailand, mit den Rheingegenden verband. 
Der Lauf dieser Strasse mit ihren Stationen ist auf dem Itinerar und der Peutingerschen Tafel 
bezeichnet. Es ist kein Zweifel, dass dieselbe zunächst der Brücke bei Fahr-Windisch gerade da, 
wo im Mittelalter die durch die Ermordung König Albrechts II. bekannt gewordene Fähre bestand, 
über die Reuss setzte, dann das Plateau von Vindonissa®) erstieg und dasselbe bei Brugg wieder 
verliess, um ihren Lauf über den Bözberg nach Augusta Rauricorum fortzusetzen. Diese Strasse ist 
ostwärts bis nach Baden (Aquee) mit Meilensteinen versehen. Siehe diese Meilensteine bei Mommsen 
Inse. No. 330 und 337 und in der ersten Abtheil. S. 295. 
Eben so sicher ist, wenn schon nicht durch Meilensteine oder Schriftliche Angaben aus Römer- 
zeit beglaubigt, die Strasse, welche dem Laufe der Aar folgend über Aarau, Olten nach Solothurn 
und Avenches führt. Es ist diess die Hauptverkehrsstrasse, welche die verschiedenen Gaue der Hel- 
vetier unter sich verband, dieselbe, auf welcher Cäcina nach dem Hauptorte des Landes zog. 
Wiederum durch das Anton. Reisebuch und die Tabula bestätigt ist eine Strasse von Vindonissa 
*') Als im Jahr 1842 im. untersten Stockwerk des Thurmes Gefangenschaften erbaut wurden, fand man im Füllwerk 
der etwa 8‘ dicken Mauer die Ueberreste einer Wendeltreppe aus Mägenwilerstein. Die Steine waren in der Mitte etwa 
2'/2/ tief ausgelaufen und müssen Jahrhunderte lang gebraucht worden sein. 
?) Wenige Klafter unterhalb der Höhe muss sie sich mit einem Nebenwege, dessen Lauf wir nicht angeben können, 
gekreuzt haben.- An dieser Stelle wurde nämlich im Jahr 1852 der Quadriviisstein (siehe Mommsen No. 247) ausgegraben.
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.