Volltext: Statistik der Römischen Ansiedelungen in der Ostschweiz

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Bauplatzes keinen Augenblick in Zweifel. Nachgrabungen haben zwar hier noch nicht stattgefunden, 
aber das Gemäuer, das sich in einer Länge von 120—140 Fuss und in einer Breite von 40—50 Fuss 
iiber den Boden verzweigt, nebst den Bruchstücken von Dachziegeln, von grossen Backsteinen, von 
Estrichen aus Ziegelcement, von Heizröhren, von bemalten Wänden, ferner Scherben von Fenster- 
scheiben, von feinem rothem Geschirr u. 8. W., womit der Boden bestreut ist, beweisen deutlich genug, 
dass die Wohnung des römischen Herrn mit Hausgeräthe von der besseren Sorte wohl versehen war 
und in der rauhen Jahreszeit den Comfort gewärmter Zimmer darbot. Wir entheben uns der Auf- 
zählung des Geräthes aus Erz und Eisen, das in früherer Zeit hier gesammelt wurde, und erlauben 
uns nur für einen Gegenstand, den in jüngster Zeit der Karst des gegenwärtigen Besitzers an’s Licht 
brachte, die Aufmerksamkeit des Alterthumsfreundes in Anspruch zu nehmen. Es ist ein auf Taf. IV. 
Fig. 30 abgebildeter Henkel eines aus Erz gegossenen Gefässes, das ungefähr 30 Centim. hoch, an 
der stärksten Ausbauchung 20 Centim. weit war und die unter Fig. 30° angegebene Form gehabt hatte. 
An der mit Bildwerk verzierten äusseren Seite des Henkels, dessen Seitenansicht Fig. 30* zeigt, ist in 
Relief eine Opferscene dargestellt, die ebenso hübsch gezeichnet als für den Archäologen interessant 
ist. Auf einem Altare, an dessen Fusse eine Flamme auflodert, steht in anmuthiger Haltung Mercur, 
als Gott des Handels und Gewinnes sein gewöhnliches Attribut, den Beutel, vor sich hinhaltend. Sein 
Haupt ist nicht mit dem glockenartigen, beflügelten Reisehute bedeckt, auch mangeln die Flügelschuhe 
und der Stab; dagegen trägt er, wie häufig, die Chlamys über den linken Arm geworfen. Unter 
dem Götterbilde erscheint ‚ein kräftig gebauter bärtiger Mann in freier Bewegung, mit unbedecktem 
Kopfe und kurzem Haare. Er ist mit Hosen (braccae) bekleidet, welche mit dem Obergewande 
zusammenhangen. Wie es bei der Opferhandlung gebräuchlich war, ist dieses aufgeschürzt. ein 
Theil der Brust und die Arme entblösst. Mit ‚der linken Hand fasst er am Hinterbeine das Opfer- 
thier, zwar nicht eines der Haus- und Waldthiere, welche diesem Gotte dargebracht werden, sondern, 
wenn uns unser Blick nicht trügt, ein Ferkel. Die rechte Hand hält er, um dasselbe durch einen 
Guss Wasser oder Wein oder durch Bestreuung mit Opfermehl zu weihen, über einer auf einem 
Postamente stehenden Schale ausgestreckt. Es ist demnach der erste Akt eines dem Mercur zu 
bringenden Opfers hier vor Augen gestellt. 
Unterhalb des Dorfes Altstetten trägt eine Anhöhe, die wenige Meter sich über die Thalsohle 
erhebt, den Namen Karstenbühl, dessen erste Sylbe ohne Zweifel aus dem Worte castrum ent- 
standen ist. Hier würde zum Zwecke der Abebnung des Bodens schon im vorigen Jahrhundert 
und im Jahre 1836/37 sehr festes Gemäuer ausgehoben und im letztgenannten Jahre eine .Begräbniss- 
stätte entdeckt, welche im ersten Bande unserer Mittheilungen S. 35 näher beschrieben ist. Die alte 
Römerstrasse, deren Bahn der jetzige Strassenzug vor seiner Tieferlegung benutzt hatte, lief unmittelbar 
an der Nordseite des Hügels hin. 
Der sogenannte Kindlistein, ein 9‘ hoher, würfelförmiger, erratischer Block, welcher ın 
unsern Chroniken als Hermesstein aufgeführt wird und schon im Anfange dieses Jahrhunderts als 
Baumaterial benutzt wurde, mag ein sogenannter Schalenstein gewesen sein. (Siehe Epistola von 
Ulrich in Tempe heiv. T. 11. P. Ip. 134.) 
Bassersdorf (Heidenburg). Die Heidenburg liegt 530 M. über Meer zwischen Geerlisberg, Birch- 
weil und Bassersdorf. am südöstlichen waldigen Abhange der Höhe. von welcher das erstgenannte
	        

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