Volltext: Statistik der Römischen Ansiedelungen in der Ostschweiz

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neben ihm liegenden Raume IV besteht keine Verbindung. ‚Der Raum IV, von dem man in den Raum V 
eintritt, hatte einen mit gebrannten Platten ausgelegten Fussboden, war aber bei der Aufdeckung 
fast ganz‘ zerstört. Da von ihm aus der Raum V durch das schief in die Mauer eintretende Heiz- 
loch (siehe IV‘ bei a) erwärmt wurde, so ist er als ein Zimmer untergeordneten Ranges zu betrachten. 
Das Heizloch war bei der Aufdeckung der Trümmer zugemauert oder mit Steinen verstopft, ein 
Umstand, aus dem die Jahreszeit des Unterganges der Gebäude gefolgert werden kann, da man 
während des Sommers die Feuerungsröhren (Prefurnia) der Hypokauste verschloss. Der Raum V ist 
ein. Winterwohnzimmer, daher mit einem Hypokaust versehen. Der schwebende Boden (suspensura) 
ruht auf fünf Reihen von Säulchen aus kreisrunden, durch dicke Mörtellagen verbundenen Backsteinen. 
Diese Säulchen tragen die grossen viereckigen Backsteinplatten und den aus rothem Cement und Marmor- 
tafeln bestehenden Körper des ‚eigentlichen Fussbodens (siehe Querschnitt). Zwei Wände dieses Raumes 
sind ganz, die dritte zur Hälfte mit Heizröhren bekleidet. — Der anstossende Raum VI ist ein dem 
vorigen ähnliches heizbares Zimmer und durch eine Thür, deren Einfassung aus Tufsteim besteht, mit 
ihm verbunden. Er hat kein eigenes Präfurnium, sondern empfängt die im Hypokaust des Raumes V 
erzeugte Wärme durch zwei Oeffnungen, die in der ‚Scheidemauer unterhalb der Suspensura angebracht 
sind. Die Pfeilerchen in diesem Zimmer sind theils aus quadratischen, theils aus runden Backsteinen 
errichtet, die Heizröhren auf zwei Seiten vertheilt. Fussboden und Wände sind wie beim vorigen 
Raume mit Tafeln von weissem jurassischem Marmor belegt. Auf der Ostseite dieses Zimmers ist ein 
3‘ hoher aus Backstein . verfertigter und mit rothem Cement und Marmorleisten bekleideter Absatz, 
dessen Bestimmung uns nicht deutlich geworden. In der Scheidemauer zwischen B und € bemerkt man 
den‘ Rauchzug b, der als viereckiges Rohr in dem hohlen Raume den Anfang nimmt und senkrecht 
durch die Mauer hinauf steigt. Vermittelst einer Klappe konnte er näch dem Abbrennen des Holzes 
geschlossen werden. — Das kleine Gemach VII ist ebenfalls heizbar und hat einen mit Raum VI 
gemeinsamen Hypokaust. Da es vom Feuerherde a sehr entfernt liegt. durfte, um der Wärme 
unter seinen Boden freien Zutritt zu gestatten, die Scheidemauer nicht von unten aufgeführt werden. 
Sie ist daher auf den Hypokaustboden über der Pfeilerreihe c d aufgesetzt, nur 1‘ dick und aus 
Backsteinen und der Länge nach ‚getheilten Dachziegeln verfertigt. — Das äusserste bis jetzt auf- 
gedeckte Gemach VIII ist von VII durch keine sichtbare Wand geschieden. Sein Fussboden besteht 
aus Sandsteintafeln und liegt ein Paar Fuss tiefer als die eben beschriebenen Räume. Auf der Ost- 
seite sind Stufen angebracht. Der kleine, nur wenige Fuss breite und lange Raum IX liegt gleich- 
falls tiefer als die erstgenannten Gemächer; er ist mit einem Hypokaust versehen, von dem auf zwei 
Seiten Heizröhren aufsteigen. Ueber den vertikalen, sehr kurzen Röhren waren horizontale von viel 
grösserer Dimension (Länge 131%‘, Oeffnung 6‘) angebracht, welche die Reihen dieser Kanäle nach 
oben abschlossen und zugleich eine vollkommene Circulation der Wärme vermittelten. Das Präfurnium 
war ‚ohne Zweifel auf der Ostseite angebracht. Boden und Wände sind mit Tafeln von weissem Marmor 
belegt und bei e ein Stück Marmorstein- eingesetzt, das als Sitz oder Gestell irgend eines Gegen- 
standes gedient haben mag. Auffallender Weise zeigt sich keine Spur von einem Zugang. Die Bestim- 
müng. dieses Zimmerchens, in dem man wohl sitzen, aber sich nicht ausstrecken kann, scheint die- 
jenige eines Schwitzbades gewesen zu sein. Ob Raum VIII als Kaltwasserbad zu betrachten ist, kann 
wegen der; Zerstörung, die darüber ergangen. ist, nicht mehr ermittelt werden. Bleierne oder thönerne 
‚Wasserröhren hat man nicht bemerkt.
	        

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