Volltext: Statistik der Römischen Ansiedelungen in der Ostschweiz

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Haller, der überall, wo Legionsziegel vorkommen, castra zestiva entdeckt, folglich auch Ober- 
kulm- als ein Sommerlager erklärt, deutet den Namen Kulm als culmen castrorum, weil diese Station 
an der Spitze aller römischen Militärstationen gestanden habe. Nach seiner Ansicht war auf dem 
Mauerhubel »ein Castel mit der Wohnung des Befehlshabers, von welcher das eben beschriebene 
Gebäude einen Theil bildete, und den Casernen. Ausserhalb des Castells befanden sich Häuser für 
Händler und Gewerbsleute, deren die Garnison bedurfte.« Von Festungsmauern ist aber auf dem 
Murhubel nicht eine Spur vorhanden, und eine nur oberflächliche Betrachtung des dortigen Gebäudes 
zeigt, dass dasselbe in die Reihe der Villen gehört, die wie Kloten, Neftenbach, Gränichen, Zofingen 
u.s. w. nach einem den Bedürfnissen eines reichen Mannes Genüge bietenden grossartigen Plane 
angelegt waren. — Die Beschaffenheit der am Fusse des Hügels vorhandenen Trümmer zu ermitteln ist 
unmöglich, da man bei Feldarbeiten nur auf vereinzelte Mauerreste stösst, die ebensowohl von Wohn- 
als‘ Oekonomiegebäuden herrühren können. Auf die letztgenannte Bestimmung deutet der Umstand 
hin; dass an solchen Stellen, nach dem Ergebniss der von mir eingezogenen Erkundigungen, Reste 
von Hypokausten, oder Mosaikböden, oder bemalten Wänden u. s. w. nie zum Vorschein gekommen 
sind. — Indessen wäre es zu gewagt, zu behaupten, dass nicht während der Anwesenheit der Legionen 
in Windisch sowohl Gränichen, das 3, als Kulm, das 4—5 Stunden vom Hauptquartier entfernt war, 
zu den Cantonnements der Truppen gehörte, ohne dass man bei dieser Annahme an castellartige 
Vertheidigungsanstalten zu denken hat. 
Lenzburg, Römisches Gemäuer kommt sowohl am nördlichen und nordöstlichen, als am südwest- 
lichen Abhange des Hügels vor, auf welchem das Schloss Lenzburg steht. »Die letztgenannte Stelle 
ist ein Acker, welcher den Namen Wildenstein trägt, in der Nähe der cantonalen’ Strafanstalt.. Der 
gegenwärtig ausgegrabene Theil gehört dem Herrn Hauptmann Fischer, welcher die kaum einen Fuss 
unter der Erdoberfläche verborgenen Mauerüberreste im Frühling des Jahres 1862 zu entfernen unter- 
nahm und dabei auf den halbkreisförmigen Fussboden aus Kalkmörtel stiess, den wir im beigegebenen 
Plane (siehe Taf. XVI. Fig. 4) mit 4 bezeichnet haben. Seine geradlinige Längenseite beträgt 8‘, sein 
grösster Durchschnitt 6‘ 2”, seine Dicke ungefähr 1‘. Wie.die Fussböden in Gränichen, ruhte er auf 
einer Steinpflasterung ; der weissliche Mörtel ist gemischt mit kleinen Kalksteinchen und Ziegelstücken, 
welche letztere ihm seine röthliche Farbe geben. Weitere Nachgrabungen fanden Statt im Auftrage 
der Regierung und unter Leitung des Herrn Ingenieur O. Zschokke. Sie waren insofern frucht- 
los, als sie neben den Ueberresten zweier Hypokauste (BB) nur noch eine Anzahl Ziegelstücke, 
darunter zwei mit Legionszeichen (LEG. Xi OPF), nebst unbedeutenden Glas- und Thonscherben und 
einigen eisernen Mauernägeln zu Tage förderten. Kohlen fanden sich wenige vor, Münzen gar keine. 
Das Alles lässt schliessen, dass diese Gebäulichkeit nicht abgebrannt, sondern vielmehr glatt auf dem 
Boden weg abgebrochen worden ist, so dass nur noch die Mauern des Fundamentes stehen blieben. 
Diese selbst sind von geringer Stärke, aus lauter Feldsteinen und Ziegelstücken zusammengesetzt, so 
dass das Gebäude, wie auch seine Dimensionen zeigen, kein gar stattliches gewesen sein mag.« 1) 
Die Hauptniederlassung aber. welche noch nicht untersucht worden ist, lag östlich vom Schloss- 
1) Abdruck des Berichtes des Herrn Ingenieur C. A. Rothpletz in dem Taschenbuch der historischen Gesellschaft des 
Cantons Aargau für 1861/62.
	        

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